(c) Olf Lupin

»Nur einer von uns kann den ersten Strich machen«

Das Künstler-Duo aus Hannover mit dem etwas ungewöhnlichen Namen Olf Lupin macht für gewöhnlich Kunst im öffentlichen Raum. Zum Repertoire der ehemaligen HBK-Studenten gehören Graffitis und andere Formen der Street-Art. Bis zum 22. September wird ihre Ausstellung „Nach Oben“ in der Rotunde der Öffentlichen Versicherung, Theodor-Heuss-Straße 10, präsentiert. Gezeigt werden großformatige Gemälde, kleine Portraits, eine Skulptur und eine raumgreifende Installation. Es ist die erste Ausstellung des Duos, die dabei auch aktiv einen Innenraum mit in ihre Installation einbezieht. Im Interview erzählen die beiden von ihrer Zusammenarbeit und dem einzigartigen Stil.

Hallo, stellt euch beide bitte kurz vor: Wie seid ihr zur Street Art gekommen?
Wir sind Olf Lupin aus Braunschweig und Hannover. Wir haben uns an der HBK in Braunschweig kennengelernt, kurz auch zusammen gewohnt und damals schon gemeinsam an Wände gemalt. Nach dem Studium hatten wir beide kein Atelier, wahrscheinlich sind wir deshalb auf die Straße gegangen.

Woher kam die Idee für euren Namen? Hat er eine Bedeutung?
Freunde haben uns so getauft. Dass die beiden Namen einmal zusammen wachsen und eins werden, wussten wir damals noch nicht. Nein, eine Bedeutung gibt es nicht. Er ist sehr schwer zu taggen und klingt nicht ganz stimmig, darum haben wir ihn behalten.

Wie habt ihr euren gemeinsamen einzigartigen Stil gefunden?
Das haben wir zunächst gar nicht unbedingt gemeinsam getan. Sondern parallel nebeneinander. Weil wir beide figürlich arbeiten, uns beide mit Urban-Art auseinandersetzen, ungefähr gleich alt sind und allgemein ähnliche Interessen haben, stellte es sich nicht als besonders schwierig heraus, gemeinsam ein Gemälde zu gestalten. Es gibt Strukturen in unserer Malerei, die typisch für den einen sind, und Motive, die der andere mit ins Spiel gebracht hat. Wir haben einfach nur alle Elemente, die unsere Kunst ausmachen, in einen Topf geworfen, und heraus kam diese typisch olflupin´sche Phantasiewelt.

Ist das, was ihr jetzt macht, auch das, was ihr euch nach eurem Kunststudium vorgestellt hattet?
Es gibt immer noch viel Arbeit, um das Ziel zu erreichen. Grundsätzlich machen wir aber genau das, was wir immer wollten. Wir haben jetzt ein großes Atelier und machen nur, wozu wir Lust haben …

Wie entwickelt ihr ein Graffiti-Gemälde?
Selten völlig spontan. Es gibt meistens ein Konzept, das von der Umgebung und der Situation abhängt, in der das Kunstwerk entstehen soll. Es gibt aber so gut wie nie eine Skizze. Wir reden einfach miteinander und manchmal ist ein einziges Wort ausreichend und wir wissen beide, worauf wir hin arbeiten wollen.

Wie ist die Aufgabenverteilung?
Nur einer von uns kann den ersten Strich machen. Zum Beispiel, um den Raum zu definieren. Danach gibt es absolut keine Aufgabenverteilung mehr. Wichtig ist nur, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

(c) Olf Lupin

(c) Olf Lupin

Wie findet ihr Inspiration für eure besonderen Figuren?
Wir machen uns nicht auf die Suche nach etwas, das man Inspiration nennt. Die ganze Welt mit all ihren Fassetten ist Inspiration. Da sind natürlich Einflüsse, wie zum Beispiel die B-Boy-Characters der 80er Jahre, Illustrationen aus Märchen und Fabeln, die Natur, ferne Kulturen, Subkulturen und Mode im Allgemeinen. Und dann sind es natürlich die Menschen auf der Straße. Man muss sich nur umschauen, es gibt viel mehr Freaks, als man denkt.

Was können Besucher in der Rotunde der Öffentlichen Versicherung entdecken: Was meint der Titel „Nach Oben“ und wie habt ihr das Konzept umgesetzt?
Ganz profan, wer die Öffentliche betritt, muss nach oben schauen, denn die Installation schwebt über den Köpfen der Besucher. Ungefähr 350 Insekten, gebastelt aus verschiedenen Materialien, fliegen durch das ganze Gebäude.  Eine überdimensionale Schnecke schaut sich gemeinsam mit einem Reh das Spektakel an und streckt sich gen Himmel. Jedes Gemälde beinhaltet eine individuelle Idee zu diesem Thema. Es geht um Leichtigkeit, Schwerelosigkeit und einfach um den uralten Traum vom Fliegen. Alles in der Ausstellung richtet sich nach oben. Und ehrlich, wer nennt seine Ausstellung schon  ‚Nach Unten‘? Das ist nicht die Richtung, die uns vorschwebte.

Ihr habt die Tetzel-Kiste, die während des Reformationsjahres noch bis Ende Oktober im Umlauf ist und symbolisch für Ablasstruhen steht, mitgestaltet. Wie habt ihr euch diesem religiösen Thema genähert?
Gar nicht. Das Thema ‚Religion‘ haben wir für die Außengestaltung kategorisch ausgeschlossen, dafür haben wir Musik, Tanz und das Miteinander-Feiern in den Mittelpunkt gestellt.

Welche Themenfelder behandelt ihr noch? Es gab zum Beispiel mal ein Flüchtlingsboot …  
Es gibt nur wenige Dinge die wir ausklammern, Themen die wir nicht ansprechen wollen.  Alles was zum Mensch- und Tiersein dazugehört, egal wie komplex oder wie banal, kann interessant sein. Ein Leitmotiv, das sich durch unsere gesamte Arbeit zieht, ist ‚Fernweh‘ beziehungsweise das ‚Sich-weg-Träumen‘, ein anderes ist ‚Freiheit‘ beziehungsweise ‚Unabhängigkeit‘. Genau das waren eigentlich zentrale Themen unseres gemalten Flüchtlingsbootes an einer Hauswand in Linden, Hannover. Den Begriff Flüchtlingskrise kannten wir damals noch nicht. Linden ist ein Party-Arbeiter-Migrantenviertel. Da lag es nahe, ein Partyboot mit Menschen aller Hautfarben zu malen.

Wo kann man eure Kunst „in freier Wildbahn“ entdecken?
Leider kaum in Braunschweig. Dafür umso mehr in Hannover, zum Beispiel im Glocksee, auf dem Faust-Gelände und in der Limmer Straße.

Die Ausstellung „Nach Oben“ ist bis einschließlich 22. September werktags von 7.30 Uhr bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Katharina Holzberger und Evelyn Waldt (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Olf Lupin

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