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»Ich bin ein Musiker, für den die Partitur heilig ist«

Er ist neu in Braunschweig, kommt frisch vom Teatro de Bellas Artes aus Mexico City: Sein Debüt in der Löwenstadt hatte der Generalmusikdirektor Srba Dinić im Rahmen von Klassik im Park, das für ihn einen eindrucksvollen Auftakt darstellte. Im Interview erzählt er von seinen Plänen für die kommende Spielzeit und verrät, wie er es schaffen möchte, seine persönliche Note in die Arbeit am Staatstheater einzubringen.

Hallo Herr Dinić, Sie sind gerade von Mexico Stadt nach Braunschweig gekommen, was haben Sie aus dieser Zeit für sich und Ihre Arbeit mitgenommen?
Mexico City zählt zu den größten Städten der Welt. Am Anfang war es eine Umstellung dort zu leben, die Stadt liegt ja schon 2.500 Meter über dem Meeresspiegel, das Verkehrsaufkommen ist gigantisch und die Sicherheit in der Stadt ist nicht besonders hoch. Auf der anderen Seite sind die Menschen sehr freundlich, das Theater bellas artes und der Konzertsaal Nezahualcoyotl sind von einer unglaublichen Schönheit, das Publikum ist begeistert und das Klima und das Essen sind hervorragend … Ich denke, dass meine Erfahrungen in Mexiko mein Leben sehr bereichert haben.

Wie haben Sie das Mega-Event Klassik im Park erlebt?
Ich kann mir keinen besseren Anfang wünschen. Über 20.000 begeisterte Zuschauer haben Klassik im Park bei schönstem Wetter besucht, zwei ausgezeichnete Solisten waren dabei und der Chor und das Staatsorchester sind auf einem sehr hohen Niveau. Es war einfach wunderbar.

Wie beziehen Sie das Thema „Meer“ in der kommenden Spielzeit ein?
Mit dem Meer verbinde ich Ruhe und Bewegung gleichzeitig. Wenn ich müde oder angespannt bin, setze ich mich ans Wasser – übrigens, die Strände in Cancun sind bezaubernd – und beobachte die Schönheit, die Unendlichkeit und die Kraft des Meeres. Das Theater und die Musik ruhen nie, sie sind ständig in Bewegung und wecken gleichzeitig schöne und starke Gefühle in einem Menschen. Im Konzert findet sich das Meeresthema unter anderem mit Claude Debussys „La Mer“ und Benjamin Brittens „Four Sea Interludes“ aus „Peter Grimes“ wieder.

Mit „Don Carlo“, „Elektra“, „Tosca“ und „La Clemenza Di Tito“ haben Sie große Klassiker übernommen. Wie schaffen Sie es, diese auf Ihre eigene Art und Weise umzusetzen?
Ich bin ein Musiker, für den die Partitur heilig ist. Um eine Partitur richtig zu verstehen und ihr einen persönlichen, emotionalen „Touch“ zu geben, braucht es Zeit und Geduld. Das verlangt ein hohes Maß an Arbeit und eiserner Disziplin, bis ins kleinste Detail muss alles mit den mitwirkenden Künstlern erarbeitet werden.

Das Musiktheater-Programm ist sehr vielfältig. Was ist Ihr persönliches Highlight der Saison?
Ich liebe alle Stücke und freue mich natürlich insbesondere auch auf jene, die ich in der nächsten Spielzeit dirigieren werde. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde die Wahl auf Mahlers 2. Symphonie und „Elektra“ von Richard Strauss fallen.

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Fünf Fakten über Srba Dinić:
– Dinić stammt aus einer Musikerfamilie mit langer Tradition.
– Er studierte an der Musikmittelschule in Nis, die er 1987 beendete, anschließend studierte er an der Musikakademie Belgrad Klavier und Kammermusik.
– Einige der zahlreichen Orchester, mit denen Dinić arbeitete, sind das Berner Symphonieorchester, das Basel Sinfonieorchester, das Festival-Orchester von Avenches, das Staatsorchester Stuttgart, die Württemberger und Essener Philharmoniker, die Münchner, Freiburger und Nürnberger Symphoniker, KHG Freiburg; das Spanische Orquestra di Valencia; in Italien das Teatro Massimo Orchestra, Verona Symphony Orchestra; in Serbien das Belgrader Symphony Orchestra, das Belgrader Philharmonic Orchestra, das Orchester des Belgrader Nationaltheaters sowie das Nis Symphony Orchestra.
– Am Staatstheater Braunschweig debütierte Srba Dinić im Februar 2015 mit der Oper „Andrea Chénier“ und eröffnete die Spielzeit 2015/2016 mit zwei Sinfoniekonzerten.
– Srba Dinić wurde mit dem Preis des Kulturministeriums der Republik Serbien für die Verbreitung und Promotion der serbischen Kultur in der Welt ausgezeichnet.

Ein Interview mit der neuen Generalintendantin Dagmar Schlingmann lesen Sie hier.

Katharina Holzberger (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: ZVG

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