(c) Dirk Scherer

Vier Braunschweiger Originale laden zur »Mittagspause im Museum« ein

Die Stadt Braunschweig hat schon viele weltbekannte Söhne und Töchter hervorgebracht. Allen voran Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß. Es gibt aber auch rein regionale Berühmtheiten, die Braunschweiger Originale. So waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Harfen-Agnes“, „Deutscher Hermann“, „Rechen-August“ und „Tee-Onkel“  an jeder Straßenecke bekannt. Allesamt verkrachte Existenzen am Rand der Gesellschaft – die aus ihren Schwächen jedoch Stärken machten. Sie lebten von den Groschen, die ihnen die Bürger zusteckten.

Die als geistig zurückgeblieben geltende „Harfen-Agnes“ – später Opfer des Euthanasieprogramms der Nazis in Königslutter – musizierte. Der von der Armee ausgeschlossene „Deutsche Hermann“ schliff Messer und grüßte jeden, der ein paar Extra-Groschen übrig hatte, militärisch korrekt mit ohrenbetäubendem Hackenschlag. Er war „geschmückt“ mit selbstangefertigten Orden. „Rechen-August“ wiederum war inselbegabt. Blitzschnell konnte er zehnstellige Zahlen multiplizieren und dividieren. Aber nur für ein paar Münzen … „Tee-Onkel“  schließlich war ein gescheiterter Drogist, der mit „Tee, Tee“-Rufen und eigentümlichen Gesundheitstipps für Aufmerksamkeit sorgte.

Künstler und Schriftsteller sind seit jeher bemüht, diese Menschen vor der Vergessenheit zu bewahren. Günter K. P. Starke etwa verfasste 1987 mit „Mensch, sei helle“ eine umfassende Biografie über die Braunschweiger Originale – und Künstler Hans Bethmann, 1946 verstorben, fertigte vier Statuetten an. Kunst, die selbst ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Wiederentdeckt vom Städtischen Museum, sind die Bronze-Versionen von „Harfen-Agnes“, „Deutscher Hermann“, „Rechen-August“ und „Tee-Onkel“ nun im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Mittagspause im Museum“. Am Mittwoch, den 6. Juli um 12.30 Uhr wird Interims-Museumsdirektorin Heidemarie Anderlik über die Geschichte der Originale referieren, durch die Mini-Ausstellung führen.

Die Mittagspausenführungen  finden einmal im Monat (jeweils mittwochs) mit wechselnden Themen statt. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.braunschweig.de/museum.

Nils-Andreas Andermark (SUBWAY Medien) / Fotocredit: Dirk Scherer / Statuette: „Rechen-August“

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