Passieren die meisten Unfälle wirklich im Haushalt?

Sport, Freizeit, Treppensteigen, Heimwerken – Statistiken zum Thema ‚Unfall‘ bringen viele Überraschungen ans Licht

Zehn Millionen Unfälle ereignen sich jedes Jahr in Deutschland – das sind 26.000 pro Tag, einer alle fünf Sekunden. Viele denken dabei vermutlich sofort an den Verkehrsunfall, aber: Die meisten Unfälle passieren doch angeblich im Haushalt. Aber stimmt das überhaupt? Thomas Seil, Experte und Produktgestalter der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, weiß: Das Thema ‚Unfall‘ steckt voller Überraschungen.

Laut Statistischem Bundesamt ereignet sich tatsächlich der größte Teil der zehn Millionen Unfälle pro Jahr bei Freizeitaktivitäten: der Achillessehnenriss beim Joggen, der gebrochene Arm beim Skifahren. Insgesamt fast vier Millionen Unfälle gehen auf solche Aktivitäten zurück. Aber schon knapp dahinter folgen 3,15 Millionen Unfälle, die sich jährlich im Haushalt ereignen. Das heißt: „Die meisten Unfälle – rund drei Viertel – ereignen sich definitiv außerhalb der Arbeitszeit“, bestätigt Thomas Seil von der Öffentlichen.

Freizeitunfälle ereignen sich laut Statistik tatsächlich am häufigsten beim Sport (Spitzenreiter Fußball bei den Herren, Tennis und Skifahren bei den Damen) beziehungsweise Bewegung durch Laufen oder Fahrrad fahren, dicht gefolgt von Stürzen von Leitern und Treppen sowie Unfällen beim Heimwerken und bei der Hausarbeit: Mit insgesamt rund 30 Prozent aller Unfälle ist der Haushalt definitiv auch mit vielen Risiken verbunden. „Die mit Abstand häufigste Unfallursache ist der Sturz, vorrangig bei älteren Menschen – nicht zu unterschätzen sind aber auch Schnittwunden und Verbrennungen“, so Seil. Besonders Heimwerken sei eine unterschätze Quelle für Unfälle: „Vor allem bei Männern kommt es immer wieder zu Unfällen im Umgang mit schwerem Werkzeug, mit elektrischen Leitungen, beim Räumen von Möbeln oder dem Besteigen von Leitern.“ Mit Abstand am häufigsten kommt es dabei zu offenen Wunden, Prellungen und Brüchen – die am meisten verletzten Körperteile sind Hände und Finger.

Leider enden jährlich noch immer circa  9.000 Unfälle in Deutschland tödlich – im Vergleich zu beispielsweise insgesamt rund 3.850 Verkehrstoten. Thomas Seil rät: „Jeder sollte nur das selbst machen, was er auch wirklich sicher beherrscht und wenn er die zugehörigen Geräte oder Bewegungen sehr gut kennt und einschätzen kann. Um Stürzen, besonders im Alter, vorzubeugen, sollte man außerdem so früh wie mögliche Hindernisse beseitigen und allgemein auf niederschwellige Bedingungen achten.“

Was für Konsequenzen Unfälle, vor allem aus finanzieller Sicht, haben können, weiß Thomas Seil aus seiner täglichen Arbeit bei der Öffentlichen: „Noch immer existiert der Irrglaube, der Staat würde für Unfälle aufkommen. Fakt ist aber: Die gesetzliche Unfallversicherung tut dies nur für Folgen von Unfällen während der Arbeit oder auf dem direkten Arbeitsweg.“ Und dies sei eben nur ein kleiner Teil der rund zehn Millionen jährlichen Unfälle. „Rund 800.000 Unfälle werden den Versicherern jedes Jahr gemeldet, wobei wir davon ausgehen, dass nur rund 30 Prozent aller Deutschen eine Unfallversicherung abgeschlossen haben. Diese gilt übrigens weltweit und 24 Stunden am Tag, unabhängig von allen anderen, auch eventuellen staatlichen Leistungen.“

Nachgefragt bei Thomas Seil von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig
© Fotos: Sebastian Heise, David Franklin / Fotolia

Seil weist auf einen weiteren, weit verbreiteten Irrtum in Bezug auf die Unfallversicherung hin: „Es geht nicht nur um die Leistungen rund um den Unfall selbst, wie die Bergungskosten oder das Krankenhaustagegeld, sondern vor allem um die möglichen Folgen schwerer Verletzungen: Bei einer Invalidität müssen das Haus oder die Wohnung aufwändig umgebaut und teure Hilfsgeräte wie Rollstühle finanziell selbst gestemmt werden. Zusätzlich sind oft auch Einkommenseinbußen zu verkraften. Für diese extreme Art von Unfall, die natürlich glücklicherweise nur sehr selten vorkommt, ist die Unfallversicherung oft entscheidend und kann mit zahlreichen Soforthilfen zusätzlich für einen besseren Heilungsverlauf sorgen.“ Dies gelte natürlich auch für Kinder – die Altersgruppe von 14 bis 29 ist laut Statistik besonders unfallgefährdet.

Die meisten Unfälle passieren also tatsächlich in der Freizeit – beim Sport und im Haushalt. Und ein Unfall kommt, egal wann und wo, immer überraschend und ungeplant. Daher rät Thomas Seil von der Öffentlichen abschließend: „Niemals ein Risiko eingehen, sich immer die nötige Zeit nehmen, und Sicherheitsanweisungen und Warnungen auch wirklich ernst nehmen. Das ist noch immer die beste Art, einen Unfall und seine Folgen möglichst von vornherein zu vermeiden.“

© Sebastian Heise / Öffentliche Versicherung Braunschweig
Fotos: © Sebastian Heise, David Franklin / Fotolia

Neueste Beiträge
Meistgelesen

Noch keine Daten vorhanden.