Rainbow Children_Geert Schroeder

Ein Zufluchtsort für »Rainbow-Children«

Als der heutige Planetview-Macher Geert Schroeder im Jahr 2000 damit anfing, Einnahmen aus Diashows an Hilfsorganisationen zu spenden, war ihm nicht bewusst, welchen Weg dieses Engagement später einschlagen sollte. Seine zahlreichen Kenia-Aufenthalte haben in ihm den Wunsch geweckt, „da anzupacken und den Schwächsten der kenianischen Gesellschaft zu helfen“, so Geert. Daraus entstanden zwei wohltätige Projekte, die inzwischen als Verein eingetragen sind: Malaika e.V. und der Rainbow-Children Verein. Wir sprachen neben Visionär Geert mit zwei weiteren Mitgliedern des Rainbow-Teams – mit Lena Schauder, angehende Heilerziehungspflegerin, und Dominik Wershofen, der Entwicklungspolitik im Master studiert. Sie gaben uns detaillierte Einblicke in die Arbeit der Lichtbildshow-Reihe Planetview und verrieten uns, wie sich beide gemeinnützige Organisationen voneinander unterscheiden, in welcher Phase sich das zweite Projekt befindet und wann der erste Stein gelegt wird.

Hallo Geert, Dominik und Lena. Bitte erklärt uns kurz, nach welchen Kriterien ihr die Referenten für eure beeindruckenden Lichtbildshows aussucht.
Geert: Die Szene ist wie ein Dorf, man kriegt schon mit, welche Vorträge man unbedingt buchen muss. Gleichzeitig buche ich einige Vorträge, die ich nie zuvor gesehen habe. Nicht alles, was ich zeige, muss mir Hundertprozentig gefallen. In dieser Szene gibt es leider viel Schrott, wenn Menschen, die im Ausland waren, meinen, sie seien gute Fotografen, dann aber keine Vorträge halten können. Es darf aber auch nicht aufgesetzt wirken. Die besten sind eigentlich die, die dir das erzählen, als wäre es gerade gestern passiert. Bei jeder Reportage ist am Ende wichtig, dass sich die Referenten im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Erde einsetzen und die Shows nicht nur machen, um Geld zu verdienen. Für mich sind sie Botschafter, dass wir die Erde mit einem anderen Blick betrachten müssen, um ihn zu erhalten.

Welches Ziel verfolgt ihr mit den Lichtbildshows?
Geert: Einerseits möchten wir den Betrachter in eine exotische Erdregion mitnehmen, damit er seinen Alltag kurz ausblenden kann. Andererseits ist die Veranstaltungsphilosophie von Planetview der besondere Blick auf den Planeten: Wenn wir uns von diesem Landschaftsaufnahmen faszinieren lassen, müssen wir uns auch für den Erhalt dieser Erde einsetzen. Mit dieser Reihe versuche ich die Menschen zum Umdenken anzuregen.

Inwiefern haben die kenianischen Aufenthalte deine Persönlichkeit beeinflusst?
Geert: Bis zu meiner ersten Reise nach Kenia war ich ein ganz anderer Mensch. Ich habe damals mit meinen Kumpels Fußball gespielt, an Wochenenden gefeiert und mich nicht groß engagiert. 2000 habe ich dann eine touristische Reise nach Kenia gemacht und daraus ist ein persönliches Projekt entstanden, als ich eine Welt sah, von der hier kaum jemand spricht. Ich kam mit der Tatsache nicht klar, dass es in Kenia Hunderttausende Waisenkinder gibt. Danach konnte ich nicht einfach in mein normales Leben zurückkehren.
Dominik: Die Zeit in Kenia hat sehr starken Einfluss auf meine Studienwahl genommen. Ich habe in Erfurt angefangen, Internationale Beziehungen zu studieren und studiere jetzt in Marburg International Development Studies im Master mit dem Ziel, in der Entwicklungszusammenarbeit für eine NGO oder in einem Ministerium zu arbeiten.
Lena: Meine drei Keniaaufenthalte haben mich ganz stark beeinflusst, vor allem was den Umgang mit Wasser angeht. Inzwischen dusche ich nur noch wahnsinnig kurz, also ich bin in zwei Minuten fertig. Meine Persönlichkeit hat sich total entwickelt, auch die Art, wie ich mit Menschen umgehe. Ich habe festgestellt, dass meine erste Studienwahl die falsche war. Als wir mit unserem Projekt angefangen haben und durch das Treffen mit Baraka, die im Rollstuhl sitzt, habe ich meine Denkweise noch einmal komplett umgeworfen und später mein Studium abgebrochen. Stattdessen habe ich eine Ausbildung zur Heil- und Erziehungspflegerin angefangen. Ich muss sagen, ohne unser Projekt oder den Einsatz in Kenia hätte ich diesen Schritt nicht gewagt.

(c) Geert Schroeder: Dominik und Baraka

Welche Entwicklung eines Waisenkindes aus dem Malaika-Haus macht dich besonders stolz?
Geert: Ich würde sogar zwei Kinder hervorheben: Einmal Caroline, die etwa fünf Jahre war, als sie in Naivasha gefunden wurde. Die Überland-Trucks durchqueren diese Stadt auf ihrem Weg durch Ostafrika nach Mosambik und machen dort über Nacht Halt. Deshalb ist es ein Ort, wo viel Prostitution anzutreffen ist. Wie die AIDS-Lehrbücher sagen, ist die Verbreitung des Virus dort am größten, wo Trucks stehen. Jungs klauen vielleicht noch Obst und Gemüse auf dem Markt und Mädchen versuchen oft durch Prostitution zu überleben. Caroline war natürlich erst fünf, aber wenn sie älter geworden wäre, hätte auch sie sich mit dem Virus infiziert. Stattdessen macht sie heute eine Ausbildung im Hotel Bereich – das macht mich stolz. Eine andere Biografie, an die ich sofort denken muss, ist die von Auma. Die kam zu uns, als sie noch ein Säugling war. Aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes gingen einige Ärzte davon aus, dass sie die Krankheit nicht überleben würde. Das geht einem schon nahe, wenn man sie heute rumtoben sieht.

Welche Meilensteine konntet ihr bei eurem ersten Projekt bereits erreichen?
Geert: Ein Meilenstein war sicher 2009 die erste Benefiz-Fahrradtour, die ich durch Afrika gemacht habe, aber auch die vierwöchige Promotion-Tour im Vorfeld durch Deutschland. Danach konnten wir uns ein eigenes Grundstück leisten und hatten das Kapital, eigene Häuser zu bauen. 2013 gab es eine zweite Charity-Fahrradtour, die das Ganze noch mal finanziell stabilisiert hat. Die Touren haben die Öffentlichkeit auf das Projekt aufmerksam gemacht und zu wichtigen Spendensummen beigetragen. Letztes Jahr haben wir mit einer kleinen Drohne unser Grundstück aufgenommen. Es rührt mich zu sehen, dass wir aus den Euros Steine werden ließen. Der letzte Meilenstein wurde dieses Jahr gelegt: 2018 ist das Malaika-Haus zehn Jahre alt geworden und es ist voll. Wir haben damals mit sieben Waisenkindern angefangen und heute sind es 30. Sobald eins der Kinder ins College kommt, wird wieder ein Platz frei.

Das Children’s Center des Rainbow-Projekts steht noch nicht. In welcher Phase befindet sich die Planung?
Dominik: Planungsphase ist: Wir wollen das Haus bauen. Den ersten Schritt dahin hat Gerd diesen Sommer in Kenia gemacht, indem er das Grundstück gekauft hat. Bisher ist das mitten in der Wildnis, dann müssen wir mit der nächsten Aktion – die wir schon im Hinterkopf haben – neues Geld zusammenbekommen, um mit dem Bau tatsächlich anfangen zu können. Der nächste Schritt wäre dann, einen Zaun um das Grundstück zu bauen.
Geert: Das erste Jahr diente wirklich dem Warmup: Das Projekt ist seit letztem September gemeinnützig anerkannt – wir haben bei der Bundesbank ein Spendenkonto bekommen und das Logo und die Flyer dafür gestaltet. Über die Planetview-Plattform haben wir schon Dauerförderer gewonnen. Es tut gut, das zu wissen, obwohl wir nur eine Vision haben. Wir haben natürlich schon das Waisenkind Baraka als ein Projekt, das wir unter anderem mit Schulgebühren fördern. Sie dient uns auch als Leuchtturmfigur, weil wir anhand ihrer Person das zentrale Problem vorstellen.

Ist schon in Aussicht, wann der erste Stein gelegt wird?
Geert: Der Zaun, den Dominik angesprochen hat, wird uns schon einiges an Geld kosten. Dann brauchen wir noch einen Stromanschluss und eine Wasserversorgung, also einen Brunnen. Wenn wir diese Dinge über irgendeinen Partner finanzieren könnten, wäre das großartig. Vorsichtig gesagt, könnte es sein, dass wir nächstes Jahr das erste Gebäude bauen. Aber ein funktionsfähiges Rescue Center, in dem Kinder mit Behinderung aufgenommen und versorgt werden können – das dauert schon noch zwei bis drei Jahre. Mit dem Drohnenvideo vom Malaika-Waisenhaus kommt der Stein vermutlich schneller ins Rollen. Es veranschaulicht, dass die Spender Vertrauen in die Realisierbarkeit unseres Projekts haben können.

(c) Geert Schroeder: Lena und Baraka

Ganz kurz zum Verständnis: Wie unterscheidet sich Malaika vom Rainbow-Children-Projekt?
Lena: Der größte Unterschied liegt in Baraka. Dadurch dass wir dieses Mädchen kennengelernt haben, haben wir uns sehr mit dem Thema Behinderung und Umgang mit Behinderung in Kenia auseinandergesetzt. Wir haben festgestellt, dass dort Menschen mit Behinderung weggesperrt oder -gegeben werden. Es gibt keine spezielle Einrichtung für sie wie die Lebenshilfe oder Neuerkerode. Einige glauben auch noch an Hexenkraft, also dass Familien mit einem behinderten Kind verflucht sind. Sie werden weggesperrt oder wie Baraka in dem Wissen auf die Müllkippe weggeschmissen, dass dort Kinder gefunden und zum Jugendamt gebracht werden. Das war unser Anstoß zu sagen: Wir müssen etwas machen und wollen uns um Kinder mit Behinderungen kümmern.
Geert: Nehmen wir mal an, wir können in zwei Jahren ein Center eröffnen und sieben Kinder wie Baraka aufnehmen, das könnte nie den Bedarf in ganz Kenia decken. Aber was essenziell wichtig ist und was Rainbow auch von Malaika unterscheiden wird, ist, dass wir als erstes Center dieser Art mit den richtigen Partnern einen Impuls an die Gesellschaft senden können, dass Kinder mit Behinderungen auch ein Recht auf ein würdevolles Leben haben. Ich meine, Kenia ist eins der ersten Länder, das die UN Charta von körperlich behinderten Kindern unterzeichnet hat, nur im Alltag merkt man davon noch nichts. Es wäre schön, mit unserem Projekt ein Umdenken zu bewirken.

Wie seid ihr auf den Namen Rainbow Children gekommen?
Geert: Ich habe mal ein Lied von einem Afrikaner gehört, das hieß „the rainbow after the rain“. Das ist ein schönes Symbol: Es regnet, es ist dunkel und nach dieser Phase der Dunkelheit – im wahrsten Sinne des Wortes, weil viele Kinder ja weggesperrt werden – kommt die Sonne wieder raus. Dann können auch sie das Licht und die Farben dieser Welt sehen.

Welche deutschen und afrikanischen Kooperationspartner habt ihr für das Projekt überzeugen können?
Geert: Bisher hat noch keiner seine Tausende von Euro ausgeschüttet, aber wir haben schon Zusagen. Einige von den Sponsoren sind die Chamäleon Foundation, Schwalbe – ein Fahrradreifen Hersteller, der auch im Rollstuhlbereich tätig ist. Wir haben Kontakt zu den Rotariern in Kenia und in Deutschland, eine Vereinigung von Rechtsanwälten, die mitmachen wollen. Wir gehen davon aus, dass uns die deutsche Botschaft Geld aus ihrem Fond zur Verfügung stellt. Darüber hinaus verhandeln wir mit Handicap International, inwiefern die Geld aus dem kenianischen Fond Handicap International Kenia beisteuern können. Wir haben viele Partner in Marburg wie die Organisation Terratec, Technologietransfer in die Dritte Welt. Es ist wichtig, dass ein Adlerauge die Bautätigkeiten beaufsichtigt, weil wir Geld in ein Land fließen lassen, in dem viel Korruption herrscht.

Seit wann besteht eine Kooperation zwischen Planetview und Oeding?
Geert: Wir lassen schon seit ein paar Jahren unsere Printsachen bei Oeding drucken – also die Flyer und Folder von Planetview. Neulich hatten wir eine Jahreshauptversammlung, in der wir gesagt haben, wir brauchen für die Rainbow-Aktion 25 Tausend Flyer. Als wir in Online-Portale geguckt haben, haben wir festgestellt, wie viel Geld man dafür investieren muss. Da haben wir uns einfach getraut, Oeding zu fragen, ohne uns zu große Hoffnungen davon zu versprechen und haben eine überwältigte Antwort bekommen: Oeding spendet uns die Flyer komplett. Uns helfen ja alle Portale, in denen man das kleine Projekt bekannter machen kann.

Abgesehen vom finanziellen Aspekt: Wie kann man euch unterstützen?
Geert: Gerade jetzt am Anfang sind wir schon sehr auf Spenden angewiesen. Abgesehen davon können wir immer Leute gebrauchen, wenn wir Events haben also auch bei Planetview. Wir brauchen Ideen, wie man unsere Message generiert. Nur weil wir einen schönen Namen haben, heißt es noch lange nicht, dass die Menschen auf uns hören. Die Fahrradtour ist jetzt ein extremes Beispiel, die Frage ist aber: Wie kriegen wir das Ding unter die Leute? Uns würden auch Infostände bei verschiedenen Veranstaltungen helfen, aber auch Menschen, die Schulvorträge halten oder Kontakt aufnehmen zu Schulleitern. Mit anderen Worten: Wir brauchen Man- und natürlich auch Womanpower. Man kann mit uns einfach in Kontakt treten und dadurch Raum für neue Ideen schaffen und jede Idee hilft, das Projekt voranzubringen.

Interessierte können sich unter www.malaika-projekt.de sowie unter www.rainbow-children-center.de über beide Hilfsprojekte informieren. Ein Spielplan zur Lichtbildshow-Reihe Planetview findet sich hier.

Viktoria Knapek (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Geert Schroeder

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.