Über Umwege zum Traumjob

Schon als Teenager wollte Dennis Heinze unbedingt im Banken- und Versicherungswesen arbeiten. Doch nirgends fand er einen Ausbildungsplatz. „Es hat nicht sollen sein“, trösteten ihn viele. „Ohne Abitur hast du keine Chance“, war die einhellige Meinung. Doch der heute 36-Jährige sah das ganz anders. Als Notlösung absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Insgeheim blieb er jedoch seiner Leidenschaft treu. Heute führt er als Hauptagenturleiter erfolgreich eine Filiale der Öffentlichen in Helmstedt und sagt: „Hör nicht auf andere und geh deinen eigenen Weg – dann kannst du vieles schaffen.“

Dennis Heinze nimmt die Dinge gern selbst in die Hand: Als wir am vereinbarten Treffpunkt kein ruhiges Plätzchen für unser Gespräch finden, geht er unaufgefordert auf die Pirsch und organisiert eine bessere Sitzgelegenheit. Sein Gang ist zielstrebig, doch das Auftreten besonnen. Und das zeigt sich auch in seiner beruflichen Laufbahn. „Ich hatte immer die Vision, etwas mit Finanzen oder Versicherungen zu machen“, erklärt Dennis Heinze. „Allerdings nicht um jeden Preis. Als ich in die Branche einsteigen wollte, war ich erschrocken, wie rücksichtslos angebliche ‚Finanzprofis‘ dem Berufsstand Schaden zufügen“, fügt er hinzu und verdreht die Augen.

Berufseinstieg mit bitterem Beigeschmack

Mit dem Schulabschluss in der Tasche findet Dennis Heinze keinen Ausbildungsplatz als Versicherungs- oder Bankkaufmann, also lässt er sich als Groß- und Außenhandelskaufmann ausbilden. „Mir erschien das als beste Alternative“, resümiert Dennis Heinze. „Angesichts der Globalisierung galt das als Job mit Zukunft.“ Doch richtig glücklich macht ihn der Beruf nicht. So fängt er schon während der Ausbildung an, seine Fühler in Richtung Versicherungs- und Finanzdienstleistungen auszustrecken – und macht zunächst unerfreuliche Erfahrungen. „Im Gegensatz zu heute war der Beruf damals noch nicht geschützt“, berichtet Dennis Heinze. „Jeder durfte sich aus dem Nichts heraus Finanzprofi schimpfen. Und dementsprechend gab es einige schwarze Schafe.“ Auf solche traf auch Dennis Heinze.

Ein dubioser Versicherungsanbieter gibt dem jungen Auszubildenden die Chance, nebenberuflich für ihn zu arbeiten. Plötzlich scheint der Traumjob zum Greifen nah. Mit Begeisterung fährt Dennis Heinze zur Einführungsveranstaltung, die in einem schicken Hotel stattfindet und „die Neuen“ auf ihren Job einschwören soll – und wird am Ende von einem Mitarbeiter in einen separaten Raum geführt. „Dort stand ein Telefon. Und die Ansage war: Handy raus, Freunde anrufen, Termine vereinbaren, verkaufen. Ich war ehrlich entsetzt, habe meine Sachen gepackt und bin abgehauen.“

Dieses Erlebnis prägt ihn nachhaltig. Gebrandmarkt lässt er für einige Jahre die Finger von der Branche, konzentriert sich auf die Ausbildung und arbeitet danach im gelernten Beruf. Doch wirklich los lässt ihn seine Vision nicht. Also wagt er 2008 den nächsten Anlauf, bewirbt sich auf eine Stellenausschreibung eines renommierten Finanzdienstleisters  – und hat dieses Mal Glück: Das Unternehmen erkennt sein Potenzial und stellt ihn trotz fehlender Branchenerfahrung ein. „Dafür bin ich meinem alten Chef noch heute sehr dankbar“, bekräftigt Dennis Heinze mit Nachdruck. „Ohne ihn wäre ich vermutlich nicht da, wo ich jetzt bin.“ Im Rahmen seiner Einarbeitung  absolviert er die IHK-geprüfte Ausbildung zum Versicherungsfachmann, die den Grundstein für seine heutige Selbständigkeit legt.

Der Sprung in die Selbständigkeit

Bei dem Finanzdienstleister arbeitet er acht Jahre im Angestelltenverhältnis – doch irgendwann fängt es an, in ihm zu nagen. „Prinzipiell war alles in bester Ordnung – ich habe meinen Job gern gemacht. Aber mit der Zeit wurde ich immer unglücklicher: Ich fühlte mich fremdbestimmt. Ich musste jeden Tag aus Schandelah nach Hannover pendeln und war selten daheim. 2014 bin ich Papa geworden, wollte für meine Familie da sein – musste aber schon morgens um 7 Uhr das Haus verlassen und war nie vor 19 Uhr wieder zu Hause. Irgendwann wusste ich: Das willst du nicht bis zur Rente machen.“

Die Idee, sich im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen selbständig zu machen, reift immer mehr in ihm. Er lässt Freunde und Bekannte an seinem Gedankenspiel teilhaben, spricht mit der Familie. „Einige Leute reagierten bestürzt“, lacht er. „Der Klassiker: Bist du verrückt? Wie kannst Du einen sicheren Job aufgeben?“ Andere ermutigen ihn, den Schritt zu wagen.

Dennis Heinze nimmt alle Rückmeldungen, positive wie negative, in sich auf – bildet sich am Schluss jedoch seine eigene Meinung. „Am Ende musste ich mit der Entscheidung glücklich werden, nicht die anderen“, meint Dennis Heinze. „Von den Skeptikern habe ich mich nicht verunsichern lassen. Ich war schon immer überzeugt von meinem Weg – und da lasse ich mir auch nicht reinreden.“

Insgesamt dauert der Denkprozess knapp zwei Jahre. Erst Ende 2015 fällt er eine Entscheidung. Inspiriert haben ihn vor allem Gespräche im Freundes- und Bekanntenkreis. „Einige empfahlen mir, mich bei der Öffentlichen umzuhören. Und mein Bauchgefühl sagte sofort ‚ja‘. Ich bin ein Kind der Region, hier geboren und aufgewachsen. Die Öffentliche ist, genau wie ich, sehr heimatverbunden. Und vor allem steht bei der Öffentlichen die Nähe zum Kunden im Fokus. Das sieht man ja schon an dem dichten Filialnetz – die Öffentliche ist mit ihren knapp 160 Geschäftsstellen überall vor Ort. Die Kunden haben kurze Wege zur nächsten Filiale. Diese Philosophie der Nähe teile ich. Mein Wunsch war es immer,  Menschen zu komplexen, scheinbar undurchschaubaren Themen persönlich zu beraten. Ich will in ungeliebte Themen wie Altersabsicherung, Finanz- und Versicherungsprodukte Transparenz  bringen. Nicht nur am Telefon oder anonym über das Web, sondern  von Angesicht zu Angesicht.“ Also bewirbt er sich bei der Öffentlichen, durchläuft ein aufwändiges Auswahlverfahren – und bekommt am Ende das Angebot, eine Agentur in Helmstedt zu übernehmen.

Alles neu gemacht

Mit Eifer macht er sich ans Werk. Die Öffentliche vertraut ihm die Helmstedter Filiale im Maschweg/Ecke Walbecker Straße an. Die Agentur ist in einer wunderschönen, gepflegten Villa untergebracht – doch Mobiliar und Innenarchitektur scheinen dem frisch gebackenen Selbständigen in die Jahre gekommen. Er will auch hier Akzente setzen, nichts vom Vorgänger übernehmen. Seine erste Amtshandlung ist darum eine Komplettrenovierung. „Das Ambiente sollte meinen eigenen Geschmack wiederspiegeln. Endlich hatte ich die Gelegenheit, selbstbestimmt eigene Ideen umzusetzen – und das wollte ich von Anfang an tun.“ In neuem Glanz eröffnet er seine eigene Agentur im März 2016. Im Juli 2016 steigt ein Partner mit in die Agentur ein.

„Vorurteile sind mir egal.“

Foto: © Asmus

Ab und an trifft Dennis Heinze auf Vorurteile gegen „den Versicherungsvertreter“. „Du stehst auf einer Party, und dann kommt der übliche Spruch: ‚Na, haste heute wieder irgendwem das Geld aus der Tasche gezogen?‘.“ Dennis Heinze lässt sich davon nicht provozieren. „Sollen die Leute reden. Dieses Vorurteil beruht auf den anfangs erwähnten ‚Drückerkolonnen‘, die damals das Vertrauen von vielen Menschen missbraucht haben. Das Überwinden der Abwehrhaltung sehe ich als sportliche Herausforderung. Ich erarbeite mir das Vertrauen von Interessenten und Kunden, indem ich wirklich bedarfsgerecht berate und niemals – salopp gesagt – unpassenden Mist aufquatsche.“ So sieht er es auch als seine Aufgabe, seine Kunden aktiv über Vertragsverbesserungen zu informieren. „Manche Verträge laufen schon seit Jahrzehnten – und es macht Sinn, an kleinen Stellschrauben zu drehen, damit der Kunde entweder Geld spart oder zu gleichen Konditionen einen besseren Schutz erhält.“

In Helmstedt für ihre Kunden da: Manfred Mellin, Agenturleiter Dennis Heinze, Anke Vollmann (oben, v.l.n.r.) und Detlev Harnau, Agenturleiterin Viola Schwenke und Kimberly Klingner (unten v.l.n.r.) Foto: © Asmus

Ein Thema bringt den sonst so entspannten Mitdreißiger jedoch komplett in Rage: „Was da medial rund um die Lebensversicherung passiert, geht mir total gegen den Strich. Dem Verbraucher wird suggeriert, dass er bloß keine Lebensversicherung abschließen soll, weil sie keine Rendite mehr abwirft. Aber was der Verbraucher denn ansonsten tun soll, bleibt im Nebel. Viele sind verunsichert und kümmern sich deshalb gar nicht mehr um ihre Altersvorsorge. Doch gar nicht vorzusorgen ist wirklich das Allerschlimmste, was du tun kannst! Da ist doch bei den meisten die Altersarmut vorprogrammiert!“ In Sachen Altersvorsorge aufzuklären und Optionen aufzuzeigen, die zum jeweiligen Menschen passen, ist für Dennis Heinze darum ein wichtiges Anliegen.

Der Gegenpol zur Arbeit

Was macht Dennis Heinze, wenn er nicht für seine Kunden unterwegs ist? Früher war er als Fußballspieler und -trainer tätig, dafür fehlt ihm heute die Zeit. Hauptsächlich ist er mit seinen beiden Kindern und seiner Frau zusammen. Außerdem nimmt der große Freundes- und Bekanntenkreis einen wichtigen Stellenwert ein. „Ich komme ja aus der Region, und habe hier sehr viele Kumpels – da wird es nie langweilig.“

So ganz untätig mag Dennis Heinze aber auch in seiner Freizeit nicht sein. „Im Versicherungswesen kommst Du immer wieder mit der Unfallthematik in Berührung. Darum engagiere ich mich seit 2016 als Vorstandsmitglied bei der Kreisverkehrswacht Helmstedt. Wenn du willst, dass sich etwas ändert, musst du selbst deinen Teil dazu beitragen.“ Mit der Verkehrswacht kümmert er sich z. B. um die Verkehrserziehung  von Kindergartenkindern und Schülern, organisiert Fahrtrainings für Senioren und vermittelt Berufsschülern die Gefahr von Alkohol im Straßenverkehr. „Die Schüler setzen eine Rauschbrille auf, die 1,5 Promille Alkohol im Blut simuliert. Mit dieser Brille auf der Nase müssen die Teenager dann einen Parcours meistern – und merken schnell, wie eingeschränkt ihre Reaktionsfähigkeit ist. Dieser Aha-Moment zeigt mir, wie wichtig die Präventionsarbeit ist. Da kannst du stundenlange Vorträge halten – aber erst das Erlebnis am eigenen Leib macht dir die Gefahren klar.“

Und wenn er mal richtig abschalten will? „Dann gehe ich laufen. Und ich gönne mir jedes Jahr einen völlig arbeitsfreien Urlaub mit meiner Familie.“ Mit Laptop? „Nee. Der bleibt dann zuhause. Wirklich.“

© Jutta Thiel
Fotos: © Asmus, privat

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