„Braunschweig ist sehr gründerfreundlich!“

Dennis Zappi und Gero Kraus: Zwei regionale Gründer revolutionieren den Freibad- und Festivalbesuch mit ihrem Outdoor-Tresor Spinsafe

Die besten Ideen kommen scheinbar immer völlig unverhofft – im Falle des Spinsafes auf Grund eines Wettschwimmens am heimischen Badesee. Denn genau dort hatte der Braunschweiger Ingenieur Dennis Zappi die Eingebung, dass es doch möglich sein müsse, Smartphone und Portemonnaie sicher aufzubewahren, während man sich im kühlen Nass erfrischt. Nach mehreren Monaten des Tüftelns und Hinzunahme des befreundeten Informatikers Gero Kraus stand die Idee zum Outdoor-Tresor Spinsafe. Nun folgten 3D-Druck-Modelle, eine Crowdfunding-Kampagne, eine Partnerschaft mit der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, Innovationswettbewerbe und vieles mehr. Inzwischen ist der Spinsafe patentiert und überall erhältlich. Wir haben mit Dennis und Gero über die Odyssee von der ersten Idee bis zum finalen Produkt gesprochen – und dabei auch ein paar Tipps aus erster Hand für alle bekommen, die sich den Schritt in die eigene Firmengründung ebenfalls vorstellen können.

Dennis und Gero, wie genau ist die Idee zum Spinsafe denn überhaupt entstanden?

Dennis: Das war im Sommer 2016, ist also mittlerweile schon drei Jahre her. Ich war mit Kollegen nach der Arbeit spontan am Tankumsee in Isenbüttel. Wir wollten einfach zusammen über den See schwimmen und ich habe drei oder vier Leute dabei beobachtet, wie sie einen Platz für ihr Smartphone und andere Wertsachen gesucht haben, weil keiner zurückbleiben wollte. Da ich schon immer ein Tüftler war, wollte ich mich damit nicht zufriedengeben. Ich dachte: Wir können doch nicht die einzigen sein, die das stört – da muss es doch irgendeine Lösung geben. Und da war die Idee für einen Outdoor-Tresor geboren.

Also eine Herausforderung, die auch sehr gut zu deinem Studium gepasst hat?

Dennis: Genau. Ich habe im Bachelor Wirtschaftsingenieurswesen studiert, daher die „bastlerische Komponente“. Darauf aufbauend habe ich in Wolfenbüttel den Masterstudiengang Entrepreneurship und Innovation Management belegt – also quasi die „zweite Hälfte“ der Spinsafe-Entwicklung.
Gero, wie genau bist du zu dem Projekt dazugestoßen?

Gero: Dennis und ich waren schon vor diesem Projekt sehr lange gut befreundet. Wir hatten uns Jahre zuvor in Kanada beim Work and Travel kennengelernt. Während seines Entrepreneurship-Studiengangs ist Dennis immer wieder mit Ideen zu mir gekommen. Eine davon war der Spinsafe – und das war dann die Idee, die wir beide unbedingt bis zur Marktreife ausbauen wollten. Denn ich war von vornherein von der Idee begeistert, weil jeder das Problem kennt, das Dennis‘ Idee lösen sollte, und bin direkt mit eingestiegen.

Hat dir dein Studium auch bei dem Projekt helfen können?

Gero: Ja, definitiv. Ich habe in Leipzig Informatik studiert, was uns ebenfalls für unser Startup zugute gekommen ist. Ich habe unter anderem die Webseite gebaut und betreue den Shop, auch die ID-Administration. Aber auch unsere Alarm-App, die zweite Schutzsäule des Spinsafes neben dem starken physischen Schutz durch eine in den Boden drehbare Schraube zum Abschließen, habe ich selber entwickelt.

Und inzwischen seid ihr beide Braunschweiger?

Gero: Genau, wir haben uns für die Gründung des Startups in einer WG getroffen und arbeiten inzwischen komplett aus der Region heraus. So haben wir nicht nur das für uns passende Umfeld, sondern auch extrem kurze Wege.

Wie kam das Projekt dann von dieser ersten Idee richtig ins Rollen?

Dennis: In 2018 haben wir über die Sommermonate Juli und August ein Crowdfunding initiiert, mit einem Ziel von 10.000 Euro, die wir auch tatsächlich bekommen haben. Das hat es uns erlaubt, Investitionen auch in die Technik zu tätigen. Tatsächlich sind die Formen für die einzelnen Teile des Spinsafes unsere größte Investition gewesen. Aber vor allem hat uns das positive Feedback aus der Kampagne nochmal einen ordentlichen Anschub gegeben, weil wir wussten: Die Nachfrage da draußen ist da. Zusätzliche Mittel aus einem EXIST-Gründerstudium der TU Braunschweig haben dann den Rest der Finanzierung ermöglicht, sodass wir das Projekt tatsächlich umsetzen konnten. Vor einigen Monaten sind wir dann – nach fast drei Jahren von der ersten Idee am Tankumsee, von denen wir beide die meiste Zeit voll berufstätig gewesen sind – schließlich auf den Markt gekommen. Im Herbst dieses Jahres wollen wir beide, nach einer Auszeit für die Markteinführung, wieder in unsere Berufe einsteigen.
Wie sicher ist der Spinsafe, der mit einer Art abschließbaren Schraube in den Boden gedreht wird, denn wirklich?

Gero: Der Spinsafe an sich ist schon sehr sicher. Wir sehen aber natürlich Möglichkeiten für Gelegenheitsdiebe, denn selbstverständlich sind wir nicht so sicher wie ein „echter Tresor“. Stattdessen vergleichen wir uns lieber mit einem Fahrradschloss: Es ist wesentlich sicherer, als das Fahrrad nicht anzuschließen. Wir denken, dass kein Dieb sich die Mühe machen würde, an einem belebten Ort wie einem Freibad oder auf einem Festivalgelände den Spinsafe zu stehlen. Dazu müsste man mit einem großen Spaten durch die Gegend laufen, was extrem auffallen würde. Daher übrigens auch die auffälligen Farben der Außenhülle, die man von überall noch gut sehen kann. Darüber hinaus haben wir aber auch noch die Schutz-App: Sobald sich jemand an dem Safe zu schaffen macht, geht über das eingeschlossene Smartphone ein Alarm los, der auch Liegewiesennachbarn aufmerksam macht und abschreckt. Für Gelegenheitsdiebe gibt es, ähnlich wie bei gut gesicherten Wohnungstüren, andere und leichtere Ziele, da sie sich sicherlich nicht zu lange mit etwas aufhalten wollen. Verstecken kann man die Oberschale des Safes, die etwa 20 Zentimeter aus dem Boden ragt, natürlich immer noch, zum Beispiel unter einem Handtuch.

Wie habt ihr diese Sicherheitsfunktionen getestet?

Gero: Angefangen haben wir mit einem Prototypen aus dem 3D-Drucker. Der war natürlich nicht ganz so stabil wie der jetzige Spritzguss. Trotzdem konnten wir damals schon mit einer Zugwaage ansetzen und mussten über 100 Kilo Zugkraft aufbringen, um selbst die gedruckte Schraube zum Brechen zu bringen. Mit dem fertigen Safe gibt sogar eher der Boden nach, bevor die Schraube bricht. Auch mit Rütteltests haben wir es nicht geschafft, die Schraube aus dem Boden zu bewegen.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, eine Schraube zu benutzen?

Dennis: Das ist ein sehr interessanter Aspekt – wenn man sich eine Liegewiese anschaut, ist da ja erstmal nichts da, woran man etwas befestigen kann, außer die Liegewiese selbst. Als Referenz haben wir bereits vorhandene Kunststoff- und Metallschrauben genommen, zum Beispiel für Wäschespinnen oder Sonnenschirme. Die Herausforderung für uns war aber: Wie schafft man es, dass der Safe fest im Boden verankert ist, gleichzeitig aber alle greifbaren Teile oberhalb der Grasnarbe frei drehen, damit man sie nicht wieder herausschrauben kann? Das ist unsere eigentliche Entwicklungsarbeit gewesen, deren Ergebnis wir uns auch auf Grund der Innovativität haben schützen können. Wir haben dafür viele Stufen an Prototypen benötigt, wobei wir natürlich auch darauf achten mussten, dass unsere Idee produktionstechnisch umsetzbar ist und nicht zu teuer wird.

Wie genau läuft die Produktion des Spinsafes ab?

Dennis: Die Produktion findet komplett in Bayern statt. Wir haben dort den passenden Produzenten gefunden – oder besser, er hat uns gefunden, nach einem Artikel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Also in der Region, aus der Gero ursprünglich stammt und wo wir auch viel unterwegs gewesen sind. Die Firma Schneider Kunststofftechnik hat sich bei uns gemeldet, weil sie das Produkt cool fanden und sie es gern produzieren wollten. So ist es dazu gekommen, dass wir komplett „Made in Germany“ herstellen. Nachhaltig unterwegs zu sein, ist uns dabei besonders wichtig, übrigens auch, was die Verpackung angeht.

Wie funktioniert eure Partnerschaft mit der Öffentlichen Versicherung Braunschweig?

Dennis: Die Öffentliche hat sich bereiterklärt, die dritte Säule in unserem Schutzkonzept anzubieten, was uns sehr gefreut hat: Als Rettungsanker, falls tatsächlich mal irgendetwas schief laufen sollte, bietet die Öffentliche auf Wunsch eine Versicherung für den Spinsafe an. Sollte doch mal jemand ganz dreist mit dem Spaten kommen und den Safe ausgraben, zum Beispiel.
Wie seid ihr auf die Öffentliche als Partner gekommen?

Dennis: Wir sind sehr daran interessiert, mit regionalen Partnern zu arbeiten. Aus Nachhaltigkeitsgründen, aber auch allein schon dadurch, dass wir beide ja inzwischen hier in der Region verwurzelt sind. Also haben wir uns in der Region umgeschaut und sind – über den Facebook-Chat – an die Öffentliche herangetreten. Wir kannten sie hauptsächlich durch ihre Kommunikation in der Region und haben sie bereits vorher für ihre offene, persönliche Ansprache jenseits von typischen biederen Floskeln geschätzt. Die Öffentliche war sofort vom Spinsafe begeistert und hat uns, nicht nur mit der Spinsafe-Versicherung, sehr gut unterstützt. Bis heute ist sie ein wichtiger Partner für uns.

Wann seid ihr auf den Namen Spinsafe für den Outdoor-Tresor gekommen – war er von Anfang an schon dabei?

Dennis: Nein, es gab davor erst diverse andere Ideen. Der Projektname war Anchorbuoy, also die Ankerboje, später kam auch Smartsafe dazu. Damit waren wir beide aber nicht ganz glücklich und wir haben lange gebrainstormt, haben viele Freunde gefragt. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir auf Spinsafe gekommen sind, aber auf Grund des Klangs und vor allem des Wortspiels mit dem Spin hat uns dieser Name schließlich überzeugt. Der Name ist eingängig und beschreibt ein Stück weit auch das Rotationsprinzip hinter dem Projekt. Mittlerweile sind wir immer noch sehr zufrieden damit.
Weshalb habt ihr euch gerade für Braunschweig als Standort für eure Existenzgründung entschieden?

Dennis: Wir haben uns Braunschweig ganz bewusst ausgesucht, weil hier wirklich ganz viel geht. Außerdem bin ich geprägt durch mein Studium hier in Wolfenbüttel. Entrepreneurship ist ein Thema, für das ich wirklich brenne, und Professor Asghari treibt das Thema in der Region mit den Entrepreneurship Hubs sehr stark voran. Wichtig ist, dass die Programme hier in die Region, die Gründern helfen, auch wirklich dazu führen können, dass deren Projekte auch in die Tat umgesetzt werden. Denn das ist es, was auch die regionale Wirtschaft vorantreibt.
Gero: Ich – als Zugezogener – habe sowohl mit der Stadt selbst als auch mit den Institutionen hier, die Gründern helfen, ebenfalls ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Insbesondere möchte ich die Technologietransferstelle der TU hervorheben, die uns unter anderem beim Erstellen des Antrags für das EXIST-Gründerstipendium geholfen hat. Ohne sie hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft. Braunschweig ist allgemein sehr gründerfreundlich, besonders für die Größe der Stadt, auch wenn sie außerhalb gar nicht so sehr dafür bekannt ist.

Dennis: Auch das Protohaus in Braunschweig war uns eine sehr große Hilfe – hier sind unsere ersten Prototypen aus dem 3D-Drucker entstanden. Beziehungsweise so viele, dass wir die Mitarbeiter dort irgendwann überfordert und schließlich unseren eigenen 3D-Drucker angeschafft haben (lacht).

Bei euch ist die Existenzgründung nun erfolgreich verlaufen. Was würdet ihr anderen raten, die ebenfalls eine Idee haben und sich vorstellen könnten, ein Startup zu gründen?
Dennis: Ich kann auf jeden Fall sehr empfehlen, sich für das EXIST-Gründerstipendium zu bewerben. Ob man es dann am Ende bekommt oder nicht – der Weg dorthin, also die Vorbereitungen, das Ideenpapier und vieles mehr, bringen einen soweit voran, dass man sich und sein Geschäftsmodell bereits grundlegend und ausführlich reflektiert hat. Da ist wirklich eine Menge Vorarbeit nötig, um auf die Ausschreibung gut vorbereitet zu sein. Außerdem kann ich nur empfehlen, in einem Dreierteam zu arbeiten. Eine dritte Person hat uns beiden oft gefehlt. Ein leidenschaftlicher BWLer im Team ist super, dazu ein Entwickler beziehungsweise Konstrukteur sowie ein Informatiker, damit ist man optimal aufgestellt. Was uns also gefehlt hat und auch heute noch ein Stück weit fehlt, ist ein Vertriebler. Und ansonsten: durchhalten. Scheitern ist lernen. Umdenken. Neu anfangen. Durchbeißen.

Gero: Wichtig ist auch, dass man bereits frühzeitig über seine Idee redet. Auf jeden Fall mit Freunden, aber man sollte auch die Möglichkeiten nutzen, die es hier in der Region gibt, und seine Idee auch mal pitchen, um sich ein Feedback von Experten einzuholen. Und wenn das Feedback dann nicht gerade völlig vernichtend ausfällt: probieren.
Gibt es bei euch bereits Pläne für die Zukunft?

Dennis: Die Nummer eins auf unserer Wunschliste ist der Einsatz des Spinsafes für den Sandstrand. Wir empfehlen das jetzige Modell dafür natürlich auf keinen Fall, da der Sand keinen Halt für die Schraube bietet. Daher wollen wir perspektivisch für die nächste Saison eine Möglichkeit anbieten, den Spinsafe zu erweitern. Wir planen dafür ein zusätzliches Stahlkabel, um den Safe an Sonnenschirmen, Liegen oder anderen festen Gegenständen anzuschließen. So hätte man zukünftig beide Möglichkeiten, den Spinsafe einzusetzen. Außerdem haben wir erst vor kurzem mit unserem Produzenten gesprochen, der uns eine neue Camouflage-Optik vorgeführt hat, die wirklich klasse aussieht. Diese soll bereits demnächst auf Wunsch erhältlich sein für diejenigen, die statt Signalfarben lieber eine unauffälligere Oberschale benutzen möchten. Beides sind Punkte, auf die wir oft angesprochen worden sind. Was danach folgen wird, wird sich zeigen.

Vielen Dank euch beiden für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit dem Spinsafe!

Interview: Sebastian Heise / Öffentliche Versicherung Braunschweig

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