Worauf man beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung achten muss

Keine Frage – eine Immobilie ist für die meisten Menschen die Anschaffung ihres Lebens: Die Planung reicht von der Suche nach der passenden und vor allem bezahlbaren Lage über die detaillierte Gestaltung des Gebäudes bis hin zur turbulenten Bauphase mit ihren ganz eigenen Hürden und Hindernissen. Nachdem das Traumhaus dann endlich bezogen ist, kann man mit einer Wohngebäudeversicherung für die nötige Absicherung der größten Investition des Lebens sorgen: Auch, wenn es seit Jahren keine Pflicht mehr ist, möchte wohl kein Immobilienbesitzer auf die finanzielle Sicherheit verzichten, die diese Versicherung bietet. Nur wie kann man erkennen, ob die eigene Versicherung wirklich gut ist und zu den eigenen Bedürfnissen passt? Rafael L. Schulz, Abteilungsleiter bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig und Experte für Sachversicherungen, klärt auf: Anhand von kurzen Testfragen kann man bereits gut erkennen, ob eine Wohngebäudeversicherung im Ernstfall wirklich alle Kosten abdeckt, die man benötigt – denn einige Leistungen sind unverzichtbar, aber nicht alle Hausbesitzer brauchen zwingend jeden Zusatzschutz.

  1. Verstehe ich die Versicherungsbedingungen?

Klingt banal, ist aber bei jedem Versicherer ein besonders wichtiges Kennzeichen dafür, dass ich auch wirklich gut aufgehoben bin: Die Versicherungsbedingungen sowie die Kommunikation des Unternehmens sollte gut verständlich sein. Wenn der Kunde seine Bedingungen nicht voll nachvollziehen kann oder nicht weiß, wo er seine Informationen bekommt, dann kann er auch nicht wissen, was er von seiner Versicherung zu erwarten hat. „Der Gesamtverband der deutscher Versicherer hat Musterbedingungen herausgegeben, an denen sich Versicherungsunternehmen orientieren können“, so Rafael Schulz. „Wir und viele andere haben die Bedingungen für die Wohngebäudeversicherung anhand dieses Musters aktuell komplett neu formuliert, um verständlicher und transparenter zu sein.“ Richtet sich ein Unternehmen also nach einem Muster, ist das schon mal ein gutes Zeichen

  1. Ist meine neue Smart-Home-Technologie mitversichert?

Sprachgesteuerte Beleuchtungssysteme, app-gesteuerte Heizungen, Ventile, die elektronisch gegen auslaufendes Wasser schützen: Smart-Home-Technik reicht von komfortablen Spielereien bis hin zu sehr nützlichen Schutzmechanismen und Energiesparhilfen. Wer sein Haus mit solchen Komponenten ausstatten möchte, sollte aber nicht nur von vorherein entsprechende Beträge für die Installation einplanen, sondern auch bei seiner Versicherung nachfragen, ob die neue Technik auch wirklich versichert ist, rät Rafael Schulz: „In vielen Wohngebäudetarifen ist die Absicherung von Smart-Home-Technologie noch gar nicht enthalten.“ Einige Unternehmen setzen daher auf spezielle Smart-Home-Pakete. Worauf es dabei ankommt? „Eine gute Versicherung sollte technische Defekte genauso abdecken wie Bedienfehler oder vorsätzliche Beschädigung durch Dritte“, so Schulz. Bei der Öffentlichen beispielsweise gebe es den Zusatzbaustein Technik+, der auf Wunsch die Wohngebäudeversicherung um Smart-Home-Technik ergänzt und auch Geothermie- und andere technische Gebäudebestandteile absichert.

  1. Wer zahlt für die Entfernung von Wespennestern oder Schädlingsbefall?

Hausbesitzer wissen: Ein Schädlingsbefall ist oft schneller festgestellt, als man gedacht hat. Ob Mäuse, Motten, Ameisen, Silberfische, oder eben Wespennester. Für die Beseitigung wird dann ein Fachmann benötigt, der die ungewollten lästigen Mitbewohner möglichst schnell entfernt. Und diese fachmännische Behandlung ist selbstverständlich mit Kosten verbunden. Ähnliches gilt für Schlüsseldienste, Installateur-Notdienste bei Heizungsausfällen und vieles mehr. Kann man sich finanziell gegen solche kostspieligen Einsätze absichern? „In der Regel zahlt man für solche Notfalleinsätze auch mit einer Wohngebäudeversicherung selbst“, weiß Rafael Schulz, „es sei denn, der Versicherer bietet eine spezielle Absicherung für die Kosten für solche Einsätze an.“ Bei der Öffentlichen heißt dieser Baustein SofortService+ – der regionale Versicherer unterstützt seine Kunden mit diesem zusätzlich zur Wohngebäudeversicherung erhältlichen Schutzbrief in Notfällen, indem er nicht nur die Kosten übernimmt, sondern auch die Organisation der notwendigen Maßnahmen unterstützt. Der  Schutzbrief deckt dabei auch die Notversorgung von Angehörigen und Haustieren ab.

  1. Wie reagiert die Versicherung, wenn die Waschmaschine ausgelaufen ist, während ich kurz nicht in der Wohnung war?

Dies ist einer der umstrittensten Punkte der Wohngebäudeversicherung, denn immer wieder kommt es auf Grund der so genannten Fahrlässigkeit zu Missverständnissen: Wenn die Bewohner nicht zu Hause sind, während die Waschmaschine ausläuft, oder das Fenster trotz starkem Sturm in Kippstellung stand, liegt eine „Art Mitschuld“, die „grobe Fahrlässigkeit“ vor. Und das bedeutet in vielen Fällen, dass der Kunde zumindest nicht die volle Summe seines Schadens erstattet bekommt. „Immer mehr Versicherer bieten aber Verträge an, die trotz grober Fahrlässigkeit den Schaden teilweise oder sogar vollständig erstatten“, so Schulz: Während der Basis-Tarif in der Wohngebäudeversicherung der Öffentlichen keine Deckung für durch grob fahrlässig herbeigeführte Schäden beinhaltet, bietet die Komfort-Variante eine anteilige Deckung, der Premium-Tarif sogar eine uneingeschränkte.

  1. Was bekomme ich erstattet, wenn der Schaden nicht durch mich, sondern durch meine Mieter entsteht?

Wohnungen oder gleich ganze Häuser vermieten ist für viele ein lukrativer Nebenverdienst – der allerdings nicht ganz ohne Risiko zu haben ist: Mit Mietbetrügern, oft auch als Mietnomaden bezeichnet, und Verwüstung durch so genannte Messies möchten sich Vermieter definitiv nicht herumärgern. Aber auch bei prinzipiell wohlgesonnenen Mietern kann es schnell zu Problemen kommen – vom beschädigten Wäschetrockner im Gemeinschaftskeller bis hin zu Schäden an Einbauküchen oder anderem Eigentum des Vermieters. Wer sich absichern möchte, sollte schauen, was genau seine Wohngebäudeversicherung im Zusammenhang mit Mietern abdeckt. Oder schauen, ob die Versicherung entsprechende Zusatzleistungen im Portfolio hat. Denn viele klassische Wohngebäudeversicherungen greifen hier in der Regel nicht, so Rafael Schulz. Bei der Öffentlichen gibt es beispielsweise das Zusatzpaket Vermieter+, das sämtliche genannten Fälle mit abdeckt, aber auch für Diebstähle von Hausmeisterutensilien, Schlüsselverlust durch die Mieter und sogar Kosten für Rettungseinsätze oder durch unbemerkte Todesfälle aufkommt.

  1. Deckt meine Wohngebäudeversicherung eigentlich auch Schäden durch starken Regen oder Überschwemmungen ab?

Spätestens die großen Überschwemmungen der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt: Naturgefahren können jedes Gebäude treffen, unabhängig von der Lage beziehungsweise Entfernung zum nächsten Gewässer. Da solche Naturereignisse heute verstärkt und wesentlich extremer auftreten als früher, ist die Prüfung des eigenen Vertrages an dieser Stelle besonders wichtig, so Rafael Schulz: „Wohngebäudeversicherungen kommen normalerweise zwar für Schäden durch Sturm und Hagel auf, aber nicht für die Folgen von Starkregen oder Überschwemmungen.“ Für diese Schäden braucht man einen Zusatzschutz, die so genannte Versicherung gegen Weitere Naturgefahren, auch Elementarschadenversicherung genannt. Bei der Öffentlichen ist dieser besonders wichtige Schutz grundsätzlich eingeschlossen und wird nur dann aus dem Vertrag herausgenommen, wenn der Kunde es ausdrücklich so wünscht. „Es ist eine Besonderheit für uns als öffentlich-rechtlicher Versicherer, dass wir grundsätzlich jedem Kunden innerhalb unseres Geschäftsgebietes, des alten Braunschweiger Landes, eine Elementarschadenversicherung anbieten können. Wer sich nicht sicher ist, was sein Vertrag genau beinhaltet, sollte auch hier auf jeden Fall bei seinem Berater nachfragen.“ Übrigens: Schutz gegen Weitere Naturgefahren gibt es sowohl für die Wohngebäude- als auch für die Hausratversicherung.

  1. Ich beziehe meine Energie durch Photovoltaikanlagen mit unter Umständen sehr teuren Reparaturen. Was sagt die Wohngebäudeversicherung dazu?

Auch hier gilt: Ob und wenn in welcher Form eine alternative Energiegewinnung versichert ist, hängt ganz vom Anbieter ab. Viele Versicherer bieten daher auch an dieser Stelle Zusatzbausteine an, die besonders kostenaufwändige Techniken wie Photovoltaik zusätzlich absichern. „Eine gute Versicherung sollte auch den Ertragsausfall einer Photovoltaikanlage übernehmen und eine so genannte Allgefahrendeckung bieten, so dass die Ursache für den Schaden keine Rolle spielt“, empfiehlt Schulz. Bei der Öffentlichen heißt dieser Baustein Photovoltaik+. Darüber hinaus hat der Experte der Öffentlichen noch einen grundsätzlichen Tipp: Bei allen Neuanschaffungen und Umbauten so früh wie möglich mit der Versicherung darüber sprechen, welche Möglichkeiten für eine Erweiterung des Verssicherungsschutzes der jeweilige Anbieter im Angebot hat.

  1. Da mein Haus zeitweilig unbewohnbar ist, muss ich nicht eingeplante Kosten für die Unterbringung in einem Hotel zahlen. Sind diese in meiner Versicherung eingeschlossen?

Hotelkosten fallen sehr schnell an, wenn das eigene Haus aus den unterschiedlichsten Gründen unbewohnbar ist. Und sie können sich – besonders mit mehreren Personen – finanziell recht deutlich bemerkbar machen. Immer mehr Versicherer haben deshalb mittlerweile spezielle Angebote, die Hotelkosten oder ähnliche Unterbringungen abdecken, wenn „die Nutzung des Wohnraums unzumutbar oder nicht möglich ist.“ Die Öffentliche deckt diese Kosten seit kurzem in ihrem Premium-Tarif ebenfalls ab. „Die Übernahme von Unterbringungskosten im Ernstfall wird oft übersehen. Nicht darauf sitzen zu bleiben, ist ein netter Bonus, der es lohnt, seine Verträge genau durchzugehen“, rät Rafael Schulz.

Wer sein Wohngebäude individuell und an seinen Bedürfnissen orientiert absichern möchte, sollte auf jeden Fall das persönliche Gespräch mit seinem Berater suchen, rät Rafael Schulz: „Man sollte alle Wünsche und Besonderheiten genau angeben, damit die Versicherung individuell darauf eingehen kann.“ Das gilt auch für bereits abgeschlossene Verträge: „Wer sich nicht hundertprozentig sicher ist, was sein Vertrag beinhaltet oder ob er noch aktuell ist, sollte ebenfalls das Gespräch suchen. Für die Wohngebäudeversicherung gilt schließlich, wie für jede andere Versicherung auch: Ich sollte ganz genau wissen, was ich bekomme. Und bei einem so wichtigen Thema wie der Absicherung der eigenen Immobilien sollte ich erst recht genau wissen, dass ich über genau den Schutz verfüge, den ich brauche.“

Rafael Schulz – Abteilungsleiter und Experte für Sachversicherungen

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