„Natürlich ist das Glück wackelig“

PTT Jury Kommödie 2015Autor und Glückssucher Peter Schanz im Gespräch mit der Öffentlichen Versicherung Braunschweig

Peter Schanz ist nicht nur als Autor von typisch braunschweigischen Bühnenabenden wie „Ölper Zwölf Points“, „Unser Eintracht“ oder dem Wintertheater rund um die Weihnachtsgeschichte stadtbekannt, sondern auch als Reiseliebhaber und gemeinsam Musizierender mit der heimlichen Braunschweiger Stadtkapelle, der Jazzkantine. Und da der ehemalige Künstlerische Direktor des Braunschweiger Staatstheaters auch den 1. Braunschweiger Glückssucher-Kongress mitveranstaltet hat, erwies er sich als idealer Partner, um mit ihm über das Thema „Glück“ ins Gespräch zu kommen – das die Öffentliche Versicherung Braunschweig in diesem Jahr mit einer umfangreichen Marketing-Kampagne überall in ihr Geschäftsgebiet getragen hat. So entstand ein fruchtbarer Disput zwischen Versicherung und Künstler – über Sicherheit, Lebensglück und die wohlige Wärme irgendwo dazwischen …

 

Herr Schanz, Sie haben 2010 den 1. Braunschweiger Glückssucher-Kongress mitveranstaltet. Wie sind Sie auf dieses Thema gestoßen?
Das ist schwer zu sagen. Ich finde das Thema eigentlich gar nicht besonders originell, es liegt ja in der Luft. Das Bedürfnis der Menschen, das Glück zu finden, ist inzwischen ein riesiger Markt geworden. Wir haben für unseren Glückssucher-Kongress Dinge aus unserer Alltagsbeobachtung vorgefunden und uns gedacht, das wäre ein Thema, das die Menschen interessiert. Also lass es uns beackern. Oder besser bewirtschaften …

Inwiefern hat der Kongress damals zu einem konkreten Ergebnis geführt?

Natürlich gar nicht. Das hatten wir aber auch nie angestrebt. Wir haben es ja auch nicht Glücksfinder-Kongress genannt, sondern Glückssucher-Kongress (lacht). Wir sind der Meinung, dass es die Chance, vorübergehend einen Zipfel vom Glück zu erhaschen, vergrößert, wenn man sich auf die Suche konzentriert. Wenn man nicht verbittert etwas finden will, sondern nach der guten alten Einsicht, dass der Weg das Ziel sei, die Suche mit Freude und Fröhlichkeit betreibt.

Für diejenigen, die damals bei dem Kongress in Braunschweig nicht dabei gewesen sind: Wie haben Sie diese Freude an der Glückssuche mit Ihren Teilnehmern gestaltet?

Die Veranstaltungsreihe „Glückssucher-Kongress“ zu nennen, war schon nicht ohne Ironie im Titel: Wir haben die Suche nach dem Glück im Grunde analytisch strukturiert und sieben verschiedene Programme geschaffen. Die haben wir mit Titeln versehen wie „Vom Glück des Anfangs und der Unschuld“, „Vom Glück der Liebe und der Lust“, „Vom Glück des Weges und des Wegseins“ und so weiter. Zu diesen Überschriften haben wir sieben verschiedene Abende konstruiert, die sehr viel mit Musik und ein bisschen mit Musikselbstmachen als Beitrag kollektiver Glückssuche zu tun hatten. Die Jazzkantine war dabei der rote Faden, und dazu haben wir uns Gäste aus Braunschweig eingeladen, einige Musikerkollegen, aber auch solche wie den Frauenchor Waggum oder den Posaunenchor Riddagshausen, ein türkisches Salonorchester oder die Blockflötenkinder der Pauli-Kirche. Dann haben wir gemeinsam – auch musikalische – Glücksliteratur gespielt und sie kombiniert mit Vortragsanteilen und Texten zum Thema, mit Fragestellungen, aber immer wieder mit überraschendem gemeinsamen Musizieren. Durch diese Art des Zusammenseins haben wir die Glückssuche gemeinsam beschritten. Am Ende stand kein Ergebnis auf einem Flipchart oder so (lacht), sondern, und so hat es uns das Publikum auch zurückgespiegelt, die Veranstaltung war vom kleinen, gemeinsam empfundenen Glück der Suche getragen.

Die Braunschweiger WeihnachtsgeschichteDas heißt, niemand kann so richtig sagen, was Glück denn eigentlich überhaupt ist?

Ja, da kann ich Ihnen nur zustimmen. Es gehört zum Wesen des Glückes, dass es etwas Vorübergehendes ist. Dass Glück nichts zum Festhalten ist. Dass man es aber immer erhaschen, suchen, finden will. Für jeden Menschen ändert sich im Laufe des Lebens, ja selbst im Laufe des Tages, was er gerade für sein Glück hält oder als sein Glück empfindet. Daher kann auch jeder Versuch einer Definition immer nur vorübergehend oder punktuell eine Richtigkeit haben für denjenigen, der gerade in diesem Moment so empfindet. Im nächsten Moment gilt diese Definition schon wieder nicht mehr.

Gerade uns Norddeutschen wird immer unterstellt, dass wir selbst Glück als Leid empfinden, weil es endlich ist und später sowieso zu Leid werden wird. Inwiefern haben wir da Nachholbedarf, das vielleicht flüchtige Glück wirklich zu genießen, wenn wir es denn mal gefunden haben?

Das glaube ich nicht, ich halte das für ein landsmannschaftliches Vorurteil (lacht). Nun muss ich dazu sagen, ich bin ja ein reingeschmeckter Norddeutscher – ich lebe inzwischen zwar noch viel nördlicher als Braunschweig, aber ich bin eigentlich ein Oberfranke. Ich beobachte aber die Norddeutschen, außerdem bin ich mit einer Kielerin verheiratet. Und ich glaube, dass das, was wir zum Beispiel an Rheinischer Fröhlichkeit beobachten, die uns manchmal eine größere Lebensleichtigkeit vorgaukelt, erst einmal nichts mit dem Glück zu tun hat. Die Glückssuche beweist sich nicht durch Äußerlichkeit oder schnelle Fröhlichkeit.

Apropos Karneval, der in Braunschweig natürlich auch eine sehr wichtige Rolle spielt: Sie haben ja selbst schon darauf hingewiesen, dass es mittlerweile einen sehr großen Markt für Glückssucher gibt. Für wie berechtigt halten Sie diesen neuen Fröhlichkeits- und Ratgebermarkt?

Ich könnte jetzt natürlich sagen: Mir geht das wahlweise auf die Nerven, auf den Sack oder auf den Senkel. Oder auch am Arsch vorbei. Dass es aber so viel davon gibt, ist eine interessante Beobachtung und niemand wundert sich darüber, dass Dinge einen Markt eröffnen, nach denen eine akute Nachfrage besteht. Glück als scheinbar käufliches Produkt scheint also ein großes Thema zu sein. Es ist wirklich unglaublich, wie sehr die Ratgeberliteratur dazu blüht. Wenn Sie „Glück“ als Suchbegriff in der Bücherrubrik von Amazon eingeben, bekommen Sie fast 35.000 Treffer. Wenn das nicht so wäre, würden Sie von der Öffentlichen das Thema auch nicht für eine Kampagne nutzen. Wobei Sie ja doch so fair sind, das Glück nicht als „versicherbar“ hinzustellen (lacht).

Wir möchten in erster Linie, auch mit unseren Jenga-Steinen, darauf hinweisen, dass man mit dem Glück, dem, was man im Leben aufgebaut hat, nicht spielen sollte …

Das höre ich als Theater-Mensch natürlich nicht so gern, dass das Spiel an sich so schlecht wegkommt (lacht). Ich verstehe natürlich, was Sie meinen. Aber nochmal zum Markt: Das Streben nach Glück ist in gewisser Weise eben auch eine Zeiterscheinung und fast eine Art Luxus geworden: Der Mensch fängt erst dann an, sich Gedanken um sein Glück zu machen, wenn er nichts Besseres zu tun hat. Das heißt, wenn er ein Dach über dem Kopf hat, was zu essen, wenn er in Glaubensfragen keine klaren Vorschriften mehr hat. Das macht den beliebten Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ einerseits so richtig für uns Abendländler, weil jeder doch eine gewisse Selbstverantwortung für sein Leben hat, und macht den Spruch gleichzeitig zynisch, zum Beispiel den Menschen gegenüber, die jetzt als Flüchtlinge nach Europa kommen.

GLUECK

Sind die Menschen im Abendland denn weniger glücklich mit dem, was sie alles haben, oder kommt es ihnen lediglich so vor?

Schwer zu sagen – aus welcher Perspektive will man das sehen? Wir Menschen hier haben offensichtlich andere Bedürfnisse, andere Notwendigkeiten. Ich glaube wirklich, dass es auch mit einer gewissen Saturiertheit zu tun hat, was die Grundlebensbedürfnisse Essen, Wohnen und Sicherheit betrifft. Als der Fundamentalismus der Kirchen noch wirksamer war in unser aller Lebenswirklichkeit, war das wohl weniger ein Problem. Jetzt ist das Glückssuchen sicher auch eine Folge von fehlenden deutlichen Orientierungen, oder auch eine Folge von größerer Freiheit: Wir müssen irgendwie durch, aber es fehlt uns etwas. Manchmal etwas Sinn, manchmal etwas Bestätigung, Sicherheit im Transzendenten. Und dann suchen wir eben überall ein wenig Glück.

Bekannt geworden sind Sie auch als Reisender, als Besucher unterschiedlicher kultureller Landschaften. Haben Sie auf diesen Reisen andere Formen von Glück kennengelernt oder ist der Kern des Glücks doch für alle Menschen sehr ähnlich?

Dieses Thema ist mehrschichtig: Zum einen gibt es ja durchaus ein Glück des Reisens oder des Unterwegsseins: sich der Fremde aussetzen, über die Horizonte schauen, neue Welten kennenlernen, an der Begegnung mit der Fremde Freude empfinden. Aber Sie haben ja nach dem Glück anderer Menschen in anderen Kulturkreisen gefragt. Und da wird es wahrscheinlich wieder auf so eine Sowohl-als-auch-Antwort hinauslaufen (lacht). Es gibt bestimmt Dinge, die eine so genannte anthropologische Konstante sind, die bei allen Menschen gleich funktionieren: dass sie es als Glück empfinden, wenn sie gesund sind und es der Familie gut geht, wenn sie glücklich verliebt sind, wenn sie keine Schulden haben, wenn das Dasein also leicht zu bewältigen ist. Dann gibt es aber, denke ich, schon Unterschiede in dem, was die Menschen im Kleinen im Alltag froh macht und was sie verwirrt und was sie verunsichert. In Südostasien gibt es beispielsweise sicher eine größere Entspanntheit im Alltag, ein Die-Dinge-einfach-kommen-lassen. Es gibt aber auch viele Gegenden auf der Welt, und das erleben wir momentan mit all dem Flüchtlingsunglück, in denen es weniger um trendige Glückssuche geht, sondern um ganz banales Überleben. Dort, wo es diese Bedrohung, wo es Krieg, Verfolgung und Hunger gibt, gibt es ganz andere Kategorien für das Glück. Das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, wenn wir hier beim Chinesen einen Glückskeks aufmachen oder uns das siebte Hirschhausen-Buch kaufen.

Haben Sie auf Reisen oder auch im Rahmen Ihrer Arbeit einen Menschen getroffen, bei dem Sie pures Glück erfahren haben?  

Das kann einem fast überall begegnen, dass ein Mensch gerade vor Glück strahlt. Dass man das Gefühl hat, da ist jemand völlig eins mit sich und der Welt in diesem Moment. Wenn man da an Reisen denkt, ist man ja schnell bei erleuchteten Buddhisten oder bei Gurus, aber soweit muss man gar nicht gehen. Ich glaube, das hat jeder sogar schon mal selbst erlebt, dass plötzlich alles stimmt. Manchmal durch ganz kleine Dinge ausgelöst, durch eine Erinnerung, durch einen Geruch, durch ein besonderes Licht. Und dann ist alles gut und alles leuchtet. Unzureichende Wörter, aber diese Momente gibt es.

Was können wir tun, um anderen oder sogar uns selbst zu diesem absoluten Glück zu verhelfen?

Ich würde sagen, das sind diese ganz alten, bewährten Sachen. Ich kann das „Glück“ nennen oder auch „Gutes tun“, ich halte sie nach wie vor für richtig. Ob ich sie nun in der christlichen Bergpredigt sehe oder in den Zehn Geboten oder im Kant’schen kategorischen Imperativ, der besagt, dass ich mich anderen gegenüber so verhalten soll, wie ich es mir für mich selbst wünschen würde: Man sollte versuchen, ein gutes Leben zu führen, und das ist immer hilfreich. Man muss sich also gar keine besonderen Rezepte vornehmen, die ganz banalen Sachen wie nicht lügen, nicht stehlen, nicht übel nachreden, helfen dort, wo Not ist, etwas spenden. Ganz einfache Sachen eben. Kann jeder, immer.

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Die Arbeit gehört zu unserem täglichen Leben dazu und sollte für unser Glück eine entsprechende Rolle spielen. Andererseits ist es so, dass immer mehr psychische Krankheiten aus der Arbeitswelt resultieren. Welche Rolle würden Sie der Arbeitswelt für unser Glück zusprechen?

Ich persönlich habe das Glück, wenn ich das mal so sagen darf, einen Beruf zu haben, der ein Hobby überflüssig macht: Wenn es gut läuft, empfinde ich das als große Gnade, weil ich meine Themen selbst wählen und mich dadurch mit den Dingen beschäftigen kann, die ich für wesentlich halte. Gleichzeitig bekomme ich viel Feedback und auch Bestätigung für meine Arbeit. Manchmal bin ich aber auch sehr allein, das ist die Kehrseite des Freiberuflers. Generell ist die entfremdete Arbeit aber schon ein Problem der aktuellen Arbeitswelt. Für den Großteil der Menschen existiert eine Trennung zwischen „Ich gehe jetzt arbeiten“ und „Ich gehe jetzt leben“. Wenn ich zum Beispiel Radio höre, fällt mir auf, dass die Moderatoren in Verbrüderung mit ihren Hörern immer schon dienstags anfangen, vom nächsten Wochenende zu reden. Und am Montag noch vom vergangenen. Das finde ich zwar erklärlich, aber auch ein bisschen schade. Es steht allerdings sicher dafür, dass der Großteil der Arbeitswelt von der Glückssuche abgespalten ist: Die Arbeitswelt liefert mir die Kohle dafür, die ich nach Feierabend dann in die Glückssuche investieren kann. So kommt mir das zumindest vor.

Dann möchte ich nun auf unsere Kampagne zurückkommen, die Sie vorhin bereits angesprochen haben: Wir haben das Wort „Glück“ aus Jenga-Steinen zusammengesetzt, es steht also auf „wackeligen Beinen“ …

Ich fand das ja ziemlich irre, dass das Bildchen, in dem Sie das Wort „Sicher“ aus vielen kleinen Einzelteilen bauen, im Grunde genauso wackelig ist wie Ihr Glücksturm. Das hat mir gefallen.

Wie wackelig ist denn unser Lebensglück, das wir aufbauen und absichern möchten?

Natürlich ist das Glück wackelig. Aber ich würde behaupten, dass die Sicherheit genauso wackelig ist. Sie ist eine Chimäre, die aber das Geschäft einer Versicherung darstellt: Im Grunde ist das Versicherungsgeschäft, wenn ich das mal so sagen darf, auch nichts Anderes als der Glücksratgebermarkt, also versuchen Sie auch ein bisschen Glück zu verkaufen. Ich verstehe dieses Bedürfnis des Menschen und auch die Notwendigkeit zum Beispiel einer Krankenversicherung. Aber Sicherheit ist für mich nicht in jedem Fall erstrebenswert.

Wann zum Beispiel ist sie es nicht?

Da wären wir wieder bei Weg und Ziel, beim Glückssuchen und Glückfinden. Für mich ist der Zweifel oft eine relevantere Kategorie als die Sicherheit in Gedanken. Sicherheit macht warm und zufrieden, macht behäbig. Aber dieser produktive Zweifel hilft mir zugegebener Maßen nicht bei einem Autounfall, das ist klar.

Was würden Sie als Glückssucher jungen Menschen, nicht nur in Sachen Sicherheit, mit auf den Weg geben wollen?

Ich denke, es ist gut, in die Welt hinauszugehen: Lerne Neues kennen, gehe in die Fremde, wie es ja auch in vielen Märchen der Fall ist. Auch ein Hans im Glück ist einer, der rausgeht und sich fremden Begebenheiten aussetzt.

… und vorher sollte „Hans im Glück“ eine Unfallversicherung abschließen (lacht)…Die Braunschweiger Weihnachtsgeschichte

(lacht) gerade nicht. An „Hans im Glück“ ist gerade diese naive Seite das Tolle. Dass dieser glückliche Mensch am Ende überhaupt nichts mehr in der Hand hat. Und er trotzdem glücklich ist. Jetzt könnte man natürlich sagen: Der hat ja auch keine Familie zu ernähren, der kann sein Erbe einfach ins Nichts tauschen. Aber zu meinen persönlichen Ratschlägen gehören keine Sicherheitsaspekte. Das machen andere.

Würden Sie mir zustimmen, wenn ich dennoch behaupte, dass es zum Lebensglück beiträgt, wenn ich weiß, mein Hausbau, meine Familie sind im Ernstfall abgesichert …

Das beruhigt auf jeden Fall, ja. Das sehe ich genauso, auch wenn ich Sicherheit als Terminus nicht für einen Wert an sich halte. Aber ich halte es natürlich für wertvoll, dass meine Familie abgesichert ist, falls mir was passieren sollte. Oder dass jemand meine Arztrechnungen bezahlt. Aber ich finde, dass es oft ein Spiel mit der Angst oder auch mit dem Glück der Menschen ist, mehr Sicherheit verkaufen zu wollen, als man überhaupt bieten kann. Rundumsicherheit gibt es nicht. Auch das Spannungsverhältnis von Sicherheit und Freiheit ist momentan ja ohnehin ein großes Thema – wobei ich unter Sicherheit jetzt zum Beispiel Sicherheit vor terroristischen Angriffen und Selbstmordattentätern verstehe. Wie viel Freiheit muss ich also opfern, um noch mehr Sicherheit zu bekommen? Ich weiß von anderen Versicherungsunternehmen – nicht von Ihnen –, dass mir oft genug Versicherungen verkauft werden sollten, die ich absolut gar nicht brauchen kann. Das darf man auch nicht ganz außen vor lassen.

Welche Versicherungen halten Sie dagegen selbst für unverzichtbar?

Eine Krankenversicherung ist ja ohnehin verpflichtend in Deutschland, eine Unfallversicherung finde ich auch sehr sinnvoll, auch eine Haftpflichtversicherung finde ich sehr wichtig. Wenn man Hausbesitzer ist, kommen dann noch weitere Versicherungen hinzu … aber eigentlich hört es da für mich schon auf. Das reicht jetzt aber wirklich (lacht).

140826_STB_mkp_736Dann lassen wir es mal gut sein mit dem Thema Versicherung. Braunschweig als Stadt unseres Hauptsitzes hat Ihnen anscheinend in Ihrem Leben auch eine Menge Glück gebracht – Sie haben in diversen künstlerischen Projekten ja sogar viel über die Stadt selbst erzählt …

Das sehen Sie völlig richtig. Mit Braunschweig verbindet mich wirklich ein besonderes Glück.

 

Ist Braunschweig in Ihren Augen auch eine glückliche Stadt?

(lacht) Das könnte mir schon mal rausrutschen, das so zu sagen. Aber wenn ich anfange, genauer darüber nachzudenken, muss ich es relativieren wollen. Sagen wir mal so: Es gibt unglücklichere Städte.

Und wann werden wir wieder Fußballglück mit unserer Eintracht erleben?

Damit muss man jedes Jahr rechnen (lacht). Man muss nämlich mit allem rechnen – auch mit dem Glücksfall. Und vorletztes Jahr haben wir ja wieder erfahren, dass es zu aller Überraschung Aufstiegsglück gibt. Ich muss sagen, dass Braunschweig mindestens eine glückliche Stadt ist, was den Fußball betrifft. Auch, wenn der Verein den Bürgern nicht immer nur Glück bringt. Aber diese ganz besondere Verbindung einer so großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger einer Stadt mit ihrem Fußballverein ist schon etwas sehr Besonders. Das ist schon ein Glücksfall.

Welche Projekte werden Sie in Zukunft weiterhin mit unserer Stadt verbinden?140826_STB_mkp_694

Jetzt im Sommer ist im Staatstheater unsere 80er-Jahre-Revue „Da Da Da“ erneut zu sehen. Auch die Braunschweiger Weihnachtsgeschichte im Spiegelzelt hinter der Martinikirche werden wir im Winter wieder aufnehmen, wobei ich mit „wir“ Christian Eitner und mich und die Gefährten von der Jazzkantine meine. Wenn etwas so einschlägt in einer Stadt, empfinde ich das übrigens auch als großes Glück. Zum Beispiel das Glück, das wir mit unserer Weihnachtsgeschichte, unserem Krippenspiel haben, das ganz plötzlich und fast von selbst zu einer Braunschweiger Tradition geworden ist, die Menschen in ihr alljährliches Advents-Programm integrieren. Wir haben durchaus auch neue Pläne für das nächste Jahr. Dazu kann ich jetzt natürlich noch nichts Konkretes sagen, aber wir wollen wieder etwas Hochspezielles für Braunschweig aus der Taufe heben. Etwas Neues, ganz Anderes und hoffentlich Schönes im Sommer 2016.

Zum Abschluss würde ich gern das bekannte Zitat von Albert Camus um Sisyphos mit seinem Stein als glücklichem Menschen abwandeln und fragen: Würden Sie Peter Schanz als glücklichen Menschen bezeichnen?

Im Sisyphos’schen Sinne allemal (lacht). Immer wieder Steine wälzen und dabei immer besser scheitern. Mit diesem Interview bin ich aber sehr zufrieden.

© Sebastian Heise

Fotos: © B. Lahola, Staatstheater Braunschweig, Wintertheater

 

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