Foto-Vermittler zwischen den Welten

„Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera“, sagte einst die deutsche Fotografin und Fotohistorikerin Gisèle Freund. Dieses Credo ist seit vielen Jahren der Leitspruch des Braunschweiger Fotografen Nizar Fahem, der in über 20 Jahren professioneller Tätigkeit für die unterschiedlichsten regionalen und überregionalen Auftraggeber gearbeitet hat, darunter journalistische Presse, Kundenmagazine, Veranstaltungs- und Eventagenturen sowie als Bordfotograf auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA.

Auf Fotoreisen durch die ganze Welt, nach Afrika, Asien, Europa und Südamerika, hat er unvergessliche Eindrücke und besondere Bilder mitgebracht. Seine Wege führten den gebürtigen Tunesier als Fotograf in außergewöhnliche Länder wie Dubai, Tansania, Sansibar, Mexiko oder Jamaika, wo er eindrucksvolle Reportagen und Dokumentation des Alltagslebens angefertigt hat. Nizar Fahem geht dabei immer mit der Zeit, bindet neue Technologien wie Drohnen und 360-Kameras in seine Arbeit ein. Auf seiner Homepage www.dejavue-foto.de gibt er Einblicke in seine Arbeit und präsentiert Portfolios zu seinen Reisen.

In den 1990er Jahren hat der Sohn eines Fotografie-Dozenten eine Berufsausbildung als Fotografie-, Kamera- und Videotechniker beim Ministerium für Jugend, Kinder und Sport abgeschlossen. Noch heute ist ihm der soziale Aspekt seiner Arbeit erhalten geblieben. 2017 hat er als Vorsitzender zusammen mit Freunden und Kollegen den Verein Art Culture Poverty Worldwide e.V. gegründet, kurz ACPW, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zusammenhang von Kunst, Kultur und Armut weltweit zu zeigen und hierzu Vorträge, Ausstellungen und weitere kulturelle und musikalische Veranstaltungen organisiert. Ziel von ACPW ist es, auf globale Probleme und Missstände hinzuweisen, von denen besonders Kinder betroffen sind, aus denen aber auch häufig in ganz einzigartiger Form Kunst und Kultur entstehen. Dabei weist der Verein stets darauf hin, dass auch Bürger in Deutschland eine Mitverantwortung tragen. Ebenso sammelt der Verein Spenden und spiegelt die Hilfsbereitschaft jener besser Versorgten wider, Menschen in Not zu stärken.

Regio-Blick hat sich mit dem sympathischen, bescheidenen und offenherzigen und engagierten Weltenbummler, Fotografen und Aktivisten unterhalten.

Herr Fahem, wie sind Sie einst zum Fotografieren gekommen und welche Rolle hat Ihr Vater dabei gespielt?
Als ich klein war und mein Vater Fotografie unterrichtet hat, habe auch ich meine ersten Bilder geschossen. Ich war damals erst vier Jahre alt. Meinem Vater hat das gefallen, er hat mich gefördert. So konnte ich Spaß im Fotografieren entdecken und letztendlich diese Freude zu meinem Beruf machen.

Angefangen haben Sie im Zeitalter analoger Fotografie, heute wird in der Regel digital gearbeitet. Was sind für Sie jeweils die Vor- und Nachteile? Was reizt Sie besonders an beiden Varianten?
Beide Methoden haben ganz klare Vor- und Nachteile. Die analoge Fotografie erlaubt es einem, Filme und Abzüge selbst entwickeln zu können. Es macht Spaß hierbei bestimmte Einstellungen auszuprobieren – auch schon beim Fotografieren selbst. Analog stellt sich zudem heraus, wer wirklich gut fotografieren kann. Nachteile dieser Arbeit sind natürlich, dass man seine Ergebnis nicht sofort sehen kann und es sehr umständlich ist, die eigenen Bilder wirklich gut zu digitalisieren und anschließend zu bearbeiten. Bei der digitalen Fotografie ist das anders: Die Bilder sind sofort verfügbar, über diverse Speichermöglichkeiten leicht übertragbar und sie können sofort elektronisch versendet werden. Und digitale Bildbearbeitungsmöglichkeiten kennen heutzutage nahezu keine Grenzen. Schade dabei ist natürlich, dass die Technik immer teurer und in den Einstellungsmöglichkeiten stetig umständlicher wird. Auch meint heute jeder, sofort ein Fotograf zu sein, weil er mit seinem iPhone mal ein schönes Filter-Bild online gestellt hat.

Der Weltenbummler Nizar Fahem.

Wie kommen Sie zu Ihrem Agenturnamen „Déjàvue Fotografie“?
Echte Déjàvues, wie jeder sie kennt, hatte ich tatsächlich schon sehr häufig beim Fotografieren. Dieses Gefühl, einen Moment schon mal erlebt zu haben… Mit meinen Bildern möchte ich versuchen, eben dieses besondere und seltene Gefühl bei Menschen aufzuwecken.

Was macht für Sie ein gutes und starkes Foto aus?
Wenn ein Bild es schafft, etwas sichtbar zu machen, das im realen Leben für viele häufig unsichtbar bleibt. Ein gutes Foto muss ein Gefühl vermitteln.

Sie fotografieren in einem breiten Spektrum, nehmen Aufträge von Magazinen, Zeitungen und Privatkunden an. Was davon entspricht am meisten Ihrer Leidenschaft und warum?
Besondere Freude hat es mir immer gemacht, spontane Momente von Konzerten zu fotografieren oder von Veranstaltungen, die nachts stattfinden. Dabei geht es mir in erster Linie um die Lichtinszenierung meiner Bilder. In diesen Situationen habe ich gelernt schnell und gleichzeitig konzentriert zu arbeiten. Aber auch all die anderen Arten und Bereiche der Fotografie haben mich viel gelehrt.

Was wollen Sie mit Ihren Bildern erzielen. Worum geht es Ihnen?
Ich versuche grundsätzlich, so viele Informationen und Botschaften wie möglich durch Bilder zu vermitteln. Alles, was man in einem Moment über einen Menschen erfahren und nachempfinden kann, möchte ich festhalten. Außerdem will ich von Menschen das zeigen, was im Alltag häufig an einem vorbei zieht.

Was bedeutet das für Ihre Fotoreportagen ferner Länder?
Im Fokus stehen für mich eindeutig Natur und Kultur. Und eben die dunklen Seiten des häufig von Armut geprägten Lebens der Menschen in verschiedenen Natur- und Kulturräumen. Von Land zu Land gibt es hier sehr große Unterschiede, die es wert sind, gezeigt zu werden. Durch meine Reisen habe ich das schöne Leben in Deutschland sehr zu schätzen gelernt – insbesondere, wenn man sieht, wie Menschen mit sehr begrenzten Mitteln glücklich sein können. Wichtig ist mir auch immer deutlich zu machen, dass wir alle Menschen sind und die Herkunft am Ende keine entscheidende Rolle spielt.

Welche Reise, welcher Ort oder welches Motiv ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben oder hat Sie sogar ein Stück weit geprägt?
Die Karibik-Tour mit der AIDA hat mich sehr geprägt. Wir waren jeden zweiten Tag an einem neuen Ort und sind mit immer neuen Kulturen und Menschen in Berührung gekommen. Man weiß vorher nicht, was einen erwartet, wenn man aufwacht und es ist immer ungewiss, welche Aufnahmen ich machen kann. Die Motive, die sich in meine Erinnerung eingebrannt haben, betreffen die Rassentrennung, die auch heute vielerorts noch sehr stark zu erkennen ist.

Sie legen auch künstlerisch Bilder übereinander und erschaffen so etwas Neues…
Dadurch gelingt es mir, den starken Kontrast zwischen Extremen deutlich zu machen, beispielsweise Macht auf der einen und Armut auf der anderen Seite zu zeigen, die sich oft am gleichen Ort befinden. Ich möchte die Menschen damit zum Überlegen bringen.

Haben Sie ein Lieblingsbild? Auf welches Foto sind Sie besonders stolz?
Eine ganze Menge sogar. Zu meinen absoluten Favoriten gehören aber all die Bilder von lachenden Kindern aus aller Welt. Obwohl sie kaum etwas besitzen, strahlt das Glück in ihren Augen. Ich bin außerdem stolz auf eine Aufnahme von frei fliegenden Vögeln, die alle sehr scharf auf dem Bild zu erkennen sind.

Eines seiner Lieblingsbilder.

Gibt es ein Foto, das Sie immer bei sich tragen?
Ein Bild meiner Eltern und Geschwister, die im Ausland leben, habe ich immer bei mir.

Sie haben den Verein ACPW gegründet (siehe oben). Was genau hat den Anstoß dazu gegeben?
Seit meiner Kindheit bin ich Mitglied von unterschiedlichen Hilfsorganisationen. Kunst und Kultur in Zusammenhang mit Armut haben mich immer sehr berührt. Von Land zu Land gibt es so gravierende Unterschiede und Aspekte. Leider ist dies kein Bestandteil im Leben vieler Menschen. Der Verein will Konzerte, Vorträge und Lesungen über Kunst, Kultur und Armut in der weiten Welt veranstalten und damit Spenden für Hilfsprojekte im In- und Ausland sammeln. Das ist die Grundidee. Insbesondere internationale Künstler, die über keine eigenen finanziellen Mittel verfügen, möchten wir eine Plattform bieten, ihre Kunst darzubieten.

Der Verein ist noch sehr jung. Wie sehen die nächsten Pläne für den Verein aus?
Aktuell wollen wir Kleidung und Schuhe für Kinder, die im Not, spenden. Außerdem geht es erstmal darum, den Verein so stark wie möglich bekannt zu machen und Unterstützer zu finden.

Worin sehen Sie die Kernaufgabe der Vereinsarbeit?
Der Verein möchte die Kunst und Kultur fremder Länder in Deutschland bekannt machen, um das Verständnis für soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge zu vertiefen und ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Mitverantwortung stärken. Wir wollen den Menschen die Realitäten in der Welt zeigen und darauf aufmerksam machen, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht – im Vergleich zu anderen Teilen der Erde. Ich glaube, das macht uns alle ein Stück zufriedener und glücklicher.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine und die Zukunft des Vereins!
Ich habe zu danken!

(c) Nizar Fahem

 

 

Benyamin Bahri (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Nizar Fahem (alle Bilder)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.