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Lutherjahr 2017: Braunschweiger Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum

Es ist das Jahr des Kirchenrevolutionärs Martin Luther. Als er vor 500 Jahren den Papst herausforderte und die christliche Kirchengemeinschaft in den traditionellen und den reformierten Block spaltete, legte er gleichzeitig wichtige Grundsteine für die moderne sogenannte „hochdeutsche Sprache“. Im 16. Jahrhundert nahmen die gesellschaftlichen Entwicklungen in Richtung Globalisierung, Massenmedien und Mitbestimmung rasant Fahrt auf. Neben dem Buchdruck, dem aufkommenden Humanismus und der Aufklärung ebneten auch die Ideen Martin Luthers Wege in die moderne Gesellschaft. In vielen Teilen der Welt wird der für seine harte Kirchenkritik und die Bibelübersetzung ins Deutsche bekannte Reformator in diesem Jahr gefeiert, aber auch die Region bietet zur feierlichen Erinnerung an seinen Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 einige besondere Veranstaltungen.

Eingeleitet wird das Reformationsjubiläum mit einer Konzertreihe des Staatsorchesters Braunschweig. Im Rahmen des Gottesdienstes im Dom St. Blasii wird monatlich eine Kantate von Johann Sebastian Bach präsentiert. Die Auftaktveranstaltung ist am 15. Januar um 17 Uhr, mit einem Chorkonzert, „Erschallet, ihr Lieder“, BWV 172, und einem Konzert für drei Trompeten, Pauken und Orchester in D-Dur von Georg Philipp Telemann. Die musikalische Leitung wird von Kantorin Elke Lindemann übernommen, während Kantor Witold Dulski auf der Orgel spielt. Die Predigt wird von Dompredigerin Cornelia Götz gehalten. Ab Februar finden die Kantatengottesdienste mit Mitgliedern des Staatsorchesters Braunschweig, Solistinnen und Solisten des Staatstheaters Braunschweig, Chören des Doms St. Blasii und Kantoreien aus der Region an jedem ersten Sonntag im Monat statt. Weitere Informationen gibt es online auf www.braunschweigerdom.de.

Ab Mai kann im Braunschweigischen Landesmuseum die Sonderausstellung „Im Aufbruch. Reformation 1517-1617“ besucht werden. Sie zeigt ein Jahrhundert, in dem gesellschaftliche, politische und kirchliche Strukturen ausgehend von einer Idee grundlegend verändert wurden. Die Ausstellung geht den Fragen nach, warum die reformatorischen Gedanken gerade in dieser Zeit auf fruchtbaren Boden fielen und zur Kirchenspaltung führten, wie sie die mittelalterliche Kirche und Gesellschaft erschütterten und politische Entscheidungen provozierten. Im Braunschweigischen Landesmuseum werden auf rund 1.000 Quadratmetern verschiedene Objekte aus Kirchengemeinden in Niedersachsen und Leihgaben aus Europa und den USA präsentiert. Weitere Ausstellungen im historischen Klostergebäude St. Aegidien und in St. Ulrici Brüdern stellen zusätzlich historisch bedeutende Orte für die Reformation in Braunschweig vor. Die Ausstellungen werden vom 7. Mai bis Ende November zu sehen sein. Weitere Informationen gibt es online auf www.3landesmuseen.de.

Skulptur „Sola Scriptura“ bei Salzgitter-Lesse (c) Stiftung Prüsse

Skulptur „Sola Scriptura“ bei Salzgitter-Lesse (c) Stiftung Prüsse

Ein mehrjähriges Projekt der evangelischen Landeskirche Braunschweig soll mit vier Großskulpturen an die zentralen Glaubensgrundsätze der Luther-Reformation, die sogenannten „Soli“, erinnern: Jesus Christus, die Gnade, den Glauben und die Heilige Schrift. Nachdem seit 2014 jährlich eine Figur an unterschiedlichen Orten in der Umgebung aufgestellt wurde, wird das Projekt zum Thesenanschlagsjahr mit einer vierten Skulptur vollendet. Alle vier Kunstwerke sind vom Braunschweiger Bildhauer Magnus Kleine-Tebbe gefertigt worden und werden in der freien Natur aufgestellt. Kleine-Tebbe übersetzt die vier lutherischen Kardinalbegriffe in Bilder und Formen. Nach der drei Meter großen „Solus Christus“-Skulptur aus Sandstein auf dem Hohen Feld in Bienrode ist 2015 bei Hornburg im Kleinen Fallstein die mehr als dreieinhalb Meter hohe „Sola Fide“ und im vergangenen Jahr die zwei Meter hohe „Sola Scriptura“ in der Nähe von Salzgitter-Lesse aufgestellt worden. Die noch fehlende Figur, die „Sola Gratia“, wird im Oktober am Rand der Asse bei Großdenkte platziert und soll das Kunstprojekt abschließen. Die neue Skulptur „Allein aus Gnade“ wird einem mehr als zwei Meter hohen und zwei Meter breiten französischen Kalkstein gearbeitet und soll eine segnende Hand über einer Familie und einem Lamm darstellen. Die Familie repräsentiert die Christengemeinde, die sich in allen Lebenslagen durch die gnädige Hand Gottes gestützt fühlen kann. Das Konzept sieht vor, dass die vier Standorte miteinander verbunden aus der Vogelperspektive ein Kreuz ergeben, was Möglichkeiten etwa für einen verbindenden Wanderweg oder Predigten im Freien bietet.

Skulptur "Solus Christus" bei Bienrode (c) Stiftung Prüsse

Skulptur „Solus Christus“ bei Bienrode (c) Stiftung Prüsse

Das Vorhaben ist eine Kooperation zwischen der Landeskirche und der Karin und Joachim Stiftung Prüsse, Schirmherr ist Landesbischof Dr. Christoph Meyns. Dieser erläutert die Bedeutung der Soli-Figuren folgendermaßen: „Die Begriffe machen das besondere Profil der evangelischen Kirche aus. Ihre Zuspitzung haben sie allerdings nicht in der Zeit Luthers erfahren, sondern erst später. Die Entstehung dieser Begriffe müssen wir im historischen Kontext sehen. Luther hat sie in einer Zeit geprägt, als der Ablasshandel weit verbreitet war, also die Vorstellung, der Mensch könne sich durch fromme Taten selber von Sündenstrafen befreien. Damit hat Luther aufgeräumt. Für ihn zählte nur das Vertrauen auf Gott. Luther war es daher wichtig, dass die Menschen die Predigt verstehen und sich ein eigenes Urteil bilden können.“ Das Projekt setzte außerdem durch die steinernen Skulpturen sowie deren freiräumliche Anordnung „in Zeiten von kurzfristigen Events einen wichtigen Kontrapunkt. Die Skulpturen haben auch noch lange nach dem Reformationsjubiläum Bestand. Diese Kunst wirkt nicht kurzfristig, sondern mittel- und langfristig. Das ist auch bei der Kunst in Kirchen so, der die Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten begegnen. Das Schöne an der Bildhauerei ist, dass religiöse Inhalte und Überzeugungen über einen langen Zeitraum transportiert werden.“ Weitere Informationen gibt es online auf www.kemenaten-braunschweig.de.

Evelyn Waldt (SUBWAY Magazin – Oeding Druck GmbH) / Fotocredit: (c) Stiftung Prüsse

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