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»Karrierepläne waren nie mein Ding«

Interview mit Schauspieler Frederick Lau zu „Simpel“

Mit seiner Rolle als durchsetzungsschwacher Schüler in „Die Welle“ gelang Frederick Lau vor zehn Jahren der Durchbruch. Mit dem Gefängnisdrama „Picco“ sorgte er 2010 in Cannes für Aufsehen. Noch größer war der Rummel 2015 auf der Berlinale bei „Victoria“, jenem Berlin-Film von Sebastian Schipper, der völlig ohne Schnitt auskommt. Zu den weiteren Filmen des 28-Jährigen gehören „Türkisch für Anfänger“, „Oh Boy“, „Tod den Hippies! Es lebe der Punk“ und „Das kalte Herz“. Nun kommt der einstige Berliner Judomeister in „Simpel“ in die Kinos, darin kümmert er sich um seinen geistig zurückgebliebenen Bruder, gespielt von David Kross. Die Premiere fand auf dem Filmfestival Zürich statt. Mit dem Schauspieler unterhielt sich Dieter Oßwald.

Herr Lau, in einer Artikel-Überschrift hieß es einmal: „Alle lieben den Schauspieler Frederick Lau dafür, dass er so anders ist.“ Einverstanden?
Als „anders“ würde ich mich selbst eigentlich nicht bezeichnen. Aber wenn andere das tun, finde ich das gar nicht so schlecht. Es ist schließlich schön, wenn man nicht ständig der Norm entspricht.

Mit ihren Rollen entsprechen Sie kaum einer Norm. Gibt es einen roten Faden in Ihrer Filmografie?
Ich bin einfach offen für alles, da geht es mir ganz ähnlich wie dem Simpel im Film. Der möchte auch immer alles ausprobieren und in allen Dingen stets das Beste sehen.

Hätten Sie diese Simpel-Rolle von David Kross nicht selbst gerne übernommen?
Ehrlich gesagt nein. Ich hatte zuvor gerade „Das kalte Herz“ abgedreht, wo ich einen Waldjungen spiele, der sich sehr unkonventionell verhält. Da wäre mir der Simpel zu ähnlich gewesen. Zum anderen hatte ich David Kross beim Casting gesehen und mir war schnell bewusst, dass dieser Typ das unbedingt spielen muss. Ohne ihn hätte ich dieses Projekt nicht machen wollen.

Die Brüder-Kombination gab es mit Johnny Depp und Leonardo diCaprio bereits einmal in „Gilbert Grape“ – war das eine Vorlage für Sie?
„Gilbert Grape“ habe ich vor Ewigkeiten gesehen und ihn mir für unseren Film auch nicht nochmals angeschaut. Was Johnny und Leo da machen, habe ich längst vergessen, was allerdings überhaupt kein Nachteil ist. Meine Methode liegt darin, mich total frei zu machen ohne an irgendwelche möglichen Vorbilder denken zu müssen.

Wie gefährlich sind die Kitsch-Klippen bei solch einem Stoff?
Das war tatsächlich unsere größte Angst. Wir wollten unbedingt vermeiden, dass die Sache albern oder nicht wahrhaftig wirkt. Um ein Gespür dafür zu bekommen, sind David und ich als Vorbereitung einfach mal in unseren Rollen durch Berliner Straßen gelaufen. Ganz wichtig war mir die körperliche Nähe, die beide Brüder verbindet. David durfte also keine Scheu haben, ständig von mir angefasst zu werden. Nach ein paar gemeinsamen Bieren war das Problem schnell gelöst, seitdem sind wir schwer fasziniert voneinander! (Lacht)

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Was ist die wichtigste Qualität für Ihren Beruf?
Die Wahrheit zu erzählen und nicht zu lügen. Man kann durchaus Dinge behaupten, aber trotzdem sagt man die Wahrheit. Ein guter Schauspieler spürt, ob etwas richtig oder falsch ist.

Wie groß muss die Schnittmenge sein zwischen Ihnen und einer Figur, die Sie spielen?
Bei diesem Film war das Schöne, dass ich während der Dreharbeiten gerade Vater geworden bin. Und mit Simpel die Gelegenheit bekam, die Welt nochmals mit Kinderaugen zu entdecken. Beim Blick in die Augen erkennt man diese große, bedingungslose Liebe – das verhält sich bei Simpel oder bei meiner Tochter ganz ähnlich.

Sie haben etliche Preise, wie wichtig sind solche Auszeichnungen für das Ego?
Mir sind Preise gar nicht so wichtig. Ich glaube allerdings, dass David Kross ein guter Anwärter auf den nächsten wichtigen Filmpreis sein dürfte.

Hatten Sie mit dieser Karriere gerechnet?
Karrierepläne waren nie mein Ding. Ich versuche, meine Sachen gut zu machen und keinen zu enttäuschen. Ich möchte in Filmen spielen, die das Publikum berühren.

Könnten Sie alles spielen?
Ich würde alles spielen!

Was war ihre bislang schwierigste Rolle?
Der schwule Nazi in Lederkluft in Oskar Roehlers „Tod den Hippies! Es lebe der Punk!“ war schon ziemlich heftig. Aber so etwas macht natürlich auch Spaß. Ich habe große Freude am Absurden.

Gab es Anfragen aus Hollywood nach dem internationalen Erfolg von „Victoria“?
Es gab einige Castings und ich habe eine Agentur in London, bei der auch Tom Hardy und Keira Knightley sind. Aber ich halte da gerne meine Füße still. Anbiedern war noch nie meine Sache. Ich glaube, die Rolle findet den Schauspieler.

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Dieter Oßwald (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Universum Film

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