Patrick Schmitz, Poetry Slam. (c) Andreas Reiffer

Moderator Patrick Schmitz: »Ein Slam ist eine Wundertüte«, Teil I

„Poesie trifft Bits und Bytes“ – unter diesem Motto veranstalten das Hallenbad, Volkswagen, die Stadt Wolfsburg und die Volkswagen Group IT Services GmbH gemeinsam mit Pop(p)in´ Poetry zum zweiten Mal den beliebten Digital Slam im Hallenbad. Science Slammer, IT-Profis und Digital-Nerds werden ab 20 Uhr im Kulturzentrum am Schachtweg eigene Texte zu Themen aus der Welt der Digitalisierung vortragen – „fachlich, kritisch aber auch lustig“, wie uns Patrick Schmitz, der zusammen mit Dominik Bartels erneut durch den Abend führen wird, im Gespräch sagte. Im ersten Teil des zweiteiligen Interviews spricht der 46-jährige Braunschweiger Slammaster außerdem über das Teilnehmerfeld des Digital Slams, Julia Engelmann und das Texten für Punkte. Der zweite Teil bespricht die Entwicklung zum Mainstream im Poetry Slam sowie die Bedeutung des Applausometer und wird am 20. November 2018 veröffentlicht.

Der Digital Slam findet am Donnerstag, 15. November 2018 um 20 Uhr im Hallenbad – Kultur am Schachtweg, Schachtweg 31 Wolfsburg statt. Weitere Informationen und Tickets zum Digital Slam finden sich unter Telefon (0 53 61) 2 72 81 00 sowie online unter www.hallenbad.de.

Weitere Informationen und Poetry Slam Veranstaltungen wie das „Best of Poetry Slam“ mit Paul Weigl, am Samstag, 17. November 2018 ab 20 Uhr im Roten Saal Braunschweig, das „Stand-up-Comedy“-Special am Freitag, 23. November ab 20 Uhr im LOT-Theater Braunschweig sowie der Poetry Slam mit offener Liste am Donnerstag, 29. November 2018 ab 20 Uhr in der Barnabys Blues Bar Braunschweig, finden sich online unter www.poetry-slam-braunschweig.de.

 

Hallo Patrick. Letztes Jahr wurde der Digital Slam im Hallenbad ins Leben gerufen. Wie kam die Idee dazu auf?

Die Idee stammt vom Volkswagen Konzern. Es versuchen ja gerade alle großen Konzerne die Themen der Digitalisierung und Industrie 4.0 in die breite gesellschaftliche Diskussion zu tragen. Ich arbeite selbst als technischer Redakteur in dem Bereich. Die Geschwindigkeiten, mit denen die Entwicklungen voranschreiten sind wirklich rasant. Ich glaube, einer ihrer Studenten hat die Idee zum Slam gehabt und wird fanden die sehr schön.

Für wen ist die Veranstaltung?

Alle die sich für Digitalisierung und die IT-Welt interessieren. Wenn mir das Thema total fremd ist, sollte ich da wegbleiben, denn dann verstehe ich nur Bahnhof. (lacht) Es ist schon eine unterhaltsame Slam-Veranstaltung, aber die einzelnen Slammer stecken ganz tief in ihren speziellen Themen drin und daher gibt es definitiv ein wissenschaftliches Niveau. Es wird fachlich, kritisch aber auch lustig.

Wie unterscheidet sich das Konzept von anderen wie etwa dem Science Slam?

Im Vergleich zu normalen Poetry Slams ist die Redezeit der einzelnen Beiträge mit bis zu zehn Minuten fast doppelt so lang und es sind Hilfsmittel wie Präsentationen erlaubt. Zum Science Slam ist es fast gleich, außer, dass es eben diese Themenvorgabe gibt.

Welche Themen der Digitalisierung werden vertreten sein?

Ich habe keine Ahnung, das ist eine Eigenschaft vom Poetry Slam. Von den acht Teilnehmern kommen vier von Volkswagen und vier haben wir regional und überregional gesucht. So ist eine Mischung aus Poetry Slammern entstanden, die tatsächlich im Bereich der Digitalisierung arbeiten und von innen heraus einen lustig Blick auf das Ganze werfen. Etwa einen Vertreter des innovativen Braunschweiger Start-ups Creative Spielraum, die in dem Bereich viel bewegen wollen. Außerdem werden auch ein Kommunikationswissenschaftler und ein Psychologe die Sache von einem eigenen Standpunkt aus betrachten. Mit Paul Weigl haben wir zudem einen deutschen Poetry Slam Vizemeister dabei, der ein kompletter Windows-Nerd und Gamer ist.

War es schwierig, Slammer für das Thema zu begeistern?

Ja, tatsächlich ist es ganz merkwürdig. Nur wenige Science Slammer haben Lust darauf oder es gibt einfach nur zu wenige Slammer aus dem Bereich Digitalisierung. Es war schon nicht einfach, Menschen aus dem Bereich zu finden, die auch noch auf der Bühne sprechen möchten.

Welche Trophäe gibt es denn?

Letztes Jahr gab es eine schöne Flasche Kraken Rum, aber da kommt es darauf an, was die Regale gerade hergeben. Beim Poetry Slam gibt es traditionell eine Flasche Schnaps, das ist ein bisschen lustig gemeint.

Der letztjährige Gewinner Karsten Daniel ist auch dieses Jahr dabei. Worauf können wir uns da freuen?

Karsten ist ITler bei VW aber auch Poetry Slammer. Er macht lustige Geschichten, die von typischen Problemen von Informatikern, wenn sie in einer Firma arbeiten, berichten. Er hat ein bisschen was vom Heinz-Erhardt-Charme, ist aber super originell und hat seinen speziellen Humor.

Durfte er automatisch wieder mitmachen?

Nein, wenn alle Gewinner automatisch beim nächsten Slam mitmachen würden, wäre das langweilig. Außerdem will niemand immer fix bei einem Slam gesetzt sein, allein schon, weil sie dann viel zu viele Texte parat haben müssten. Die meisten Slammer haben etwa fünf bis zehn aktuelle fertig, die sie zu unterschiedlichen Veranstaltungen präsentieren.

Haben bei so einer Unterhaltungsveranstaltung auch ernste Themen Platz?

Das ist ein schwieriges Thema, das für viele sehr wichtig ist. Erst mal, ja, ernste Themen haben Platz und durchaus auch Chancen, viele Punkte zu kriegen. Finde ich an sich gut, früher gab es auch mehr ernste Themen. Aber früher war der Slam noch nicht so bekannt, es war den Leuten nicht so wichtig zu gewinnen und gut punkte kriegen. Heutzutage ist das vielen wichtig, weil man jetzt darauf auch eine Karriere aufbauen kann. Früher, ich meine so vor 15 Jahren, gab es vielleicht eine Handvoll Leute, die davon leben konnten. Heute, möchte ich behaupten, sind das mehrere hundert. Es war damals eher noch eine Sache der Ehre, wenn man für das Goetheinstitut getourt ist oder Ähnliches. Heute gib es partiell schon enorme Gagen. Wir haben schon Slams veranstaltet, wo der einzelne Slammer 350 Euro für seinen Auftritt bekommen hat. Wenn ich zum Beispiel besondere Anforderungen an den Text habe wie ein spezielles Thema, ist die Erstellung eine journalistische Arbeit, die ich gerne bezahle.

Gibt es denn viele, die hauptsächlich für die Punkte schreiben?

Bei den meisten in der Szene ist das nicht so, aber es gibt inzwischen schon einige, die mit dem Gedanken reinkommen und versuchen Texte zu schreiben, die Erfolg haben. Böse Zungen behaupten, dann schreibt man einfach einen Text über die AfD und Flüchtlinge, aber so einfach ist das nicht.

War Julia Engelmann in dem Zusammenhang eher Fluch oder Segen für Poetry?

(überlegt) Im Großen und Ganzen sehen wir es positiv. Langfristig gesehen ist es ein Segen. Julia selbst kann da aus meiner Sicht auch gar nicht viel für. Aber was wir dadurch erreicht haben, ist eine größere Öffentlichkeit. Viele der Zuschauer, die darauf neu dazukamen, haben gerade bei den Lyrikern hinterher oft zu mir gesagt: Was war das denn, ich habe gar nix verstanden. Hat der etwas? Und wenn dieselben dann nach zwei, drei Jahren wiederkamen und die Lyriker abfeierten, heißt das: Leute fangen wieder an, sich für Sprache zu interessieren. Sich dem Mainstream zu öffnen ist nicht per se etwas Schlimmes. Die Kommerzialisierung ist ein bisschen schlimm, aber bedeutet auch, dass alle bezahlt werden. Schlimm ist in meinen Augen nur, wenn Poetry Slam Thema in der Schule zum Kernkurrikulum wird, aber die wenigsten Lehrer wirklich Experten befragen, weil sie denken, sie könnten das einfach selber. Da wird dann viel Falsches weitergegeben.

 

Poetry Slam Dominik Bartels (c) Andreas Reiffer

 

Evelyn Waldt (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Andreas Reiffer

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