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Off- und online im Wechselspiel

Noch nie wurde so viel gelesen wie in der heutigen Zeit – digital sei dank: Facebook, Whatsapp, Twitter, Push-Nachrichten, RSS-Feeds und MSN-App: Im Minutentakt trudeln die Texte ein und klopfen lautstark an die Türen unseres Bewusstseins, um für ein paar Minuten unsere Aufmerksamkeit zu erregen.

Der Trend geht vom Zweitbuch weg und hin zum E-Book-Reader – Die neue Bibliothek misst nur wenige Quadratzentimeter und hat einen Paperwhite-Screen. Und wer mal eine spontane Information braucht, dann darf’s nicht mehr das 37-bändige Reallexikon der Kulturgeschichte sein. Wir schleppen mit Wikipedia das größte Nachschlagewerk der Weltgeschichte permanent mit uns herum. Das Internet macht’s möglich und ist immer und jederzeit verfügbar (außer natürlich, die Telekom schraubt noch am Anschluss und der Techniker kommt irgendwann vom 27.02. bis 15.03. von 8 bis 18 Uhr, man solle bitte zu Hause sein – aber das ist eine andere Geschichte …).

Die klassische Tageszeitung? Geht in den jüngeren Zielgruppen rapide zurück – kaum ein Mitglied der Generation Y, Generation Golf oder Generation Game Boy möchte noch was mit der zeltplanenartig ausfaltbaren täglichen Regionalnachrichtendosis zu tun haben. Deren Ecken haftet die unangenehme Eigenschaft an, auf jeden Fall am Marmeladentoast kleben zu bleiben –  wie auch immer man das Feuilleton dreht und wendet.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Digitalpioniere nichts mehr mit der Nachrichtenwelt zu tun haben wollen, ganz im Gegenteil. Nur bezahlen oder ausdrucken will der Nachwuchs dies längst nicht mehr: Portale wie regionalheute.de (mit Nachrichtenredaktionen in Braunschweig, Wolfenbüttel und Goslar) sind auf dem Vormarsch und vermehren sich dank Facebook-Likes, Hashtags und Linkweitergabe zusätzlich rasant. Auch regionale Nachrichtenportale wie der Helmstedter Tageblog sind nicht nur zu wichtigen Medienmultiplikatoren geworden, sondern haben inzwischen sogar politische Relevanz. Und ja, diese neuen Kanäle haben große Vorteile: Sie können ständig aktuell gehalten werden, sofort auf Ereignisse reagieren (und so zum Beispiel schneller vor Unfällen oder Unwettern warnen) und können von jedem kommentiert, korrigiert und ergänzt werden. Zeitung und Online-Zeitung – beide Formen des Journalismus werden sich in den kommenden Jahren gegenseitig ergänzen. Und sich hoffentlich auch noch besser aneinander gewöhnen.

© Sebastian Heise

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