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Interview mit Peter Nottmeier: »Die Wahrheit über Dinner for one«

„The same procedure as every year?“ ist die wohl bekannteste Frage im deutschen Fernsehen. Der Silvester-Klassiker „Dinner for one“ wurde 1988 als „weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion“ ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Aber wie kam es zu dem bekannten Sketch? Die Geschichte dahinter erzählt auf eine nicht ganz so ernste Weise das Theaterstück „Die Wahrheit hinter ‚Dinner for one‘“. In der Hauptrolle als Freddie Frinton: Peter Nottmeier, der durch seine verschiedenen Parodien von beispielsweise Alfred Biolek oder Peter Zwegat in der Sendung „Switch“, bzw. später „Switch reloaded“ einem sehr großen Publikum bekannt wurde.
Uns hat er erzählt, welche Erinnerungen er mit dem Sketch verbindet, ob wir uns auf ein Tigerfell freuen können und wie er seinen 90. Geburtstag irgendwann verbringen möchte.

Comedian und Schauspieler Peter Nottmeier (Foto: Carsten Sander)

Der Sketch „Dinner for One“ gilt als Silvesterklassiker. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?
Natürlich verbinde ich in erster Linie die Erinnerungen an die Silvesterabende in der Kindheit mit der Familie damit. Wir haben relativ spät einen Fernseher bekommen, aber dann gehörte es wirklich zur Tradition, am 31. Dezember „Dinner for One“ zu schauen. Vater mit dem ersten Gläschen Wein im Sessel, um sich schon mal hineinversetzen zu können, ich wohl eher mit Apfelsaft.

Worin unterscheidet sich „Die Wahrheit über ‚Dinner for One‘“ vom Original?
Zum einen spielen den Sketch diesmal – vielleicht für einige etwas überraschend – nicht May Warden und Freddy Frinton, sondern Manon Straché und Peter Nottmeier. Dadurch muss er schon anders sein. Zum anderen ist der Sketch bei uns das Finale einer ganzen Geschichte, die von sechs Schauspielern bestritten wird, eben „Der Wahrheit“- es wäre etwas vermessen, das Publikum lediglich für einen Sketch in das Theater zu bitten! Beim Spielen des Sketches selbst war es unser Bestreben, so nah wie möglich an das Original heranzukommen.

Was bringt Leute noch 50 Jahre nach der Aufzeichnung dazu, „Dinner for One“ regelmäßig zu schauen und darüber zu lachen?
Der Sketch ist einfach zeitlos, dramaturgisch gut gebaut und ein Leckerbissen für Leute mit feiner Beobachtungsgabe und Spaß an diesem Humor. Und eine gewisse Tragik beinhaltet er ja auch: Obwohl Butler James weiß, was da jedes Jahr wieder auf ihn zukommt, gibt es für ihn kein Entrinnen. Es ist halt das Los des Butlers und er muss da im wahrsten Sinne des Wortes durch. Er macht das mit Bravour und möglichst guter Haltung.

Welche Rolle verkörpern Sie innerhalb des Stücks und durch welche Charaktereigenschaften zeichnet sie sich aus?
Meine Rolle ist die des Schauspielers Freddie Frinton. Charaktereigenschaften: Nicht ganz uneitel und vom Humor her eher wie guter Weißwein: Trocken! Gemeinsam mit der Kollegin May Warden möchte er die Aufführung mit allen Mitteln verhindern.

Teile des „Die Wahrheit über Dinner for One“ -Ensembles (Foto: Komödie am Altstadtmarkt)

In Deutschland wird „Dinner for One“ gefeiert, in Großbritannien ist der Sketch kaum bekannt. Inwieweit bringen Sie britischen Flair auf die Bühne?
Alleine die Gegebenheit, dass Miss Sophie einen Butler hat empfinde ich schon als eher britisch. Das Bühnenbild entspricht – ganz in schwarz-weiß gehalten – dem britischen Original und Mulligatawny-Suppe ist ja eher in England beliebt als hier in Deutschland.

Darf sich das Publikum über ein paar Tiger-Stolperer freuen?
Kurz und knapp: Ja!

Ein Lachanfall aus dem Publikum bei der damaligen TV-Aufzeichnung ist berühmt geworden. Welche Publikumsreaktionen wünschen Sie sich für die Aufführung?
Ich hätte nichts gegen ein gleiches Lachverhalten einzuwenden. Inzwischen haben wir sechs Vorstellungen gespielt und ich kann den Zuschauern bisher ein gutes Attest über ihr Zwerchfell ausstellen!

Peter Nottmeier und Manon Straché als Butler James und Miss Sophie (Foto: Imagemoove)

 

Was wussten Sie vor Ihrem Engagement über Braunschweig und die Komödie am Altstadtmarkt und wie erleben Sie die Löwenstadt als Besucher?
Nun, einmal habe ich vor Jahren die große Weihnachtsfeier der Firma „New Yorker“ moderiert. Aus den 70ern ist mir die erste deutsche Trikotwerbung in der Fußballbundesliga mit dem „Jägermeister-Hirsch“ noch präsent. Hatte nicht Paul Breitner damals ein Hotel in Braunschweig? Über die Komödie am Altstadtmarkt hätte ich wohl keine große Abhandlung schreiben können, nun bin ich schlauer. Als Besucher mag ich Braunschweig sehr und habe auch schon in Köln beim Sender verlauten lassen, dass man hier eigentlich die Märchenproduktionen drehen müsste. Wenn man abends das erleuchtete Schloss, die Kirchen und die großen Plätze mit ihren vielen Fachwerkhäusern sieht, ist das schon richtig romantisch! Außerdem schätze ich die Freundlichkeit der Braunschweiger Bevölkerung sehr.

Wie stellen Sie sich Ihren 90. Geburtstag vor?
In diesem Jahr wird dann mein Verein, Schalke 04, zum ersten Mal nach 90 Jahren Deutscher Meister. Vielleicht sitze dann aber mal ich beim Dinner am Kopfende…

Same procedure as every year!? Was sind Ihre Silvestertraditionen?
Traditionen gibt es da bei mir nicht so viele und das ist auch gut so: Sonst müsste ich ja jedes Jahr drei Silvestervorstellungen hintereinander spielen…

„Die Wahrheit über ‚Dinner for One´“ wird noch bis zum 13. Januar in der Komödie am Altstadtmarkt, in der Gördelinger Straße 7, gespielt. Zu Silvester wird das Stück sogar drei Mal aufgeführt: Um 17 Uhr, um 20 Uhr und nochmal um 23 Uhr. Im Silvesterpreis inbegriffen ist auch ein Glas Sekt oder Orangensaft.
Die nächsten Termine und den Online-Kartenverkauf gibt’s unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.

Text: oeding Magazin Verlag / Fotocredit Header: Imagemoove

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