»Es geht um die Verantwortung, die jeder innehat, unsere Freiheit zu bewahren.« - REGIO-BLICK
(c) Moritz Küstner

»Es geht um die Verantwortung, die jeder innehat, unsere Freiheit zu bewahren.«

Im Rahmen des Lessingfestivals in Wolfenbüttel wird am 17. Mai die Orchester-Inszenierung „Dark Room – Eine orchestrierte Freiheitsberaubung“ des Orchesters im Treppenhaus aufgeführt.

Was kann klassische Musik heute? Diese Frage stellt sich Das Orchester im Treppenhaus und hinterfragt damit den Konzertbegriff an sich. Die Musiker streben nach Innovationen, um aus dem Happening eines klassischen Konzertes noch mehr herauszuholen. Eine dieser Innovationen mit dem Titel „Dark Room“ verwebt klassisches Konzert mit Hörspiel – und das in völliger Dunkelheit. Wir haben mit dem Dirigenten des Orchesters, Thomas Posth, über das preisgekrönte, neue Konzertformat gesprochen.

Die Aufführung findet am 17. Mai um 19.30 Uhr im großen Haus des Lessingtheaters Wolfenbüttel statt. Weitere Informationen finden sich auf www.lessingfestival.de sowie unter: www.treppenhausorchester.de.

Worum geht es in der Geschichte, die in der Inszenierung, „Dark Room –  Eine orchestrierte Freiheitsberaubung“ erzählt wird?
Das Orchester im Treppenhaus verwebt Musik von Schostakowitsch, Say, Shaw und Schreker mit der Geschichte eines Journalisten, der sich seinem Beruf und der Freiheit verpflichtet fühlt. Weil er der Obrigkeit zu unbequem geworden ist, muss er von einer Gefängniszelle aus miterleben, wie sich die politische Situation immer weiter verschärft und wie seine Angehörigen, Kollegen und die Bürger mit der Situation umgehen. Dabei fragt er sich, wer wie und an welcher Stelle die zunehmende Einschränkung der demokratischen Grundrechte hätte aufhalten können.Die Geschichte ist erfunden, spielt sich aber so oder so ähnlich ständig an vielen Orten auf der Welt ab.

Die Inszenierung ist ein Mix aus Hörspiel und klassischem Konzert. Wie kam es zu dieser Idee?
Das Orchester im Treppenhaus sucht nach Möglichkeiten, klassische Musik möglichst wirkungsvoll zu inszenieren. Mit diesem Ziel arbeitet es seit Langem mit Schauspielern und Regisseuren zusammen, um Musik in eine Geschichte einzubetten. Das im Dunkeln zu machen war dann nur ein weiterer Schritt.

Warum sind die Augen der Besucher während der Vorstellung verdeckt?
Wenn die Augen geschlossen sind hört man unglaublich viel intensiver, der Musikgenuss ist deutlich stärker. Außerdem ist es für das Gefühl, mitten in einem Live-Hörspiel zu stecken, wichtig, nichts zu sehen.

(c) Moritz Küstner

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Viele Zuhörer dürften wohl früher in ihrer Kindheit das Medium Hörspiel abends zum Einschlafen benutzt haben. Haben sie Angst, dass ihnen die Besucher einpennen?
Die Geschichte ist so spannend, die Musik so fesselnd, dass das selten passiert. Wenn man Angst hat, einzuschlafen, kann man aber auch einen Sitzplatz wählen …

Wie kam die Kooperation mit den beiden Synchronsprechern Marcus Off  und Tobias Kluckert zustande? Ersterer spricht Johnny Depp, der zweite Bradley Cooper.
Wir hatten vor Jahren einen Auftritt beim literarischen Salon Hannover mit Tobias Kluckert zusammen – dort haben wir uns kennengelernt und gemerkt, dass es beiden Seiten großen Spaß macht, zusammenzuarbeiten. Als sich die Idee des „Dark Room“ entwickelte, haben wir ihn sofort angerufen und beschlossen, das zusammen zu machen.

Das Stück wurde schon im Landtagsgebäude in Hannover aufgeführt. In welcher Hinsicht wirkt dies zusätzlich bei einer Vorführung mit politisch aufgeladenem Inhalt?
Einen solchen Inhalt dort zu verhandeln, wo das Herz der Demokratie und damit auch die Verteidigung ihrer Werte wohnt, war für uns schon sehr besonders und auch ein Anlass, dieses Thema zu wählen. Ein Theater als Spiegel gesellschaftlicher Wirklichkeit ist aber ein genauso guter Ort.

Die Komponisten Schostakowitsch und Say, von denen Musik gespielt wird, waren oder sind selbst Opfer unterdrückender Regime. Inwiefern wurde dies bei der Planung des Hörspiels berücksichtigt?
Wir haben die Stücke aus zwei Gründen herausgesucht: Einmal mussten sie atmosphärisch zur Geschichte passen, zum anderen wollten wir exemplarisch zeigen, in welchen Ländern die Geschichte spielen könnte.

(c) Moritz Küstner

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Am 17. Mai wird das Stück im Rahmen des Lessingfestivals aufgeführt. Sind Theaterfestivals in besonderer Weise reizvoll für innovative Vorstellungen wie „Dark Room“?
Ja natürlich, wir befinden uns ständig auf der Schnittstelle zwischen Musik und Theater, haben auch schon oft in Schauspielhäusern gespielt und sehen das Theater als unsere Schwesterdisziplin. Außerdem ist das Theaterpublikum aufgeschlossener für Neues als das übliche Klassikpublikum, das kommt uns natürlich entgegen.

Inwieweit sieht sich die Orchesterinszenierung auch dem Festivalmotto „Freiheit und Verantwortung“ verpflichtet?
Die beiden Begriffe treffen genau den Kern unseres Themas. Es geht um die Verantwortung, die jeder innehat, unsere Freiheit zu bewahren.

Welche Zielgruppe soll mit dieser Art Konzert angesprochen werden?
Wir sprechen alle Menschen an, in unseren Konzerten ist Publikum zwischen 15 und 90, und alle fühlen sich wohl. Mit unseren Formaten sprechen wir darüber hinaus auch Menschen an, die sonst nie in klassische Konzerte gehen und das gelingt extrem gut.

Simon Henke SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Moritz Küstner

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