Kluge Chefs machen die Pflicht zur Chance

Wie das Betriebsrentenstärkungsgesetz Unternehmen und Mitarbeitern helfen kann

Rente – ein Kampfbegriff, der die unterschiedlichsten Bilder hervorruft: Aufgebrachte Politiker, die das Thema wie ein rotes Tuch vor dem Stier im Wahlkampf wedeln. Norbert Blüm, der die Rente allein durch seine beruhigend-liebevoll Betonung völlig „sischä“ wirken lässt. Vielleicht ein Seniorenpärchen, das es sich bei einem Nachmittagskaffee auf einer idyllischen Lichtung gut gehen lässt. Was man auch immer mit der Rente verbinden mag, Fakt ist: Selbstverständlich ist ein gutes Auskommen im Alter längst nicht mehr. Mitdenken ist von jedem einzelnen von uns gefordert, um mögliche Versorgungslücken schließen zu können. Da sollte man keine Möglichkeit ungenutzt lassen. Natürlich ist aber auch der Gesetzgeber gefordert, der ab 2018 als eine wichtige Maßnahme das so genannte „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ ins Leben gerufen hat – das Arbeitnehmern zusätzlich dabei helfen soll, Geld für den Ruhestand zurückzulegen. Dennoch wurde das am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Gesetz weder in den Medien groß beachtet noch von denjenigen wirklich zur Kenntnis genommen, die von der staatlichen Förderung am meisten profitieren: Klein- und Kleinstbetrieben. Also unter anderem kleine Handwerksbetriebe, Apotheken, Start-Ups, Werbeagenturen, Shops mit wenigen festen Verkäufern und so weiter – auch, vielleicht sogar besonders, Unternehmen mit einer einstelligen Anzahl an Mitarbeitern.
Das „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ soll Arbeitgebern einen deutlichen Anreiz geben, für ihre Mitarbeiter auch im Rentenalter vorzusorgen … aber wenn sie dazu finanziell gar nicht in der Lage sind? Genau dafür wurde das Gesetz formuliert. Grob gesagt: Der Staat verbessert die Rahmenbedingungen für eine betriebliche Altersvorsorge deutlich. Und wie funktioniert das konkret? Insbesondere sollen Arbeitnehmer profitieren, die – mit einem Brutto-Monatseinkommen von unter 2.200 Euro – im Sinne des Gesetzes zu den „Geringverdienern“ zählen. Und daher in besonderem Maße auf eine betriebliche Altersvorsorge angewiesen sind.

Und das soll ein Vorteil für die Arbeitgeber sein? So ist es, denn um Unternehmern einen zusätzlichen Anreiz zu geben, erhalten Sie vom Staat einen Zuschuss, wenn der betreffende Arbeitnehmer unter 2.200 Euro brutto verdient – auch weil er zum Beispiel in Teilzeit arbeitet. Werden arbeitgeberfinanzierte Beiträge in eine betriebliche Altersversorgung des Arbeitnehmers in Höhe von mindestens 240 Euro bis maximal 480 Euro jährlich eingezahlt, werden dem Arbeitgeber 30 Prozent des Beitrages – also 72 Euro bis maximal 144 Euro im Jahr – direkt mit der abzuführenden Lohnsteuer verrechnet. Der Arbeitgeber erhält damit eine staatliche Förderung von 30 Prozent der Arbeitgeberbeiträge.

Anika Schulz von der Öffentlichen Lebensversicherung Braunschweig
©Fotos: Thomas Gasparini, Sebastian Heise

„Eine betriebliche Altersversorgung ist besonders im Rahmen der heutigen Diskussionen ein besonders wichtiges Instrument der Motivation und Mitarbeiterbindung“, sagt Anika Schulze, Expertin für betriebliche Altersversorgung der Öffentlichen Lebensversicherung Braunschweig. Der regionale Versicherer arbeitet bereits mit zahlreichen Kleinbetrieben vor Ort zusammen, die ihre Mitarbeiter so mit geringem finanziellem Aufwand bei der Altersvorsorge unterstützen können. Nur, dass sie ab sofort auch noch zusätzlich Unterstützung vom Staat bekommen.

Bisher war es für den Arbeitgeber eine freiwillige Leistung, zu den Beiträgen des Arbeitnehmers einen Anteil mit in den Topf zu werfen. Ab 2019 ist ein Arbeitgeberanteil von 15 Prozent für Neuverträge, ab 2022 für alle bestehenden Verträge verpflichtend (eine Ausnahme können allerdings verbindliche Tarifverträge sein).

Anika Schulze von der Öffentlichen ergänzt: „Da 15 Prozent Zuschlag durch den Arbeitgeber in Zukunft ohnehin verpflichtend sein werden, raten wir dazu, den Anteil auf 25 oder sogar 50 Prozent zu setzen.“ Das bedeutet auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung und Bindung von neuen Fachkräften. „Auch für Arbeitnehmer, die über 2.200 Euro brutto verdienen, verbessern sich die Fördermöglichkeiten: Der Förderrahmen für steuerfreie Zahlungen wurde ebenfalls durch das Gesetz verdoppelt.“
Zusammengefasst: Wer als Arbeitgeber, und sei es auch in einem Kleinstunternehmen mit sehr wenigen Angestellten, seine Mitarbeiter nachhaltig unterstützen möchte, der bekommt durch das „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ neue Möglichkeiten: Der Staat beteiligt sich ab sofort an der Altersvorsorge. Sollte es schon eine geben, kann es sich ab sofort umso mehr lohnen, den Arbeitgeberanteil auf Grund der staatlichen Förderung zu erhöhen. „Eine große Anzahl an Partnern vor Ort hat mit uns gemeinsam eine Lösung gefunden, um eine sinnvolle Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter bieten zu können – trotz anfänglicher Skepsis, ob das überhaupt finanzierbar sei“, weiß Anika Schulze aus ihrem eigenen Berufsalltag, „wir von der Öffentlichen sind immer für ein Gespräch offen, um eine individuelle Lösung für jeden Betrieb finden zu können.“

Und möglicherweise ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt, seinen Chef mal auf eine betriebliche Altersvorsorge anzusprechen – denn eines an der Rente ist wirklich sicher: dass sie uns alle bereits jetzt zum Handeln auffordert.

© Sebastian Heise / Öffentliche Versicherung Braunschweig
©Fotos: Thomas Gasparini, Sebastian Heise

Neueste Beiträge
Meistgelesen

Noch keine Daten vorhanden.