(c) Sebastian Voltmer

Mit Liebe zum Firmament

Seit er zwölf Jahre alt war, liegt ihm die Astrofotografie am Herzen. Auf der Suche nach spektakulären Motiven bereist Sebastian Voltmer die ganze Welt. Beim Vortrag im Planetarium Wolfsburg, der auch für Kinder geeignet sind, spricht er über das Thema „Bewegungen am Himmel“. Mit Bildern und Filmaufnahmen zeigt der Fotograf unter anderem Überholmanöver von Mars und Erde, Sternschnuppenregen sowie Mond- und Sonnenfinsternisse. Im Interview spricht Voltmer über die Faszination, die der Weltraum bis heute auf ihn ausübt.

Herr Voltmer, wann begann Ihre Begeisterung für die Astrofotografie beziehungsweise das Thema „Weltraum“?
Da war ich zwölf Jahre alt, als ich von einem bevorstehenden Kometeneinschlag auf dem Planeten Jupiter erfuhr. Es war der Komet Shoemaker-Levy 9, der in viele Bruchstücke zerrissen wurde, und als Einzelfragmente im Juli 1994 nacheinander auf Jupiter einschlug. Das Ereignis konnte ich quasi live – das Licht brauchte 42 Minuten von Jupiter zu mir – mit einem Einsteiger-Teleskop beobachten. Seither bin ich vom Weltraum fasziniert. Kurz darauf begann ich Schritt für Schritt, das Gesehene und auch Unsichtbare fotografisch zu dokumentieren.

Was sind Schwierigkeiten und Herausforderungen bei dieser Art von Fotografie?
Bei manchen Motiven handelt es sich um flüchtige Phänomene, die nur schwer einzufangen sind, wie schwache Meteore. Die technischen Einstellungen müssen passen, zudem sind gute Sichtverhältnisse wichtig. Das Wetter macht einem oft einen Strich durch die Rechnung. Außerdem ist der Himmel durch Lichtverschmutzung vielerorts zu hell. Deshalb reise ich in entlegene Regionen, wo sich der Nachthimmel noch von seiner ursprünglichen Seite zeigt. Durch die Astrofotografie kann ich Objekte, die man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann, sichtbar machen. Das macht für mich den Reiz aus.

Welche Eigenschaften muss man als Astrofotograf mitbringen?
Geduld, Freude am Tüfteln, eine hohe Frustrationsschwelle und die Bereitschaft zum stundenlangen Ausharren in eisigen Nächten oder auch in der prallen Sonne, wenn mit einem Sonnenteleskop die Veränderungen unseres nächsten Sterns dokumentiert werden.

(c) Sebastian Voltmer

(c) Sebastian Voltmer

Wie unterscheidet sich der Himmel auf den unterschiedlichen Kontinenten und wohin sind Sie bereits gereist?
Um darauf aufmerksam zu machen, dass wir alle eine einzige Menschheit sind und unter demselben Himmelszelt leben, spricht unsere Community oft davon, dass wir weltweit von denselben Gestirnen umgeben sind. Das suggeriert, dass der Himmel überall gleich aussieht. Doch dem ist nicht so:

Auf der Südhalbkugel sehen wir Sternbilder, die in Deutschland nie über unseren Köpfen stehen, wie zum Beispiel das Kreuz des Südens. Uns vertraute Sternbilder sind dort auf den ersten Blick kaum zu erkennen, weil sie auf den Kopf gewendet sind – das fällt besonders krass am Sternbild Orion auf. Über Südafrika, Südamerika oder Australien durchquert das Milchstraßenzentrum in den Sommermonaten die Himmelsmitte, den Zenit, was ein atemberaubender Anblick ist! Ich sah in den dunklen Nächten schon mehrmals meinen eigenen Schatten auf dem Boden – hervorgerufen durch das schwache Leuchten des Milchstraßenzentrums. In den mittleren Breiten Nordamerikas und Asiens ist der Himmel hingegen ähnlich wie bei uns über Deutschland – jedoch immer abhängig von der jeweiligen Lichtverschmutzung. Eigentlich müsste es ja „Dunkelheitsverschmutzung“ heißen. (lacht)

Ich bereiste so ziemlich alle Kontinente – außer der Antarktis. Doch meine favorisierten Beobachtungsorte sind nach wie vor Namibia und das Outback Australiens. Aber auch nördliche Gefilde, wie Kirkenes in Nord-Norwegen, gehören wegen der prächtigen Polarlicht-Sichtungen einfach dazu!

Was waren die härtesten Bedingungen, unter denen Sie fotografiert haben?
Vor Jahren bestieg ich einmal den Jbel Toubkal in Marokko; das ist der höchste Berg des Hohen Atlas im Nordwesten Afrikas mit einer Höhe von 4.167 Metern. Die zweitägige Treckingtour betrug hin und zurück 44 Kilometer Fußmarsch samt Fotoequipment. Ein wahres Abenteuer! Und doch würde ich die Tour nicht als hart beschreiben. Unheimlich sind zuweilen Begegnungen mit Tieren oder Menschen, die ich in der Dunkelheit nicht sofort orten oder erkennen kann. Man muss nicht weit in die Ferne schweifen, um das Fürchten zu lernen. Manchmal war mir einfach nur bang, dass ich beim Aufsuchen einer Waldlichtung vom Förster für ein Wildschwein gehalten werden könnte. „Hart“ wird es hingegen, wenn man die Verantwortung für jemanden trägt, der mit anwesend ist und Probleme mit der Höhe oder der Kälte hat. Beim Fotografieren ist es oft erforderlich, stundenlang an einem aufgesuchten Ort auszuharren.

(c) Sebastian Voltmer

(c) Sebastian Voltmer

Welches Himmelsspektakel würden Sie gerne noch im Laufe Ihres Lebens auf Film oder Foto festhalten?
Wenn ein hellerer bekannter Riesenstern explodiert und als Supernova spektakulär seine Gashüllen ins Weltall schleudert! Dann ist es allerdings schade um den Stern, den ich bisher immer gern angeschaut habe. Doch er wird bereits explodiert sein, lange bevor ich den Wunsch dazu hätte haben können, so etwas zu beobachten. Denn das Licht braucht lange, bis wir solch ein kosmisches Ereignis dann irgendwann sehen könnten.

Können Sie sich vorstellen, dass die Menschheit in Zukunft auf einen anderen Planeten umsiedelt?
Wenn die Menschheit so weitermacht, muss irgendwann der rote Wüstenplanet Mars herhalten. Einen anderen Alternativ-Planeten kenne ich nicht. Ich denke, dass es irgendwann so weit sein wird – vielleicht schneller, als uns allen lieb ist. Aber aufgepasst: Bis der Rote Planet durch „Terraforming“ lebensfreundlich geworden sein wird, können noch Jahrtausende ins Land gehen – wobei ich bezweifle, dass dies gelingt.

Der Vortrag im Planetarium Wolfsburg ist für Kinder ab zwölf Jahren geeignet, wie wissenschaftlich wird es?
Mir geht es vor allem um die Liebe zum Firmament – bei aller Wissenschaftlichkeit. Ich zeige, was wir von der Erde aus alles beobachten können. Das hat eher Erlebnisqualität als Wissenschaftlichkeit. Ich denke, dass der Vortrag für jede Altersgruppe geeignet ist. Doch nicht nur das! Der Vortrag enthält Filmeinspielungen, die auch für Gehörlose und Hörgeschädigte über eine Gebärdensprachverdolmetschung verständlich sind.
Noch eine Bemerkung am Rande: Leider verhindern oft künstliche Lichtquellen, dass die Milchstraße noch aus Wohngebieten zu sehen ist. Ich will unser Kultur- und Naturerbe, den Sternenhimmel, zurückholen und wieder in die Städte bringen. Das Optimum ist, wenn die Beleuchtung – gerade im Boom der LEDs – so gezielt eingesetzt wird, dass die Himmelskörper besser aus der Stadt heraus erkennbar werden. Das würde vor allem den Energiehaushalt reduzieren und die Umwelt deutlich entlasten.

(c) Sebastian Voltmer

(c) Sebastian Voltmer

Was sind die Themen beim Vortrag?
Das Schwerpunktthema ist „Bewegungen am Himmel“. Dazu gehören Auf- und Untergänge der Himmelskörper, Überholmanöver von Mars und Erde, Sternschnuppenregen sowie Mond- und Sonnenfinsternisse, die ich rund um den Erdball dokumentieren konnte. Und noch ein paar Überraschungen …

Gibt es im Dezember Himmelskörper oder Ereignisse, auf die man achten sollte und die gut zu beobachten sind?
Unsere Planeten sind momentan kaum oder eher schwierig zu beobachten, da sie sich in Horizontnähe befinden. Aber es gibt einen Sternschnuppenstrom, der aus dem Sternbild der Zwillinge oder Gemini zu kommen scheint. Es sind die Geminiden, deren Höhepunkt für den 14. Dezember vorausgesagt ist. Rund 120 Meteore können dann pro Stunde gezählt werden. Hinschauen lohnt sich – verratet aber eure Wünsche nicht. (lacht)

Vielen Dank für das Interview!

Der Vortrag findet am Mittwoch, den 13. Dezember um 19 Uhr im Planetarium Wolfsburg statt. Weitere Informationen finden sich unter www.planetarium-wolfsburg.de.

Katharina Holzberger (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Sebastian Voltmer

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