(c) Lisa Matschinsky

Bildhauerei als göttliche Gabe – Thomas Doneis über sein Lebenswerk

Thomas Doneis ist ein Mensch, der definitiv Erinnerung bleibt. Der 47-Jährige ist von Kopf bis Fuß dunkelblau tätowiert, hört bei der Arbeit ohrenbetäubend laut Wagner – und arbeitet aktuell an einer detaillierten Sandstein-Nachbildung von Schloss Neuschwanstein, dessen Erlös zum Teil an hilfsbedürftige Menschen gespendet werden soll.

Wenn man Thomas Doneis betrachtet, dann könnte man denken, man sitze dem Kunstwerk schon gegenüber. Der Braunschweiger ist dunkelblau tätowiert – von Kopf bis Fuß. Doch seine wahre Kunst ist tief in seinem Inneren.

Alles begann vor vielen Jahren, als Doneis noch in der Gartenbaubranche tätig war: „Eines Tages habe ich einen Stein gefunden, etwas Besonderes in ihm gesehen und gedacht, dass ich da doch einmal etwas nach Feierabend herausarbeiten könnte. Abends habe ich den Stein mit in meine Werkstadt genommen und etwas an ihm herumgebastelt. In diesem Moment habe ich meine Leidenschaft festgestellt. Ich glaube, dass die Bildhauerei eine mir von Gott auferlegte Gabe ist – und darauf bin ich stolz“.

Doneis’ Schloss Neuschwanstein (c) Lisa Matschinsky

Doneis’ Schloss Neuschwanstein (c) Lisa Matschinsky

Auch nach vielen Jahren hält der 47-Jährige an seiner Leidenschaft fest und hat sie sogar zum Beruf gemacht. Aktuell arbeitet der Bildhauer an seinem Lebenswerk, wie er selbst sagt. Innerhalb von vier Jahren möchte er aus einem großen Sandstein-Klotz das Schloss Neuschwanstein gefertigt haben – mit jedem noch so kleinsten, filigranen Detail. Donais erklärt: „Schloss Neuschwanstein ist einfach eine große Meisterleistung, nicht nur aus damaliger Sicht. Es ist weltbekannt. Jeder auf der Welt kennt dieses Schloss. Im Prinzip kann man sagen, dass es das Wahrzeichen von Deutschland ist. Für mich persönlich ist es eine Meisterleistung, und aus der Sicht eines Bildhauers gibt es nichts Schwierigeres, als das nachzubauen“.

Für ein solch großes Projekt müssen immense Vorkehrungen getroffen werden. Im April letzten Jahres hat sich der Bildhauer die ersten Gedanken gemacht, und geplant. Im August starteten die ersten Reisen nach Füssen. Denn dort steht das imposante Bauwerk seit 130 Jahren auf einem Plateau oberhalb der bayrischen Stadt. Thomas Doneis besuchte nicht nur das Schloss selbst und schoss Fotos, er warf auch einen Blick in das Fotoarchiv der Schlösser- und Seenverwaltung. Dabei war es ihm möglich, die alten Architektenzeichnungen und Bilder vom Bau des Schlosses anzuschauen.

In Trier beschloss der 47-Jährige, den Udelfangener Sandstein für sein Kunstwerk zu verwenden und wurde netterweise von einem Steinbruchbesitzer damit unterstützt. Da der Stein zu Anfang noch 21 Tonnen auf der Waage anzeigte, wurde er per Schwertransport nach Luxemburg geschafft – hier wurde die Standfläche geschnitten. Nun befindet sich der Steinkoloss in Doneis’ Atelier in Braunschweig.

„2019 muss ich mit allem fertig sein“, betont der tätowierte Bildhauer, „dann ist schließlich der 150. Jahrestag der Grundsteinlegung von Schloss Neuschwanstein. Nach der Enthüllung wird es entweder in der Münchner Innenstadt, unter einer klimatisierten Glaskuppel, aufgestellt oder als Objekt in eine weltweite Versteigerung integriert. Ein Drittel des dort erzielten Erlöses wird an hilfsbedürftige Menschen gespendet werden. Der Rest deckt meine Ausgaben – und stellt meinen Lohn dar“.

Kurzer Moment der Ruhe (c) Lisa Matschinsky

Kurzer Moment der Ruhe (c) Lisa Matschinsky

In der Woche arbeitet der Braunschweiger weit mehr als der Durchschnittsdeutsche. Rund 56 Stunden pro Woche verbringt Thomas Doneis an seinem Traumschloss aus Sandstein. Dabei hat er ein ganz besonderes Ritual: „Ich höre Wagner-Musik! Ludwig II war mit Richard Wagner befreundet und ein Fanatiker seiner Opern. Das ganze Schloss basiert auf der ‚Nibelungensaga‘, ‚Lohengrin‘ … all das war Teil seines Lebens. Ich versetze mich durch die Wagneropern in diese Zeit zurück. Ich habe auch hier im Atelier ganz viele CDs von Wagner. Nichts für jedermann, sehr abgefahren – aber es hilft mir“.

Es wird interessant, ob Thomas Doneis seinen streng gesetzten Plan einhalten und bis zur Feier des 150. Jahrestags zur Grundsteinlegung verwirklichen kann.

Lisa Matschinsky (SUBWAY Medien) / Fotocredit: Lisa Matschinsky

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