(c) Björn Hickmann / Stage Picture KTO

Regisseur Christoph Diem im Interview zu Nabokovs »Der Pol«

Das Staatstheater Braunschweig feiert mit Henrik Ibsens „Die Frau vom Meer“, inszeniert von Mario Holetzeck, und Vladimir Nabokovs „Der Pol“ in der Inszenierung von Christoph Diem diese Woche eine Doppel-Premiere im Schauspiel. Wir haben beide Regisseure zu ihren Inszenierungen und der Umsetzung des spannenden Spielzeit-Mottos „Braunschweig liegt am Meer“ befragt.

Im ersten Interview berichtet Regisseur Christoph Diem von seinem musikalischen Schauspiel „Der Pol“, dem nicht nur der Einakter von Vladimir Nabokov zugrunde liegt, sondern auch Kapitän R. Scotts reales Tagebuch, und das seine Premiere am Samstag, 18. November, um 20 Uhr am neuen Spielort Aquarium feiert. Es behandelt in origineller und tragikomischer Weise die Eroberung des Südpols Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Norweger Roald Amundsen und den Briten Robert Falcon Scott und das Scheitern angesichts der unbezwingbaren Naturgewalt. Der besondere Clou bei der Inszenierung sind die überwältigenden Songs, die die psychischen Vorgänge der Figuren reflektieren. Im zweiten Interview wird Mario Holetzeck über seine Umsetzung von Henrik Ibsens sehnsuchtsvollem Ehedrama „Die Frau vom Meer“ sprechen.

Hallo Herr Diem, warum haben Sie das Stück „Der Pol“ ausgewählt und inwiefern ist das Motto der aktuellen Spielzeit des Staatstheaters „Braunschweig liegt am Meer“ präsent?
Auch wenn es sich beim Südpol strenggenommen um eine Landmasse handelt, so reisen diese vier verlorenen Seelen doch beständig über Wasser, gefrorenes Wasser nämlich. Nein, im Ernst: Zum Großthema „Meer“ gehören die Expeditionen, das Erforschen blinder Flecken auf Land- und Seekarten. Gibt es eine großartigere Expeditionsgeschichte als das Wettrennen von Scott und Amundsen zum Südpol anno 1912?

(c) Björn Hickmann / Stage Picture KTO

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Ihre Inszenierung setzt sich aus mehreren Textquellen zusammen. Was waren dabei die Schwierigkeiten?
Wir wollten den Einakter von Nabokov machen, aber mussten lernen, dass der einfach zu kurz ist. Der ist zwar wirklich ganz toll, macht aber keinen ganzen Abend. Darum haben wir uns dann die Primärquelle angeeignet: das reale Tagebuch, das beim erfrorenen Kapitän Scott gefunden wurde. Und dieses unfassbare Büchlein ermöglichte es uns, die unmittelbare Vorgeschichte zu erzählen. Dass es an diesem Abend einen Bruch im Erzählton gibt, ist ganz und gar Absicht.

Auch eine besondere musikalische Untermalung haben Sie gefunden. Wie haben Sie die Songauswahl getroffen?
„Wir spielen hier beides: Country UND Western“ – Blues Brothers. Also, Oliver Ziegler, der musikalische Leiter, und ich haben Preziosen von Will Oldham, Jim White, Jack White, Spiritualized und Steve Earle – um nur einige zu nennen – geborgen und mit diesen fabelhaft musikalischen Schauspielern arrangiert. Jede Nummer steht für eine ganz eigene Nuance von Hoffnung – inmitten gut begründeter Hoffnungslosigkeit.

Was hat Sie bei der Inszenierung überrascht?
Diese Narren haben Würde. Ihr Scheitern ist komisch UND tragisch. Es sind die falschen Männer am falschen Ort und mit falscher Vorbereitung und falscher Ausrüstung. Und dennoch sind sie großartig.

Wie haben Sie das Aquarium als neuen Spielort erlebt?
Das Aquarium ist beides: hinreißend und überwältigend. Außerdem darf sich die Gästeschaft dort während der Vorstellung an einem Kaltgetränk festhalten. Angesichts einer endlosen Schneewüste ist das recht tröstlich.

(c) Björn Hickmann / Stage Picture KTO

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Worauf freuen Sie sich in dieser Spielzeit besonders?
Auf eben diese Gästeschaft.

Die Premiere von Vladimir Nabokovs „Der Pol“ in der Inszenierung von Christoph Diem mit der Musikalischen Leitung durch Oliver Ziegler findet am Samstag, 18. November 2017, um 20 Uhr im Aquarium, Staatstheater Braunschweig, Am Theater, statt. Zu dem Stück wird ab 19.30 Uhr eine Einführung sowie im Anschluss eine Premierenfeier angeboten. Weitere Informationen, Tickets und Termine finden sich unter Telefon (05 31) 1 23 40 sowie online unter www.staatstheater-braunschweig.de.

Evelyn Waldt (SUBWAY Magazin – oeding magazin GmbH) / Fotocredit: Björn Hickmann / Stage Picture KTO

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