(c) Käthe Loewenthal – Berner Voralpenlandschaft, 1910

Ausstellungseröffnung »Die Malerin Käthe Loewenthal und ihre Schwestern«

Werke der bemerkenswerten Künstlerin und lebenslangen Rebellin Käthe Loewenthal werden ab dem 6. September 2018 bis zum 18. November an verschiedenen Orten in Braunschweig ausgestellt. Zusammen mit Arbeiten zweier ihrer Schwestern, Malerin Susanne Ritscher und Fotografin Agnes Schaefer, wird in der jakob-kemenate, der kemenate-hagenbrücke, dem Bankhaus Löbbecke und dem Augustinum Braunschweig mit Vorträgen und einer musikalischen Einführung der tragischen deutsch-jüdischen Vergangenheit gedacht.

Die Arbeiten der Künstlerinnen bieten Einblicke in die Lebens- und Gefühlswelt der drei jungen Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts und erzählen die Geschichten der Opfer des Holocausts. Im Zentrum der Ausstellung stehen Leben und Werk der 1878 in Berlin geborenen Käthe Loewenthal, die zu den wichtigen Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit zählt. Zudem zeigt die Ausstellung erstmals eine größere Anzahl der Werke Agnes Schaefers, die sich 1933 im griechischen Exil das Leben nahm sowie eine kleine Auswahl von Arbeiten Susanne Ritschers, die als einzige der fünf Schwestern den Holocaust überlebte und eines natürlichen Todes starb.

 

(c) Käthe Loewenthal – Dünenheide vor Vitte (Hiddensee), 1930

(c) Käthe Loewenthal – Dünenheide vor Vitte (Hiddensee), 1930

Käthe Loewenthal wird 1878 als Älteste von fünf Töchtern des Universitätsprofessors Dr. Wilhelm Loewenthal in Berlin geboren und lebt in Genf, Lausanne, Paris, Belgrano und Berlin, wo dieser arbeitet. Das aus einer jüdischen Familie stammende Mädchen freundet sich mit dreizehn Jahren mit einer protestantischen Pfarrersfamilie an, bei der sie schließlich in Bern lebt und zum Christentum konfirmiert. Dass sie überzeugte Christin ist, schützt sie jedoch keineswegs vor späteren nationalsozialistischen Anfeindungen, die das Judentum als „Rasse“ verfolgen. In dieser Zeit begegnet sie auch dem in Bern lebenden Maler Ferdinand Hodler, bei dem sie sie die Landschaftsmalerei erlernt, für die sie später bekannt wird. Nach ihrem Studium folgt sie dem Maler Leo v. König nach Berlin, um sich bei ihm dem Studium der Aktmalerei, Tieren und Portraits zu widmen. Bis zu ihrem Malverbot 1934 arbeitet Käthe Loewenthal erfolgreich als freie Malerin, unter anderem in der Gruppe Stuttgarter Sezession. 1941 wird Loewenthal zuerst in eine „Judenwohnung“ und später in ein zu einem Sammellager umfunktioniertes jüdisches Altersheim umgesiedelt. Von dort wird sie 1942 in das von Deutschen besetzte Polen deportiert und im Todeslager Izbica bei Lublin ermordet.

Den Erhalt einiger ihrer Werke haben wir nur glücklichen Umständen zu verdanken: Der größte Teil ihres Werks, das der Stuttgarter Malermeister Kämmerer in seinem Lager versteckt hatte, wurde bei einem alliierten Bombenangriff 1943 zerstört. Ihre „Testamentmappe“ jedoch, eine Mappe mit etwa 250 Pastellen, Graphiken und Aquarellen, wurde kurz vor ihrer Zwangsumsiedelung von dem 11-jährigen Walter Nothdurft, dem Sohn ihrer ehemaligen Putzfrau und engen Freundin, bis zum Ende des NS-Regimes versteckt.

Die Ausstellung „Käthe Loewenthal und ihre Schwestern“ wird am Donnerstag, 6. September, um 18 Uhr in der St.-Martini-Kirche mit Musik und einem Imbiss eröffnet, danach stehen auch die Ausstellungsräume in den kemenaten jakob und hagenbrücke, dem Bankhaus Löbbecke und dem Augustinum zur Besichtigung offen. Eine frühzeitige Anmeldung unter der Telefonnummer (0 53 06) 9 41 57 31 ist erforderlich. Zur Vernissage werden die Sopranistin Sveta Kundish und der Pianist sowie Akkordeonist Alan Bern mit Liedern deutsch-jüdischer Künstler und Künstlerinnen, die als „entartet“ galten und nach 1933 nicht mehr auftreten durften, in die emotionale Thematik einstimmen. Jürgen Friedrich, Vorsitzender des Vereins „Lebenswerk Käthe Loewenthal“ und Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, Direktor der Sektion Bildende Kunst an der Berliner Akademie der Künste und als Enkel von Agnes Schaefer selbst Nachfahre der Familie führen in die Ausstellung ein, bieten zudem Führungen am 21. September und 2. November sowie Vorträge am 12. September und 10. Oktober an. Die Ausstellung kann bis zum 18. November 2018 besucht werden. Alle Informationen und weitere Termine finden sich unter Telefon (0 53 06) 95 95 26 sowie online unter www.kemenaten-braunschweig.de/veranstaltungen.

Evelyn Waldt (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit:  (c) Käthe Loewenthal 

 

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