(c) Kathleen Kalle

Kuratorin Jennifer Bork im Interview zu »Waffle Falling Over«

Die derzeitige Ausstellung „Waffle Falling Over“ im Kunstverein Wolfsburg widmet sich im Zusammenhang mit Kulturalisierung dem Erscheinen von Memen im Internet. Ein Meme ist ein Internet-Insiderwitz. Einem Thema wird auf diesem Wege von einem User neues Leben einverleibt, in einen neuen Kontext gesetzt und auf verschiedenen Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter verwendet. Noch bis zum 6. August können Interessierte die Ausstellung im Schloss Wolfsburg besuchen. Kuratorin Jennifer Bork, die die Kunstwerke von Matthias Fritsch, Lauren Kaelin, Johnny Koch, Eva und Franco Mattes, Anahita Razmi sowie Molly Soda zusammengestellt hat, spricht im Interview über das Spannende an Memen, Überraschungen bei der Kuration sowie die Themen „Kulturalisierung“ und „Digitalisierung“.

Frau Bork, das Jahresthema des Kunstvereines Wolfsburgs ist Kulturalisierung. Was hat die Digitalisierung mit der Kulturalisierung gemacht?
„Digitalisierung“ und „Kulturalisierung“ sind erst einmal zwei unterschiedliche Worte, die ich so nicht zusammenbringen kann. Bei den Internet-Memen sehe ich es so, dass der Kulturwert an sich einfach verändert wurde. Vorher war es so, dass jemand ein kulturelles Produkt erschafft, weil er etwas kann, was ein anderer nicht kann. Natürlich ist es übertrieben oder sehr zugespitzt gesagt. Beispielsweise ist es so, dass wenn ich einen Film publik machen möchte, ich unterschiedliche Stationen durchlaufen muss. Ich muss einem Insiderkreis angehören, der einen Zugriff auf eine gute Kamera hat, ich muss mich um Filmförderung bemühen. Ich kann das natürlich nicht einfach so machen. Heutzutage kann ich eine ganz akzeptable Kamera kaufen, mit der ich einen Film von einer ganz befriedigenden Qualität ins Internet stellen kann. Es geht nicht mehr darum, das Besondere zu zelebrieren, sondern das Banale irgendwie zum Ereignis zu machen.

(c) Kathleen Kalle

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Was ist das Spannende an den Memes?
Ich finde die geänderte Kulturtechnik daran sehr spannend, also, dass es einfach nur wirklich um Produktionen oder Remixes geht und dass es eben wie eine Art Melting-Pot funktioniert, was man auch in der Ausstellung sehr gut sehen kann. Dass verschiedene Insider-Gags zusammengebracht werden müssen, um zu verstehen, worum es da letztendlich geht, finde ich schon sehr spannend.

(c) Kathleen Kalle

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Sie haben die Ausstellung zusammengestellt. Haben Sie dabei irgendetwas Überraschendes entdeckt?
Interessant finde ich besonders, dass bei Molly Soda diese Grenze eben komplett wegfällt. Man merkt bei den Kommentaren, dass die Leute nicht einordnen können, welchen Zusammenhang es hat. Das fällt ihnen auch schwer, weil Definitionsgrenzen eben zunehmend abgebaut werden. Und das finde ich einerseits überraschend, vielleicht auch verblüffend, auch nicht mehr so gut, dass man das nicht mehr richtig einordnen kann und andererseits ist es auch eine Chance, um Denkprozesse bei Personen in Gang zu setzen, die sich normalerweise niemals eine solche Performance ansehen würden. Und weil es ihnen dieses Mal in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet, geht es dann plötzlich.

Der Kunstverein Wolfsburg beschäftigt sich 2017 mit dem Thema „Kulturalisierung“. Dies kann politische, kulturtheoretische, urbanistische und künstlerische Konnotationen umfassen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um alle Prozesse und Bestrebungen, die Nicht-Kultur in Kultur verwandeln. Die derzeitigen oder noch folgenden Ausstellungen unter diesem Jahresthema sind:

„Waffle falling over“
Internetmeme: Kulturalisierung des Gewöhnlichen
Noch bis zum 6. August

„Games Culture“
18. August bis 5. November
Eröffnung: 17. August

„Gruppe Schloßstraße 8“
24. November bis 4. Februar
Eröffnung: 23. November

Weitere Informationen finden sich unter www.kunstverein-wolfsburg.de.

Kathleen Kalle und Lisa Matschinsky (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Kathleen Kalle

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