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Lieber Recycling als Bio-Alternativen: Gibt es gutes Plastik?

Plastik ist schlecht für die Umwelt, und man sollte darauf verzichten. Doch wie sieht es mit Bio-Plastik aus, das im Handel immer öfter angeboten wird? Das muss doch besser sein, lässt das «Bio» vermuten. Umweltverbände beurteilen das aber ganz anders.

Gute Vorsätze fürs neue Jahr haben die meisten. Zur üblichen Liste – mehr Sport, weniger Süßigkeiten, weniger Rauchen – dürfte sich 2019 bei vielen noch ein Punkt dazugesellen: weniger Plastik nutzen. Dass Plastikmüll die Weltmeere verschmutzt und in Form von Mikroplastik immer häufiger auch auf unseren eigenen Speisetellern landet, ist mittlerweile bekannt. Aber wo kann man im Alltag auf Kunststoffe leicht verzichten? Und wo ist es vielleicht gar nicht nötig?

Ist Kunststoff per se schlecht?

Davon, Kunststoffe ganz generell zu verteufeln, rät Nora Sophie Griefahn vom Verein Cradle to Cradle ab. «Man kann nicht sagen, einer ist gut und der andere ist schlecht, sondern es kommt darauf an, wie sie genutzt werden», erläutert die Expertin für nachhaltige Ressourcennutzung. «Ein Kunststoff kann gut sein, wenn er für das Nutzungsszenario passt, biologisch abbaubar ist oder leicht im technischen Kreislauf bleibt, also weiterverwertet werden kann.»

Ist Bio-Kunststoff eine bessere Alternative?

Mittlerweile taucht in den Supermarktregalen häufiger der Begriff Bio-Kunststoff auf. Hier allerdings ist Vorsicht geboten, denn der Begriff ist nicht fest definiert. «Es gibt bio-basierte Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden», erklärt Griefahn. «Die müssen aber nicht gleichzeitig biologisch abbaubar sein. Genauso gibt es biologisch abbaubare Kunststoffe, die aber aus Erdöl hergestellt werden.» Nur wenige Kunststoffe seien sowohl aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt als auch biologisch abbaubar.

Tobias Quast vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sagt sogar: «Bio-Kunststoffe halten wir momentan noch eher für Greenwashing.» Also bewusste Verbrauchertäuschung. Denn auch wenn ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sei, habe das noch lange nichts mit biologischem Anbau zu tun. «Das ist meistens eher Genmais.» Auch die biologische Abbaubarkeit, geregelt in der DIN-Norm EN 13432, sei ein leeres Versprechen, sagt Quast. «Die Norm sagt nur, dass eine solche Verpackung sich in Großkompostanlagen innerhalb von zwölf Wochen zu 90 Prozent abbauen muss. In Deutschland liegt der Kompost aber nur fünf bis acht Wochen in solchen Anlagen.»

Danach würden die Plastikreste also zum Beispiel im Kompostdünger auf die Felder gebracht – wenn sie denn überhaupt so weit kämen. «In den Anlagen wird Plastik ohnehin schon vorher aussortiert, und dabei wird nicht unterschieden, ob es bio ist oder nicht», sagt Quast.

«Selbst wenn der ganze Prozess in der Anlage so abliefe wie beabsichtigt, würde sich der Kunststoff letztlich auflösen in CO2 und Wasser, das dann beides in die Natur übergeht», erklärt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe. Bei einer thermischen Verwertung, also der Verbrennung, wird der Kunststoff genauso aufgespaltet. «Aber bei der Verbrennung könnte man wenigstens noch die entstandene Wärme nutzen.»

Wie sieht es mit recyceltem Kunststoff aus?

Recycelter Kunststoff sei wirklich gut für die Umwelt, sagt Sommer. Hier können Verbraucher sich auch durch Siegel leiten lassen: Mit dem Blauen Engel werden Verpackungen ausgezeichnet, die einen Recycling-Anteil von mindestens 80 Prozent haben.

Sollte ich Plastikprodukte aus dem Haushalt entfernen?

Aus dem Haushalt kaum wegzudenken ist Kunststoff bei Getränkeflaschen und Frischhalte- sowie Vorratsdosen. Sollte man diese so schnell wie möglich entsorgen und durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen? «Aus Umweltsicht auf keinen Fall!», sagt BUND-Experte Quast. «Alles, was mit Energie- und Ressourcenaufwand hergestellt wurde, soll ja möglichst lange genutzt werden.»

Eine Einschränkung macht der Verpackungsexperte allerdings: «Einweg-Plastik würde ich grundsätzlich gar nicht nutzen, aber wenn doch, dann wirklich nur einmal», sagt Quast. «Bei diesen Materialien ist die Gefahr höher, dass sich Stoffe unter Lichteinstrahlung oder in Verbindung mit Säure, wie sie zum Beispiel in Obstsaft enthalten ist, herauslösen und im Getränk landen.» Wer also der Umwelt etwas Gutes tun möchte, indem er eine Einweg-Pfandflasche oder den Kunststoff-Container vom Lieferdienst mehrfach verwendet, schadet also unter Umständen seiner Gesundheit.

Was ist besser – Glas- oder Plastikflaschen?

«Die Menschen unterscheiden oft nach Plastik oder Glas, aber der entscheidende Unterschied ist Einweg oder Mehrweg», erklärt Quast. Deshalb rät er von Getränkekartons ab: Diese sind oft aus mehreren Schichten aufgebaut, die nur schwer wieder voneinander zu trennen und entsprechend schwer zu recyceln seien. Der in Mehrwegflaschen verarbeitete, recyclingfähige PET-Kunststoff dagegen sei gut erprobt und auf längerfristige Nutzung angelegt. «Beim rein ökologischen Effekt ist PET gegenüber Glas sogar leicht im Vorteil, weil der Energieaufwand in der Herstellung und beim Transport geringer ist.»

Allerdings sei Glas im Gegenzug noch langlebiger: Während eine PET-Flasche nach 10 bis 25 Umläufen recycelt werden muss, könne eine Glasflasche bis zu 50 Umläufe mitmachen. So lässt sich das Thema Getränke auf wenige Faustregeln zusammenfassen: lieber Flasche als Getränkekarton, lieber Mehrweg als Einweg, lieber Glas als Kunststoff – und Wasser lieber aus dem Hahn als aus der Flasche.

Wo kann ich sinnvoll Plastik sparen?

«Unnütze Umverpackungen sollte man umgehen», rät Sommer. Wurst und Käse solle man lieber von der Frischetheke als aus dem Kühlregal kaufen. Einige Supermärkte bieten mittlerweile auch an, den Kunden die Ware direkt im selbst mitgebrachten Behälter zu übergeben statt in Papier und Folie gewickelt. Obst und Gemüse solle man am besten lose kaufen. So könne man auch die Portionsgröße selbst bestimmen.

Und falls im Regal einmal doch nur Ware mit unnötigen Verpackungen liegen sollte: «Am besten direkt dort lassen und den Supermarkt mit dem Plastikmüll konfrontieren», rät Sommer. So etwas werde von den Händlern durchaus wahrgenommen. «Viele haben Eigenmarken im Programm und setzen das dann dort um, oder sie machen es beim Einkauf gegenüber den Herstellern deutlich.»

© dpa

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