Augen auf beim Online-Kauf

Neuer Schutz im digitalen Leben. Auch bei Fahrlässigkeit.

Hashtag Cybercrime – In unserer schönen, neuen digitalisierten Welt finden auch Kriminelle immer neue Wege, schnell und einfach Profit zu machen. Doch die Betrüger erfahren zunehmend Gegenwind. Nicht nur neue Spezialeinheiten der Polizei stellen sich den neuen Bedrohungen, auch Wirtschaftsunternehmen und Versicherungsinstitute reagieren auf die wachsende gesellschaftliche Bedeutung von digitaler Sicherheit.

Als der Braunschweiger Sebastian S. zur Weihnachtszeit 2018, vermeintliche Bestellbestätigungen von Amazon in seinem E-Mail-Postfach fand, ging er zunächst von Spam aus. Schließlich hatte er die zehn mal zehn Euro X-Box-Guthaben, die dort aufgeführt waren, nie bestellt und auch in seinem Kundenkonto bei dem Onlineversandhandel waren keine derartigen Bestellungen hinterlegt. Als Programmierer und IT-Nerd ist er mit Fake-Mails dieser Art beruflich schon oft in Berührung gekommen und meint, in der Regel eigentlich gut erkennen zu können, was echt und ernst ist und was nicht. Als dann ein paar Tage später jedoch wieder eine Benachrichtigung über den Kauf von fünf Guthaben-Paketen einflatterte und zudem auch noch 150 Euro für den Kauf von seinem Konto abgebucht waren, wurde er stutzig. Bei einer erneuten, genaueren Untersuchung seines Amazon-Accounts stolperte er nun auch tatsächlich über die besagten Kaufbestätigungen, die jemand als „verborgen“ markiert hatte. Ganz klar: Sein Kundenkonto war gehackt und missbraucht worden.

Für Sebastian S. ging die Sache letztlich glimpflich aus: Ein Anruf bei dem Onlineversandhändler brachte Klärung, das Geld kam zurück und der 30-Jährige entschied sich neben der obligatorischen Passwort-Änderung fortan für eine sogenannte „Zwei-Schritt-Verifizierung“ bei Anmeldungen und Käufen – eine zusätzliche Schutzstufe, bei der er ab sofort einen Sicherheitscode eingeben muss, den nur er persönlich per SMS auf sein Handy erhält.

Zu diesem doppelten Sicherheitsverfahren rät auch der Braunschweiger Polizist Mario Krause von der im Oktober 2016 gegründeten Task-Force „Cybercrime und Digitale Spuren“: „Nutzen Sie die Zwei-Faktor-Authentisierung, also Identitätsnachweis mittels der Kombination zwei unterschiedlicher  und unabhängiger Kommunikationsmittel, so oft es geht! Aus meiner Sicht ist es außerdem sehr hilfreich, sich regelmäßig über aktuelle Kriminalitätsphänomene zu informieren. Im Internet finden Sie dazu zahlreiche Seiten. Eine sehr gute Seite ist zum Beispiel www.polizei-praevention.de. Wenn Sie dann noch die Regeln für sicherere Passwörter befolgen und keine unbekannten Anhänge oder Links in Emails anklicken sind sie schon gut aufgestellt.“

Hacks, wie Sebastian S. ihn erlebt hat, gehören heute zum Internetalltag. Täglich hat die Polizei damit zu tun. Mehr und mehr verlagern sich unsere täglichen Geschäfte ins Netz und zunehmend erleichtern wir Dieben ungewollt den Zugang zu unseren sensiblen Daten. „Im Jahre 2017 wurden für das Stadtgebiet Braunschweig insgesamt 1040 Fälle von ,Cybercrime‘, also Straftaten mit dem Tatmittel Internet, erfasst“, so Polizist Krause. Der jährliche Schaden geht dabei in die Milliarden, wie Krause erklärt: „Die Folgeschäden durch ,Cybercrime‘ in Deutschland betragen pro Jahr circa 55 Milliarden Euro. Darunter zählen auch Kosten für Ermittlungen, Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit der Systeme und Imageschäden. Das allein beläuft sich auf rund 35 Milliarden Euro.“

Schwerpunktmäßig haben Krause und seine Kollegen dabei zu tun mit Betrugsdelikten, die auf Fake-Webshops basieren, mit eBay-Betrügereien, falschen Support-Anrufen oder wie im Fall von Sebastian S. mit Identitätsdiebstahl. „Ganz aktuell haben wir mit einer Welle von Erpressungs-Mails zu tun, als Konsequenz aus einer Veröffentlichung von Millionen Email-Adressen, die durch verschiedene Hacks in die Hände von Cyberkriminellen gelangt sind“, erzählt Ermittler Krause. „Dabei geben die Täter vor, dass sie den PC und das Email-Konto des Betroffenen gehackt hätten. Im Zuge dessen, hätten die Täter die Betroffenen beim Besuch von pornografischen Internetseiten mit der Webcam gefilmt. Die Täter fordern Geld, damit die gefilmten Bilder nicht veröffentlicht werden. Tatsächlich haben die Täter jedoch weder PC noch Email-Konto gehackt und somit haben sie auch keine Bilder.“

Die Täter nutzen die Angst, Scham und Unsicherheit vieler Internet-User. Aber auch mit Instinkten wie Geldgier spielen die Betrüger. Besonders bei großen Rabatten, Gewinnen oder Renditen bei Webangeboten ist laut Krause Vorsicht geboten. „Bei so etwas sollten Sie immer skeptisch sein. Niemand hat Geld zu verschenken!“, so der Experte. Auch moderne Präventionsmöglichkeiten wie spezielle Versicherungen können laut Krause nützlich sein, um sich gegen Cyber-Kriminalität abzusichern. „Für Unternehmen sollten digitale Versicherungen heute zum Standardpaket gehören. Für Privatpersonen macht es – abhängig vom Einzelfall – dann Sinn, wenn diese sich sehr viel im Internet bewegen und dort auch viele Einkäufe tätigen oder Verträge abschließen.“

Die zunehmenden Bedrohungen im Netz, die selbst Computer-Profis wie Sebastian S. einholen können, führen bei vielen Nutzern zu Zurückhaltung und einer Übervorsicht im Netzverhalten, sogar bis hin zu regelrechter Verdrossenheit. Amazon-Betrugs-Opfer Sebastian S. hat sich von seinem Vorfall nicht sonderlich aus der Ruhe bringen lassen, andere verlieren nach einem Betrugsfall gänzlich den Spaß am Internet.

Im Netz mit doppeltem Boden

Internetnutzern in der zunehmend digitalisierten Welt die Freude und das Sicherheitsgefühl beim Surfen wieder zu geben, ist eines der Hauptanliegen der Öffentlichen Versicherung Braunschweig. Als einer der ersten Versicherer in Deutschland hat das Braunschweiger Unternehmen einen umfangreichen Digitalschutz für Privatpersonen in sein Serviceangebot aufgenommen. „Keiner will den Spaß am Internet verlieren“, meint Risikomanager Thomas Seil von der Öffentlichen Versicherung, der als Experte die neue Digitalschutz-Versicherung mitentwickelt hat. „Wir hoffen, Internetnutzern mit dieser speziellen Versicherung ein besseres Gefühl im Umgang mit dem Internet geben zu können, wenn sie wissen, dass sie gegen alle Basisrisiken abgesichert sind. Jeder kennt zum Beispiel dieses mulmige Gefühl, wenn man bei einem eBay-Verkäufer ohne Bewertungen bestellt.“ Gegen das falsche Vertrauen gegenüber einem Fake-Shop kann auch Schutzsoftware nicht helfen. „Wir klicken immer schneller. Und manchmal klickt man auf etwas, ohne wirklich mitbekommen zu haben, was das eigentlich war“, so Seil. Ein Sicherheitsrisiko bleibt also immer.

Ganz den Anforderungen der Zeit folgend hat die Öffentliche Versicherung daher ein Paket geschnürt, das die Versicherten für wenige Euro im Monat bei Schäden unter anderem durch Hacker, Schadsoftware wie Trojaner, sogenanntes Phishing oder sogar Cybermobbing absichert. Dabei wird beispielsweise finanzieller Schaden als Folge von Cybercrime ersetzt, bei der Datenwiederherstellung nach einer Cyberattacke geholfen oder psychologische beziehungsweise juristische Erstberatung vermittelt. Auch die Sperrung von Konten und Karten fällt unter den Versicherungsschutz. „Keiner von uns ist so sehr IT-Spezialist, dass er wirklich vor allem sicher ist“, meint Seil. „Wenn alle Sicherheitsmechanismen versagt haben, dann greift unsere Versicherung.“

Doch auch eine Versicherung kann Schäden nur regulieren – nicht vermeiden. Versicherer Thomas Seil rät daher als allererstes zu Vorsicht und Achtsamkeit. „Gesunder Menschenverstand ist noch immer das allerbeste, um sich vor Cyber-Kriminalität zu schützen“, bringt er es auf den Punkt. „Dazu gehört, alle drei Monate seine Kennworte zu ändern, für jede wichtige Seite ein eigenes Kennwort zu verwenden und wenn möglich eine Zwei-Faktor-Verifizierung einzurichten.“ Ebenso sei es ratsam und unabdingbar, immer die aktuelle Version der Betriebssysteme auf dem Computer und Smartphone installiert zu haben. „Sobald man anfängt, sich im Netz zu bewegen und eigene Accounts zu eröffnen, sollte man sich um Schutz kümmern – sowohl Software für PC und Handy, als auch entsprechend über eine Versicherung“, meint Seil. In 10 Jahren gehört eine DigitalSchutz-Versicherung wahrscheinlich zur Standardabsicherung jedes Haushalts, wie heute die Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung. „Immer mehr Leute entdecken im Internet illegale Geschäftsmodelle, die immer komplexer werden: Die großen Firmen verbessern die Sicherheit immer weiter und die Hacker und Betrüger finden immer neue Wege daran vorbei. Das ist mittlerweile fast ein sportlicher Wettbewerb geworden. In der realen Welt sichern wir uns mit der Hausratversicherung ab, aber in der digitalen Welt ist das bislang schwierig, weil es nur wenige Versicherungsangebote gibt. Der Schritt zum Digitalschutz ist also nicht weit. Wir haben uns überlegt, welche Gefahren und Bedrohungen für unsere Kunden bestehen. Bei der Hausrat ist das natürlich leicht: Sturm, Feuer, Leitungswasser, Einbruch, Diebstahl, Raub. Und was passiert eigentlich in der digitalen Welt, in der wir uns immer mehr bewegen?“

Auch bei bestem Software-Schutz, vernünftigem Umgang mit Accounts und dem Rundumsorglospaket einer entsprechenden Versicherung empfiehlt Risiko-Experte Seil immer auch Anzeige zu erstatten – nicht bloß allein um den Versicherungsschutz zu gewährleisten. Auch Cyber-Polizist Mario Krause rät zur Anzeige. „Anzeigen haben ja mehrere Zielrichtungen“, erklärt Krause. „In der statistischen Auswertung helfen sie uns Kriminalitätsphänomene zu erkennen. Für die Betroffenen ist es oft sinnvoll, um ihren Schaden bei Versicherungen oder Kreditinstituten geltend zu machen. Entstandene Schäden werden nach einer Anzeige oft ersetzt. Wir von der Polizei verstehen uns also nur als einen Teil im Kampf gegen die Cyberkriminalität.“

Der Digitalschutz ist also stark in Bewegung. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, bieten die Behörden und die Wirtschaft den Online-Kriminellen die Stirn. Die neue Versicherung der Öffentlichen und die Arbeit der noch jungen Polizei-Task-Force sind wichtige Grundsteine, um das zunehmend im Netz stattfindende Alltagsleben sicherer und sorgloser zu machen. Denn wer nichts tut, hat bekanntlich schon verloren.

Foto: Stefan Weinmeister
Text: Benyamin Bahri

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