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Interview: Philipp Kasburg vom Duo Reis Against The Spülmachine

»Ich hab ’ne Pommes bestellt«

Erst Studienkollegen, dann Freunde: Philipp Kasburg (rechts im Bild) und Onkel Hanke sind das Duo Reis Against The Spülmachine. Sie machen herrlich klamaukige Lieder – hauptsächlich über Lebensmittel. Wortspiele und Bezüge zu Pop- und Rockmusik bilden hierzu die Grundlage. Ende März treten die beiden in der DRK-KaufBar auf. Philipp Kasburg im Interview.

Die Band Reis Against The Spülmachine ist das Duo Onkel Hanke und Philipp Kasburg. Erzähl doch bitte etwas über euch.
Philipp wurde anno 1981 in Braunschweig geboren und lebt heute in Oldenburg. Dort absolvierte er das so genannte erste „Staat-Sex-Amen“ für Lehramt mit den Fächern Musik und Anglistik. In einer allgemeinbildenden Schule ward er jedoch nie wieder gesehen. Onkel Hanke wurde in Buxtehude geboren. Hier gleich zwei schmerzliche Tatsachen für Verschwörungstheoretiker: Buxtehude ist eine real existierende Stadt und Hanke ein real existierender männlicher Vorname. Onkel Hanke ist schätzungsweise einige Jahre jünger als Philipp, nicht verwandt mit Tante Trude und rockt seit Kurzem den Mathe- und Musikunterricht an einer Buxtehuder IGS.

Wie habt ihr euch kennengelernt und wie entstand dann die Band?
Wir haben uns 2005 bei einem kleinen, aber legendären Liedermacher-Festival bei Kevelaer in Nordrhein-Westphalen kennengelernt. Jahrelang waren wir „nur“ Kollegen und Freunde und haben gemeinsam in Oldenburg studiert. Im Jahr 2011 hat es sich ergeben, dass wir beide einen Doppelgig bei einer Dortmunder Kneipen-Nacht hatten. Da saßen wir nebeneinander, jeder hat seine eigenen Songs gespielt und der andere ihn dabei unterstützt. Das hat so gut funktioniert und Spaß gemacht, dass es einfach irgendwie weitergehen musste.

Was hat es mit dem Namen auf sich?
Der Name ist, wie auch unsere Songs, von Wortspielen und Bezügen zur Pop- und Rockmusik geprägt. Es gibt die Gruppe Rise Against und vor allem die Band Rage Against The Machine. Zudem haben wir neben vielen anderen Songs zum Thema „Essen“ ein Lied über Reis, den man ja für gewöhnlich in der Küche kocht. Also: „Reis Against The Spülmachine“. Noch Fragen?

Was für Musik machen Reis Against The Spülmachine und welche Themen sprecht ihr an?
Wie bereits erwähnt, handeln die meisten unserer Lieder von Nahrungsmitteln: Obst, Gemüse, Käse und auch Bier. Auch gesellschaftliche Themen kommen vor. In erster Linie aber Essen und Trinken. Dabei bedienen wir uns gerne der populären Musik der letzten 60 Jahre. Von Elvis Presley bis Amy Winehouse über die Beastie Boys und Ricky Martin. Also, für jeden ist was dabei. Es geht vor allem um Entertainment, Musik zum Lachen und Feiern.

Wie schreibt ihr eure Lieder?
Ausgangspunkt ist meistens, was ich eine Initialzündung nenne. Wir hören einen Song im Radio, zum Beispiel Nick Kamens bekanntes Lied „I promised myself“ und kommen auf die Zeile „Ich hab ’ne Pommes bestellt“. Das passiert meistens von selbst. Der Rest ist dann Handwerk. Da setzt man sich hin und beschäftigt sich mit dem Original, denn die eine Zeile reicht ja nicht. Man muss es hinbekommen, eine Geschichte darum zu bauen und den Gedanken irgendwie weiterzuspinnen, ohne dass es am Ende langweilig wird oder im sich Sand verläuft.

Spielt ihr hauptsächlich Cover oder schreibt ihr auch eigene Songs?
Wir schreiben auch eigene Songs. Wir kommen ja aus der Liedermacher-Szene. In unserem Programm dominieren aber die Cover-Songs. Das ist unser Konzept, Welt-Hits durch den Kakao zu ziehen. Trotzdem streuen wir hier und da gerne auch mal etwas Eigenes ein.

Ihr habt einen Sampler mit dem Titel „Tote Menschen schreiben Lieder über Essen“. Worum geht es da?
Du spielst auf unseren Song-Zyklus an. Der trägt diesen Titel, ist aber frei erfunden und lediglich Bestand einer ironischen Ansage auf der Bühne. Dieser Satz fasst im Prinzip nur besagtes Konzept zusammen, Lieder über Essen zu schreiben, und sich dabei bekannter Songs zu bedienen, die ja teilweise von mittlerweile wirklich verstorbenen Künstlern stammen.

Welche Bands covert ihr am liebsten beziehungsweise welche eignen sich am besten?
Eigentlich covern wir nie mehr als einen Song von einem Interpreten. Die Mischung macht es und da gibt es auch niemanden, der sich besser oder schlechter eignen würde. Das Original muss halt was hergeben. Es kann ein Song von Helene Fischer oder von Rammstein sein. Das ist ja das Spannende.

Hast du musikalische Vorbilder?
Bei dem, was wir mit Reis Against The Spülmachine machen, wären da wohl in jedem Fall Otto Waalkes, Willy Astor oder die Erlanger Band J.B.O. zu nennen. Was anderes als die machen wir auch nicht. Nur eben auf unsere Weise. Und selbstverständlich Weird Al Yankovic. Der ist vor allem in den USA ein Star und dort ist es eine Ehre für einen Musiker, von ihm parodiert zu werden, da er das bereits seit Jahrzehnten und in höchster Perfektion tut. Zum Beispiel „Eat it“ auf Michael Jacksons „Beat it“. Ich sag nur „Lieder über Essen“…

Ihr deklariert eure Musik auch als „skurril-surreal“ und „herrlich-schwachsinnig“. Welches ist deine Lieblings-Textzeile und welches dein Lieblingslied?
Das ist natürlich schwer, da wir alle unsere Lieder mögen. Sonst würden wir sie ja nicht spielen. Onkel Hanke sagt immer „Wir haben schon vor Jahren aufgehört, Musik für das Publikum zu machen“. Das ist keine Arroganz, sondern macht einfach deutlich, dass wir selbst wohl den größten Spaß an dem haben, was wir machen. Aber wenn du willst: Aus unserem Obst-Medley sind mein Lieblingssong und gleichzeitig meine Lieblingszeile: „Apfel looking for Freedom!“

Seid ihr auch privat so verrückt und kreativ wie es eure Musik ist?
Wir sind privat kreativ, damit wir auf der Bühne verrückt sein können. Ein kleiner Dachschaden gehört sicher dazu, aber wenn du uns privat treffen würdest, kämen wir dir sicher ganz normal und total nett vor.

Habt ihr jeweils noch andere musikalische Nebenprojekte?
Ich bin bis heute Teil des Liedermacher-Duos „Spieltrieb“. Nebenbei spiele ich in der Reggae-Backingband Boomrush Backup. Hanke ist Kopf des Buxtehuder Unsinnfonieorchesters und Motor der Band Jammin’ Johnny and the Diskofuckers. Ein Onkel-Hanke-Soloalbum ist auch in Arbeit und wird noch im Jahr 2016 veröffentlicht.

Welche Pläne gibt es für Reis Against The Spülmachine dieses Jahr noch?
Weiterhin Konzerte geben und tolle Abende haben. Und natürlich Reich und Sexy werden.

Am 31. März spielen Reis Against The Spülmachine in der DRK-KaufBar, Helmstedter Straße 135. Mehr Infos gibt es auf www.drk-sprungbrett.de.

Katharina Holzberger (SUBWAY Medien) / Fotocredit: Henning Müller

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