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„Pferde sind mein großes Vorbild“

Reitlegende Franke Sloothaak und Versicherungsvorstand Knud Maywald im Gespräch

Franke Sloothaak ist einer der erfolgreichsten Springreiter aller Zeiten. Er gewann unter anderem drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen sowie bei den Weltreiterspielen. 2016 ist er zudem zum zweiten Mal Sportdirektor der Löwen Classics, die vom 11. bis 14. Februar in der Volkswagen Halle in Braunschweig stattfinden. Im Rahmen der Vertragsverlängerung mit der Öffentlichen Versicherung Braunschweig als nationaler Hauptsponsor des Weltliga-Turniers traf Franke Sloothaak auf Knud Maywald, den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des regionalen Versicherungsunternehmens, der selbst begeisterter Reiter ist und auf eine eigene Laufbahn als Pferdesportler zurückblickt. Was liegt also näher, als die beiden für ein gemeinsames Interview an einen Tisch zu setzen?

Wie sind Sie eigentlich zum Springreiten gekommen?

Sloothaak: Das ist eine sehr lange Geschichte. Schon als ich noch zur Schule gegangen bin, waren wir bei schönem Wetter im Sommer immer beim Bauern, der mit seinen Pferden Heu geerntet hat. Für diese Bauernhofbesuche habe ich auch mal die Schule geschwänzt (lacht). So habe ich schnell eine besondere Affinität zu Tieren entwickelt. Als es dann bei uns im Dorf einen Ponyclub gab, haben mein Bruder und ich uns gleich angemeldet und meine Eltern haben mir mein erstes Pony gekauft. So habe ich sehr früh meine ersten Reitstunden nehmen können und mit 14 habe ich bereits an meiner ersten Europameisterschaft der Juroren teilgenommen und dann ging alles ganz schnell.

Maywald: An meine erste Pferdebegegnung kann ich mich eigentlich gar nicht mehr wirklich erinnern. Denn meine Eltern haben mich bereits sehr früh mit dem Pferdesport bekannt gemacht und mit vier Jahren habe ich angefangen zu voltigieren, damals gemeinsam mit zwei von meinen Geschwistern. Dadurch habe ich schon ganz am Anfang gelernt, wie man richtig von einem Pferd fällt (lacht). Weil mir der Reitsport solch einen großen Spaß gemacht hat, haben wir bald darauf auch ein eigenes Pferd bekommen. Mit sechs Jahren habe ich angefangen zu reiten und an den ersten ländlichen Turnieren mit Wettbewerben für junge Reiter teilgenommen. Später bin ich dann auch bei Landesmeisterschaften mitgeritten. Fast 25 Jahre lang habe ich diesen Sport ausgeübt, was irgendwann beruflich leider nicht mehr möglich gewesen ist.

Was fasziniert Sie am Pferdesport allgemein?

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Franke Sloothaak

Sloothaak: Was mich an diesem Sport von Anfang an fasziniert hat, war die Liebe zum Tier. Bis heute habe ich einen sehr guten Draht zu Tieren. Von Pferden kann man eine Menge lernen – zum Beispiel habe ich die Tiere schon in meiner Zeit beim Bauern immer gern dabei beobachtet, wie sie mit viel Kraftaufwand große Heuballen in die Scheune ziehen mussten: Um einen großen Haufen zu bewegen, haben sie mehrfach angesetzt und sind vor Anstrengung immer wieder zurückgeworfen worden. Aber sie haben es immer wieder probiert, sie haben nicht aufgegeben. Für mich zeichnen sich Pferde auch dadurch aus, wie sensibel sie auch im Team mit dem Reiter zusammenarbeiten. Ich sehe sie sogar als Vorbild, denn sie verzeihen die Fehler des Reiters und versuchen es immer wieder, geben nie auf.

 

Maywald: Mich fasziniert am Pferdesport, dass er nichts mit einem toten Sportgerät zu tun hat, sondern eine Beziehung zu einem Lebewesen im Mittelpunkt steht. Ein Lebewesen mit einem eigenen Charakter, eigenen Fehlern und eigenen Macken, mit denen man sich arrangieren muss. Gleichzeitig hilft das Pferd aber auch und gleicht die eigenen Fehler aus. Ich finde es extrem faszinierend, wie eng so eine Beziehung zwischen Reiter und Pferd werden kann.

Sloothaak: Davon wiederum kann man viel über das Zusammenleben mit seinen Mitmenschen lernen: Wenn du Respekt vor deinem Pferd hast, dann hat das Pferd auch Respekt vor dir. Es kommt immer darauf an, wie man andere behandelt – das lässt sich natürlich auch sehr leicht auf Menschen übertragen.

Inwiefern hat sich der Pferdesport im Verlauf der Zeit verändert und entwickelt?

Sloothaak: Zum Glück hat er sich seit den Anfängen meiner eigenen Karriere stark entwickelt. Vor allem die öffentliche Wahrnehmung für den Sport hat sich stetig weiter nach oben entwickelt, wenn wir auf die Meisterschaften oder die Olympischen Spiel schauen: Pferdesport ist immer mehr in der Breite angekommen. Und genau das kann man nicht alleine schaffen – nur die richtige Umgebung und die richtigen Sponsoren sorgen für eine gute Präsentation des Sportes. Professionalität von beiden Seiten sorgt für eine schöne Symphonie, die auch gehört wird.

Maywald: Auf der anderen Seite zeichnet sich der Pferdesport aber auch durch Konstanz aus. Bis heute existieren die kleinen ländlichen Turniere mit den Würstchenbuden an der Seite, bei denen ich auch zu reiten angefangen habe. Auch die Pferde an sich haben sich nicht verändert: Nach wie vor kommt es darauf an, dass Pferd und Reiter als perfektes Team funktionieren – daran wird sich auch nie etwas ändern.

Sloothaak: Genau. Und der Pferdesport bringt Jung und Alt zusammen, weil es eine ganze Palette von Dingen für jeden zu sehen und zu erleben gibt. Das Pferd hat die Menschen von Anfang an zusammengebracht – das geht bis auf die sehr frühe Menschheitsgeschichte zurück.

Wieso machen Sie sich gerade für den Standort Braunschweig stark?

Sloothaak: Der Standort Braunschweig ist etwas ganz besonderes – schon allein durch das Pferd im Niedersächsischen Wappen. Außerdem kenne ich den Veranstalter Axel Milkau schon sehr lange. Das herausragende Angebot der Löwen Classics und das Angebot für die Breite haben mich sehr schnell überzeugt, bei diesem Turnier mitzuwirken. Gerade was hier in Braunschweig für den Nachwuchs getan wird, ist deutschlandweit einmalig.

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Knud Maywald

Maywald: Als nationaler Hauptsponsor gefällt mir besonders die Mischung aus Internationalität und Regionalität: Obwohl das Teilnehmerfeld die Weltspitze berührt, versprühen die Löwen Classics viel Lokalkolorit und sind sehr eng an der Region. Für uns als ebenfalls hier verwurzeltes regionales Unternehmen mit sehr langer Tradition von über 260 Jahren passt einfach alles sehr gut zusammen – wir haben das Pferd ja auch in unserem Logo und das Turnier im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor der Tür. Ich kann aus meinem Fenster sogar gerade direkt beim Aufbau der Zelte für die Boxen zuschauen (lacht).

Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?

Sloothaak: Natürlich ist es toll, Weltklasse-Reiter wie Christian Ahlmann und Marco Kutscher in Braunschweig zu Gast zu haben und Ihnen zusehen zu können. Zumal die Teams für die Olympischen Sommerspiele in Rio noch nicht feststehen und sich hier in Braunschweig noch einiges entscheiden könnte.

Maywald: Ich freue mich besonders auf die Prüfung, die wir in diesem Jahr erneut sponsern dürfen: die Deutsche Meisterschaft der Landesverbände. Ich weiß aus meiner eigenen aktiven Zeit noch sehr gut, wie stark so ein Teamwettkampf zusammenschweißt. Das ist etwas ganz besonderes. Sehr gespannt bin ich auch, ob die Mannschaft des vergangenen Jahres den Titel in diesem Jahr verteidigen kann. Insgesamt ist die Stimmung bei den Löwen Classics aber immer so prima, dass ich mich auf das gesamte Turnier freue.

Sloothaak: Das stimmt, in der Halle kommt eine wirklich tolle Atmosphäre auf.

Herr Sloothaak, Sie sind 2016 zum zweiten Mal als Turnierdirektor dabei. Was gibt es in diesem Jahr Neues?

Sloothaak: Wir haben einige kleinere Nuancen eingebaut, wie zum Beispiel einen Nationenpreis im Bereich Dressur. Direkt nach dem Turnier des vergangenen Jahres haben wir uns zusammengesetzt und uns gefragt: Welche Möglichkeiten haben wir an Neuerungen und was davon macht wirklich Sinn? Da der grobe Rahmen seit Jahren steht und sich bewährt hat, sind es vor allem Kleinigkeiten, wie kleine Sparten, die noch zum bestehenden Programm hinzukommen.

Wie wichtig ist es, einen so bekannten Reiter wie Sie für ein großes Turnier gewinnen zu können?

Sloothaak: Ach, was soll ich mich selbst da so wichtig nehmen – ich habe doch nie was gewonnen. Das war immer nur das Pferd. Ich bin wenn überhaupt nur ein kleiner Teil davon…

Maywald: Das ist Herr Sloothaaks höfliche und zurückhaltende Art, die ihn persönlich so auszeichnet. Für das Turnier ist er aber natürlich ein erstklassiges Aushängeschild und sorgt nicht nur in der Region für große Begeisterung!

Was wünschen Sie sich für die Löwen Classics 2016?

Maywald: Schönes Wetter – damit die Pferde und Reiter den langen Weg von den Stallungen zur Halle sicher zurücklegen können. Dass es keine Stürze gibt und sich kein Reiter und kein Pferd verletzt. Und natürlich wünsche ich mir wieder spannende Wettbewerbe mit vielen Zuschauern. Dass die Löwen Classics wieder im Fernsehen übertragen werden, ist ebenfalls ein großer Gewinn. Nichts geht aber darüber, die Löwen Classics live zu erleben, selbst in der Halle herumzulaufen und zum Beispiel zu sehen, wie groß die Hindernisse wirklich sind, über die die Pferde springen. Das ist ein unbeschreibliches Erlebnis.

Sloothaak: Ich wünsche mir, dass alles positiv verläuft. Die Leute kommen bestimmt auch bei schlechtem Wetter in die Halle. Die tolle Tradition in Braunschweig und das Rahmenprogramm werden dann schon für den Rest sorgen…

Herr Sloothaak, was sind Ihre aktuellen Projekte?

Sloothaak: Ich betreue einige der Reiter, gestalte das Training und die Ausbildung. Einige davon werden natürlich auch in Braunschweig zu sehen sein. Deshalb helfe ich so gern – ich möchte die Begeisterung für diesen Sport in mir einfach sehr gern weitergeben. Im Menschen angelegt ist doch von Anfang an eine große Neugier: Wir wollen immer weiter kommen, uns immer weiter verbessern. Direkt nach der Geburt sind wir hilflos, dann lernen wir, uns zu drehen. Das reicht uns aber nicht, daher wollen wir auch krabbeln. Sobald wir das können, reicht uns die Geschwindigkeit nicht mehr und wir wollen stehen, laufen und so weiter. Wir verbessern uns immer weiter, das, was wir haben, reicht uns nie. Zumindest ist das mein Antrieb und der Grund, warum ich nicht stehen bleibe und immer weiterkommen möchte. Nicht nur im Sport möchte ich mich nach wie vor immer weiter verändern und verbessern.

Und sind Sie inzwischen ein bisschen mit Braunschweig bekannt geworden?

Sloothaak: Wir hatten im vergangenen Jahr eine tolle Führung durch die Stadt. Auch von der Geschichte sind bei mir viele kleine Teile hängen geblieben. Ich habe auf jeden Fall sehr schnell eine Beziehung zu Braunschweig aufgebaut, die bestehen bleiben wird.

Herr Maywald, kommen Sie als Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Öffentlichen Versicherung Braunschweig überhaupt noch dazu, zu reiten?

Maywald: Leider kann man diese Gelegenheiten an einer Hand abzählen. Ich nutze aber definitiv jede Chance, die sich mir bietet, auf ein Pferd zu steigen und einfach durchs Gelände zu reiten. Das ist einfach ein wunderbarer Ausgleich zum Berufsalltag.

Herr Sloothaak, Herr Maywald, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!

© Interview: Sebastian Heise, Fotos: Heiner Köther

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