Betriebliche Altersversorgung

Win-win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Fast jeder zweite Rentner musste im Jahr 2018 mit weniger als 900 Euro im Monat auskommen und galt daher als armutsgefährdet. Zwar sind hier die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgezogen, allerdings muss diese Rentenzahlung noch versteuert werden, wodurch noch weniger zum Leben bleibt. Das ging aus einer Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken hervor.

Schon lange reicht die gesetzliche Altersvorsorge nicht mehr aus, um im Alter gut versorgt zu sein. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Ungleichgewichts zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern in der gesetzlichen Rentenversicherung wird deshalb die zusätzliche Vorsorge immer wichtiger. Neben der privaten Vorsorge gewinnt auch die betriebliche Altersversorgung immer mehr an Bedeutung, denn selbst für Arbeitnehmer, die nur wenig einzahlen können, hat bereits eine kleine Investition in die bAV dank der staatlichen Förderung eine große Wirkung. Dennoch sorgt nur jeder dritte Beschäftigte mit einem monatlichen Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro mit einer bAV für das Alter vor. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Versicherungen der Sparkassen.

Besonders auffällig: Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist die Verbreitung der Betriebsrenten gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen nur gering ausgeprägt. Die Gründe: Angst vor hohem Verwaltungs- und Informationsaufwand, fehlendes Engagement des Arbeitgebers und Unkenntnis der Arbeitnehmer über ihren Rechtsanspruch. Das soll sich seit Januar 2018 durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) ändern, mit dem der Gesetzgeber Hemmnisse abbauen will, um die bAV noch attraktiver zu machen und so ihre Verbreitung zu fördern. Mit dem gleichen Ziel wurde jüngst auch das neue GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz (GKV-BRG) verabschiedet.

Von der staatlichen Förderung profitieren

Bereits seit Januar 2002 haben Arbeitnehmer im Rahmen des Betriebsrentengesetzes den Rechtsanspruch, einen Teil ihres Bruttogehalts in eine betriebliche Altersversorgung umzuwandeln. Dabei haben Arbeitnehmer das Recht, von ihrem Gehalt bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) in der allgemeinen Rentenversicherung in eine bAV umzuwandeln. Dieser Anspruch auf Entgeltumwandlung kann mit jedem Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung erfüllt werden. Der Arbeitgeber legt dabei grundsätzlich den Anbieter fest.

Für Arbeitnehmer ist der Vorteil bei der Entgeltumwandlung, dass der von ihnen festgelegte Betrag zwar vom Bruttogehalt abgezogen wird, aber im Rahmen der staatlichen Förderung von Steuer- und Sozialabgaben befreit ist. Beschäftigte mit einem monatlichen Gehalt von 2.500 Euro, die jeden Monat 100 Euro in die betriebliche Altersversorgung einzahlen, haben dann durch die Ersparnis bei Steuern und Sozialversicherung einen Nettoaufwand von lediglich rund 57,50 Euro.

Hinzu kommt, dass der Arbeitgeber durch das BRSG seit dem 1. Januar 2019 grundsätzlich dazu verpflichtet ist, einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von bis zu 15 % des umgewandelten Beitrages zu zahlen, wenn er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart. Damit erhöht sich in diesem Rechenbeispiel der Beitrag für die betriebliche Altersversorgung eines Mitarbeiters auf 115 Euro, wobei er aus seinem Nettogehalt nur 57,50 Euro zahlen muss. Diese Regelung gilt nur für neu abgeschlossene Entgeltumwandlungen ab dem 1. Januar 2019, wenn als Durchführungsweg die Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds gewählt wird. Für bereits bestehende Entgeltumwandlungen gilt der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss erst ab 2022.

Die bAV ist aber auch für Arbeitgeber von entscheidender Bedeutung – beispielsweise, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Denn rund 66 % aller offenen Stellen für qualifiziertes Personal werden inzwischen in so genannten Engpassberufen ausgeschrieben. Das ergab eine Untersuchung des Kompetenzzentrums für Fachkräftesicherung (KOFA) im Jahr 2017. In Deutschland haben vor allem kleine und mittelständische Unternehmen Probleme, Fachkräfte zu finden. Mit einer attraktiven bAV haben sie ein zusätzliches Argument in der Hand, qualifizierte Arbeitnehmer von sich zu überzeugen. Bereits jetzt passen viele Arbeitgeber auch bestehende Verträge zur Entgeltumwandlung an und geben ihre eingesparten Sozialversicherungsbeiträge an ihre Mitarbeiter weiter.

Mit dem GKV-Betriebsrentenfreibetragsgesetz (GKV-BRG) wurde die bAV zum 1. Januar 2020 noch interessanter: Rentenempfänger genießen ab sofort einen Freibetrag für Versorgungseinkünfte aus bAV-Verträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Die bisherige Freigrenze wurde für Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung der Rentner in einen Freibetrag umgewandelt. Seit Jahresanfang sind bAV-Renten bis zu 159,25 € monatlich von Krankenversicherungsbeiträgen befreit. Krankenversicherungsbeiträge werden lediglich oberhalb dieses Freibetrages fällig. Betriebsrentner werden somit spürbar entlastet.

Erhöhung des Förderrahmens

Seit 2018 kann steuerfrei deutlich mehr Geld in Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds investiert werden. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde der steuerfreie Förderrahmen von 4 % auf 8 % der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung (West) erhöht. Konkret heißt das: 552 Euro im Monat beziehungsweise 6.624 Euro im Jahr können steuerfrei umgewandelt werden. Sozialversicherungsfrei bleiben unverändert Beiträge bis höchstens 4 % der Beitragsbemessungsgrenze (276 Euro bzw. 3.312 Euro).

Auch für Geringverdiener ist gesorgt

Ob Teilzeitjobs oder geringfügige Beschäftigung – gerade Arbeitnehmer mit einem kleinen Verdienst haben kaum finanziellen Spielraum, um fürs Alter vorzusorgen. Später sind sie somit besonders gefährdet, in die Altersarmut abzurutschen. Daher ist für sie die bAV ein wichtiges Instrument, um ihre ohnehin kleine Rente aufzustocken und Altersarmut zu vermeiden. Mit der Geringverdiener-Förderung hat der Staat einen staatlichen Zuschuss für Arbeitgeber eingeführt, um Arbeitnehmern mit einem Verdienst von maximal 2.200 Euro brutto im Monat eine attraktive Zusatzrente zu ermöglichen. Dabei fördert der Staat Beiträge des Arbeitgebers von mindestens 240 bis maximal 480 Euro im Jahr. Arbeitgeber erhalten 30 % des gezahlten Beitrags als staatlichen Zuschuss über die Lohnabrechnung zurück, jedoch höchstens 144 Euro. Geplant ist kurzfristig, dass künftig Arbeitgeberbeiträge bis 960 Euro bezuschusst werden. Es können also maximal 288 Euro über die Lohnabrechnung zurückfließen.

Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber

Höhere Beiträge seitens des Arbeitgebers sind selbstverständlich für alle Arbeitnehmergruppen immer möglich. Sie werden aber nicht zusätzlich gefördert. Trotzdem kann sich auch das für den Arbeitgeber lohnen. Denn die bAV ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels für kleine und mittelständische Unternehmen ein wichtiges Personalinstrument. So können sie Arbeitnehmer bei entsprechender Ausgestaltung der bAV zusätzlich an ihr Unternehmen binden und auch für neue Arbeitnehmer attraktiver werden.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel sind Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssen. Die bAV und insbesondere die aktuellen Neuerungen durch das BRSG und das GKV-BRG tragen wesentlich dazu bei, auf Seiten der Arbeitnehmer die Altersarmut einzudämmen und auf Seiten der Arbeitgeber Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Arbeitnehmer erhalten neben der gesetzlichen eine zusätzliche Altersversorgung. Arbeitgeber gewinnen an Attraktivität für ihre Mitarbeiter. Mit Unterstützung der bAV-Produkte der Öffentlichen eröffnen sich hier insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen neue Chancen: Die Öffentliche Versicherung Braunschweig ist in ihrer Region für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein wichtiger Ansprechpartner zu allen Fragen rund um die betriebliche Altersversorgung). Sie bietet attraktive Lösungsmodelle und unterstützt ihre Kunden persönlich direkt vor Ort. Mit ihren rund 150 Geschäftsstellen sowie ihren Online-Services erreicht sie alle Bevölkerungsgruppen und Unternehmen und steht für kompetente Beratung bei der Wahl des geeigneten Durchführungswegs in der betrieblichen Altersversorgung.

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