(c) TU Braunschweig

Braunschweig und »Die Luftfahrt der Zukunft«

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ So sang es Reinhart Mey, der selbst passionierter Flieger ist, schon in den 70er Jahren. Seitdem ist eine Menge passiert: Die Zahl der Fluggäste hat sich vervielfacht, die Flugzeuge wurden größer und mehr. Mit all diesen Steigerungen wurde der Verkehr am Himmel eben auch unübersichtlicher und fordert mehr und mehr Ressourcen.

Es ist Zeit umzudenken, Fliegen neu zu denken. In der Automobilindustrie gehört das inzwischen, öffentlichkeitswirksam, zum Tagesgeschäft. Die Luftfahrt muss sich nicht verstecken: Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Niedersächsischen Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL) und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zu einer Vortragsreihe im Haus der Wissenschaft ein.

Im Interview stellt uns Sören Stephan, Geschäftsstellenleiter des NFL am Campus Forschungsflughafen, die Vortragsreihe genauer vor.

Wie breit ist das Themen-Spektrum bei der Vortragsreihe?
Das Themen-Spektrum erstreckt sich von Vorträgen über die Entwicklungen im Bereich der Luftfahrt sowie neuesten Anwendungen und Lösungen der Luftfahrtforschung. Zum Beispiel hatten wir dieses Jahr Themen von der Flugmedizin über Flugzeugreifen bis hin zur Lotsentätigkeit.

Welche der Themen sind für die Zukunft der Luftfahrt besonders wichtig? Und was sind die Herausforderungen für die Zukunft?
Meiner Meinung nach sind Themen rund um den umweltverträglichen, sicheren aber auch wirtschaftlichen Luftverkehr wichtig.

(c) Luke Pamer (StockSnap)

(c) Luke Pamer (StockSnap)

Nachhaltigkeit beim Fliegen ist eines dieser wichtigen Themen, gerade weil es in Zukunft auch mehr Flugreisende geben wird, wodurch natürlich mehr Treibstoff gebraucht wird und so weiter. Können Sie kurz skizzieren, welche Ansätze es für ein bewussteres Fliegen bereits gibt?
Um einen energieeffizienten Luftverkehr zu gewährleisten, müssen neben Elektro-Hybridsystemen im Kurzstreckenbereich auch hochdichte, synthetische Energiespeicher und entsprechende Antriebskonzepte für den Langstreckenbereich gefunden werden. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass sich diese in das Luftverkehrssystem integrieren lassen und damit den Zertifizierungsverfahren und langen Produktlebenszyklen gerecht werden. Entsprechende Grundlagen und Technologieansätze werden an der TU Braunschweig im Rahmen der Forschung für nachhaltige und energieeffiziente Luftfahrtsysteme aufgezeigt und bewertet.

Was macht den Standort Braunschweig für Luftfahrtforschung so interessant?
In Braunschweig gibt es eine über 80-jährige Tradition der Luftfahrtforschung und Flugerprobung. Neben zahlreichen KMU aus der Hochtechnologie-Branche und Behörden wie dem LBA ist am Forschungsflughafen das Niedersächsische Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL) angesiedelt. Das NFL ist eine Einrichtung der Technischen Universität Braunschweig in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) sowie den Partnereinrichtungen Leibniz Universität Hannover, Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und Fraunhofer-Gesellschaft. Die Ausstattung des Forschungsflughafens mit Großforschungseinrichtungen – Forschungsflugzeugen, Simulatoren, Windkanälen und Prüfständen – sowie die Flughafeninfrastruktur ist in dieser Form einmalig. So bestehen exzellente Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für die beteiligten Wissenschaftler. Gemeinsam besitzen die Mitglieder des NFL alle Fähigkeiten, um technische Innovationen für Flugzeuge und Luftverkehr zu erarbeiten. Damit bieten sie das gesamte Leistungsspektrum von der Grundlagenforschung bis zu anwendungsnahen Technologieentwicklungen und -erprobungen.

(c) DLR

(c) DLR

Wie könnte ein Flugzeug der Zukunft aussehen? Oder was muss ein Flugzeug der Zukunft können?
Ein emissionsfreies Regionalflugzeug für 100 Passagiere und einer Reichweite von 1.000 Kilometern hätte etwa ein rein elektrisches Antriebskonzept, einen Tragflügel mit hoher Streckung sowie einen lärmarmen Propellerantrieb mit einem guten Wirkungsgrad. Des Weiteren würden überwiegen Leichtbaustoffe wie etwa CFK (Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff auch umgangssprachlich Karbon genannt) Anwendung finden. Ein leises Mittelstreckenflugzeug für 160 Passagiere und einer Reichweite von 4,500 Kilometern hätte eine leichte CFK-Rumpf- und Flügelstruktur. Zur Lärmreduzierung wären die Triebwerke über dem vorwärtsgepfeilten Tragflügel angeordnet. Ein emissionsarmes Langstreckenflugzeug mit einer Reichweite von bis zu 15.000 Kilometern und einer hohen Passagierkapazität von circa 300 Passagieren würde aus einem Nurflügekkonzept bestehen. Hierbei würden neuartige Strukturkonzepte sowie eine partielle Energiebereitstellung mittels Brennstoffzelle in Betracht kommen. Des Weiteren würden Technologien wie Triebwerke mit Grenzschichteinsaugung (Boundary Layer Ingestion), aktive Laminarisierung (Laminar Flow Control) und Leichtbauwerkstoffe zum Einsatz kommen.

Können Sie schon einen kleinen Ausblick auf die Vorträge der Reihe für 2018 geben?
Das Programm für das kommende Jahr und weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.luftfahrt-der-zukunft.de.

Die nächsten Termine:

11.12.2017 – 19:00 Uhr Vortrag: Nachhaltiges Wachstum der Luftfahrt – wie viel Energiewende ist möglich? Prof. Dr.-Ing. Jens Friedrichs, Technische Universität Braunschweig, IFAS – Institut für Flugantriebe und Strömungsmaschinen

29.1.2018 – 19:00 Uhr Vortrag: Flight Testing the A320neo. Dr. Sandra Bour-Schaeffer, NEO Project Flight Test Engineer, Airbus Toulouse France

26.2.2018 Vortrag: Solar Impulse – Erste Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. Ralph Paul, former Head of Flight Test and Dynamics Solar Impulse SA, Lausanne Switzerland

 

Kathleen Kalle (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: TU Braunschweig, DLR, Luke Pamer (StockSnap)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.